Wirtschaft
Amazon steht ein heißer Advent bevor.
Amazon steht ein heißer Advent bevor.(Foto: picture alliance / dpa)

Päckchen erst nach Weihnachten?: Bei Amazon droht Streik

Seit Sommer kämpft Verdi vergeblich um einen Tarifvertrag für die rund 9000 festen Mitarbeiter von Amazon. Nun erhöht die Gewerkschaft den Druck auf den Onlinehändler: Amazon-Mitarbeiter sollen mitten im Weihnachtsgeschäft die Pakete liegen lassen.

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Die Gewerkschaft Verdi läutet im Konflikt um einen Tarifvertrag beim weltgrößten Online-Versandhändler Amazon das Kräftemessen im Weihnachtsgeschäft ein. Am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld und in Leipzig würden die im Sommer begonnenen Streiks fortgesetzt, sagte Verdi-Sekretär Manuel Sauer.

Der Streik sei längerfristig angelegt. "Über die Dauer werden wir situativ entscheiden", sagte Sauer. Grundsätzlich könne sich Amazon auf längere Streiks einstellen. "Wir werden in der heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts jetzt mehr Druck ausüben." Verdi wolle die Macht der Mitarbeiter demonstrieren. "Wir brauchen zwar einen langen Atem, wir werden aber auch an anderen Amazon-Standorten immer stärker."

Amazon bleibt betont cool

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Verdi fordert für die rund 9000 festen Mitarbeiter in den acht Versandzentren einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Amazon orientiert sich an den günstigeren Konditionen der Logistikbranche.

Amazon reagierte auf verstärkte Streikandrohungen für deutsche Standorte mit demonstrativer Gelassenheit. Ein Amazon-Sprecher sagte, dass der US-Versandriese sein "gesamtes europäisches Logistiknetzwerk nutzen" werde, um die Kunden trotz der zu erwartenden Proteste schnell zu beliefern.

Amazon teilte mit: "Wir arbeiten in den nächsten Wochen ganz besonders darauf hin, dass unsere Kunden gerade in der Weihnachtszeit den gewohnten Service und die beste Zuverlässigkeit ihrer Lieferungen bekommen, die sie auch unterjährig gewohnt sind." Bislang hätten die zahlreichen Streiks keine Auswirkungen für die Kunden gehabt.

Verdi plant bundesweit

Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte: "Unsere Aktionsfähigkeit kann auf alle Standorte übergreifen." Weitere Standorte für Streiks neben Leipzig und Bad Hersfeld seien in Planung. "Wir werden uns auf Tage konzentrieren, die das Geschäft besonders stören und die Streiks auch miteinander vernetzen", sagte Nutzenberger.

Seit Mai streiken Amazon-Beschäftigte immer wieder am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld und in Leipzig. Tarifgespräche lehnt Amazon aber ab. Deutschlandchef Ralf Kleber sagte: "Warum sollten wir Tarifverhandlungen beginnen? Davon würde nur die Gewerkschaft profitieren. Amazon zahlt in der Logistik-Branche bereits überdurchschnittlich, und wir stehen in einem direkten Dialog mit unseren Arbeitnehmern - dafür benötigen wir Verdi nicht."

Quelle: n-tv.de

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