Wirtschaft

Karstadt-Gezerre: Berlin macht Druck

Wenige Tage vor Ablauf der Frist für die Karstadt-Einigung macht die Bundesregierung Druck auf die Beteiligten, schließt aber ein Engagement des Staates weiter aus. "Vermieter und Mieter müssen jetzt ihre Hausaufgaben machen und sich einigen. Das ist deren Verantwortung", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Die Deutsche Bank signalisiert Unterstützung für den Investor Berggruen.

Der Karstadt-Deal soll jetzt zügig vom Tisch.
Der Karstadt-Deal soll jetzt zügig vom Tisch.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Poker um den Verkauf der Warenhauskette Karstadt hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle an die Beteiligten appelliert, sich zu einigen. "Beide dürfen nicht die Nerven der Mitarbeiter weiter strapazieren, sondern müssen zu einem soliden Deal kommen", mahnte der FDP-Politiker in der "Wirtschaftswoche". "Der Staat kann und wird nicht Teil dieses Deals sein." Auch Bundearbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich mehrfach in die Gespräche eingeschaltet.

Nach Informationen des Magazins erwägt der neue Nordrhein-Westfälische Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD), bei den beteiligten Banken zu intervenieren. Der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen hatte mehrfach die Politik um Vermittlung gebeten.

Im Ringen um die Karstadt-Rettung hat Berggruen bereits Anfang Juni einen Kaufvertrag für die insolvente Warenhauskette unterzeichnet. Damit der Kaufvertrag gültig wird, muss er sich jedoch bis zum Donnerstag kommender Woche mit dem Vermieterkonsortium Highstreet über die von ihm geforderten Mietsenkungen für die Warenhäuser geeinigt haben. Hinter dem Konsortium stehen unter anderem die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank.

Deutsche Bank unterstützt Berggrün

Die Deutsche Bank hatte zuvor Unterstützung für die Übernahme von Karstadt durch Berggruen signalisiert. "Wir werden die Lösung Berggruen weiterhin konstruktiv unterstützen, denn sie erscheint uns derzeit als die sicherste für Karstadt", sagte der für das Deutschland-Geschäft zuständige Vorstand Jürgen Fitschen der Tageszeitung "Die Welt". Berggruen hatte der Deutschen Bank vorgeworfen, sie unterstütze das Gegenangebot des italienischen Kaufhausbetreibers Maurizio Borletti, das jedoch von Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg kategorisch abgelehnt wird.

Nicolas Berggruen erhält von der Deutschen Bank Unterstützung.
Nicolas Berggruen erhält von der Deutschen Bank Unterstützung.(Foto: dpa)

Fitschen ließ Sympathie für Borletti erkennen, wies Berggruens Vorwürfe aber erneut zurück. Berggruen sei offenbar nervös und versuche die Übernahme zu beschleunigen. "Nach den zahlreichen Gesprächen, die wir miteinander hatten, muss Herr Berggruen wissen, dass es anders ist, als er gesagt hat. Wir tun weiterhin alles für eine gute Zukunft von Karstadt", betonte der Deutsche-Bank-Vorstand.

Der Milliardär Berggruen braucht bis nächsten Donnerstag die Zustimmung von Highstreet und all dessen Gläubigern, um die seit mehr als einem Jahr insolvente Kette übernehmen zu können. Erst am Donnerstag treffen sich die Gläubiger einer Anleihe, mit der Highstreet den Kauf der Immobilien finanziert hat. "Vieles spricht dafür, dass eine Einigung erzielt wird", sagte Fitschen. Bei den Mezzanine-Kapitalgebern, die in Highstreet investiert haben, scheine das wegen deren komplexer Struktur etwas schwieriger. Dennoch gab sich der Vorstand zuversichtlich: "Die wirtschaftliche Logik spricht dafür, dass es eine Einigung zwischen Highstreet und den Mezzanine-Investoren geben wird."

Deutsche-Bank-Vorstand Fitschen bleibt dennoch skeptisch, ob Berggruen die Kette mit 25.000 Arbeitsplätzen auf Dauer erhalten kann. "Das ist nicht einfach. Ich kann nur hoffen, dass er einen tragfähigen Geschäftsplan hat, damit eine dauerhafte Rettung von Karstadt gewährleistet wird", sagte er. Die Vorstellung von einem Warenhauskonzerns aus Karstadt und den ebenfalls zum Verkauf stehenden Kaufhof-Warenhäusern von Metro hat er nicht aufgegeben: "Die Deutsche Warenhaus AG ist als Denkmodell prinzipiell weiter auf dem Tisch." Goldman Sachs hatte lange an einer solchen Fusion gearbeitet, aber wegen des langwierigen Insolvenzverfahrens Branchenkreisen zufolge zunächst aufgegeben.

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Quelle: n-tv.de

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