Wirtschaft
Immer mehr Studien stellen einen Zusammenhang zwischen Fracking und Erdbeben her.
Immer mehr Studien stellen einen Zusammenhang zwischen Fracking und Erdbeben her.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Mittwoch, 10. Juni 2015

Durch Fracking verursacht?: Beben bringen ExxonMobil in Erklärungsnot

Im texanischen Ballungsraum Dallas-Fort Worth mit mehr als sechs Millionen Einwohnern bebt die Erde. Möglicherweise haben Fracking-Bohrungen die Beben ausgelöst - die verantwortlichen Konzerne kommen zunehmend in Bedrängnis.

Eine Reihe von Erdbeben hat in diesem Jahr bereits die texanische Metropole Dallas-Forth Worth erschüttert. Einige der größten US-Energiekonzerne stehen nun im Verdacht, dafür verantwortlich gewesen zu sein. Eine Exxon-Mobil-Tochter und die Firma EOG Resources, die zu den größten Schiefergasproduzenten gehört, müssen ihre Nutzung von Injektionsbohrungen zur Entsorgung ihres Abwassers aus Fracking-Betrieben erklären.

Die Öl- und Gasaufsicht des Bundesstaates beginnt an diesem Mittwoch eine Reihe von Anhörungen, um die Rolle von Ölkonzernen bei den Erdbeben zu untersuchen. Immer mehr wissenschaftliche Studien von staatlichen und akademischen Einrichtungen deuten darauf hin, dass Entsorgungsbohrungen womöglich mit einer Zunahme der seismischen Aktivität in Verbindung stehen.

Einige Vertreter der Energiebranche versuchen, diese Studien zu diskreditieren. Der Seismologe der Kommission, Craig Pearson, hat selbst Zweifel daran geäußert, dass Fracking oder Abwasserentsorgung für die jüngsten Erdbeben in Nordtexas verantwortlich waren. In der Region ist das Erdgasexplorationsgebiet Barnett Shale zu finden.

Studie zeigt Zusammenhänge zum Fracking

Doch Ryan Lance, Vorstandsvorsitzender von ConocoPhillips, einem der größten amerikanischen Akteure in Schiefergebieten, gibt zu, dass es eine Verbindung gibt. "Wir haben alle Daten und Beweise verfolgt und es scheint tatsächlich, als würde Abwasser in einigen Gegenden seismische Vorkommnisse auslösen", sagte Lance vergangenen Monat. "Wir versuchen noch zu verstehen, wie groß das Ausmaß ist."

In Deutschland hat die Große Koalition unter schweren Attacken der Opposition gerade erst ein Fracking-Gesetz bei der ersten Beratung im Bundestag verteidigt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erklärte, dass der Gesetzentwurf "sehr strenge Regeln" vorsehe. "Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst", versicherte die SPD-Politikerin. Grüne und Linke befürchten hingegen die Verschmutzung des Trinkwassers und massive Umweltschäden, wie sie angeblich in den USA durch Fracking entstanden seien.

Eine aktuelle Studie der Southern Methodist University (SMU) in Dallas stellt einen Zusammenhang zwischen den Erdbeben und den Aktivitäten von Ölkonzernen her. So stünden die Abwasserentsorgung von XTO Energy, einer Tochter von Exxon, sowie eine weitere Entsorgungsbohrung der EnerVest Operating Co. im Zusammenhang mit einer Reihe von Erdbeben in Fort Worth zwischen November 2013 und Januar 2014. Beide Firmen sollen zwischen dem 10. und 16. Juni vor staatlichen Aufsichtsbehörden erscheinen.

Bauvorschriften müssen geändert werden

Forscher der SMU glauben, dass die Erdbeben wahrscheinlich das Ergebnis von unterirdischen Druckveränderungen sind. Diese entstanden offenbar durch die Injektion von Abwasser, während gleichzeitig Salzwasser aus Bohrungen an die Oberfläche floss.
Diese Druckveränderungen scheinen eine längst inaktive Verwerfungslinie wieder aktiviert zu haben, sagt Matt Hornbach, Lektor für Geophysik an der SMU. Noch ist unklar, ob spätere Beben in Dallas ebenfalls durch Injektionsbohrungen verursacht wurden.

Eines der jüngsten Erdbeben circa 50 Kilometer südlich von Dallas hatte die Stärke 4,0 und führte dazu, dass vier Energieunternehmen mit fünf nahegelegenen Abwasserbohrungen diese stilllegen und überprüfen mussten. Mike Rawlings, Bürgermeister von Dallas, sagt, dass die Stadt unter Umständen Bauvorschriften ändern müsse, um mit dem Problem umzugehen. Versicherungsvertreter berichten von einem deutlich gestiegenen Interesse an Gebäudeversicherungen, die auch Schäden durch Erdbeben abdecken.

Quelle: n-tv.de

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