Wirtschaft

Kampf um EADS-SpitzeBerlin will eigenen Vertreter

06.03.2012, 08:54 Uhr
1327598058-jpg8444744961355768408
Designierter EADS-Chef Thomas Enders. (Foto: dapd)

Der deutsch-französische Streit um die Führung des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS eskaliert weiter: Laut Medienberichten fordert Berlin nun einen eigenen Vertreter im Verwaltungsrat, um deutsche Interessen zu wahren. Die Liste der Konfliktpunkte ist aber noch länger.

Als Reaktion auf die Pläne der künftigen EADS-Führung, die Konzernzentrale von München und Paris nach Toulouse zu verlagern, will sich die Bundesregierung einem Zeitungsbericht zufolge mehr Einfluss auf die Besetzung des Verwaltungsrates bei dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern sichern. Gedacht werde daran, einen eigenen Vertreter in das einflussreiche Gremium zu entsenden, schrieb das "Handelsblatt" unter Berufung auf Regierungskreise.

Hintergrund dieser Bemühungen seien die Gespräche über einen direkten Einstieg des Bundes in den Aktionärskreis der Airbus-Mutter über die Staatsbank KfW. Wer von den bisherigen deutschen Vertretern im EADS-Verwaltungsrat weichen könnte, sei offen. Im Gespräch als eigener Vertreter der Bundesregierung sei beispielsweise Bahn-Chef Rüdiger Grube, der zu Zeiten als Vorstandsmitglied bei Daimler schon einmal Chef des EADS-Verwaltungsrates war.

Derzeit ist der deutsche Staat im Gegensatz zu Frankreich selbst nicht Aktionär bei EADS - bis auf einen kleinen Anteil, den die KfW hält. Der Großteil der deutschen Beteiligung entfällt auf einen Daimler-Anteil von 15 Prozent. Der Stuttgarter Autobauer will sich aber von dem Aktienpaket trennen, und Deutschland ist aktuell dabei, über die KfW die Hälfte davon zu übernehmen. Zum Verkauf stehen zudem weitere 7,5 Prozent, die derzeit bei vorwiegend deutschen Finanzunternehmen liegen.

Streit eskaliert weiter

Der Streit um die EADS-Führung spitzt sich damit zu: Der deutsche Regierungskoordinator für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, hatte kürzlich in einem Brief den designierten EADS-Chef Tom Enders aufgefordert, der deutschen Seite im Airbus-Management sowie generell bei den wichtigen Entwicklungs-, Forschungs- und Produktionsaktivitäten einen fairen Anteil zu geben. Zudem sollten bei der Besetzung der obersten Hierarchieebenen im Airbus-Management Deutsche und Franzosen gleichermaßen zum Zuge kommen, so der CDU-Politiker.

Auch andere Unionspolitiker wollen mehr deutschen Einfluss bei EADS: „Wir dürfen uns von den Franzosen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs dem "Handelsblatt". Es wäre „nicht witzig, wenn Deutschland Standorte abgebaut werden“.

Airbus ging nach Hintzes Brief in die Gegenoffensive und erklärte verärgert, man weise die Forderungen mit Nachdruck zurück. Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" prüfen EADS und seine Tochter Airbus, ob sie künftig ohne Entwicklungsdarlehen der Bundesregierung auskommen könnten. Der amtierende Airbus- und künftige EADS-Chef Tom Enders wolle sich damit dem Druck der Bundesregierung in Standortfragen entziehen. EADS ist seit seiner ein politisch hochsensibles Gebilde mit einer sorgsam austarierten Machtbalance zwischen den deutschen und den französischen Aktionären.

Quelle: ntv.de, rts/AFP