Wirtschaft
In Schieflage geraten.
In Schieflage geraten.(Foto: REUTERS)

Tiefrote Zahlen: Bilfinger erlebt sein Horrorjahr

Personalkarussell, Gewinnwarnungen: 2014 ist ein schwarzes Jahr für Bilfinger. Jetzt will der Konzern nach vorn blicken und sich internationaler aufstellen. Interimschef Bodner sieht bereits Licht am Ende des Tunnels.

Der Einbruch des Kraftwerksgeschäfts und hohe Abschreibungen haben den kriselnden Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger tief in die Verlustzone gedrückt. Von Juli bis September fiel ein Nettoverlust von 180 Millionen Euro an, nach einem Gewinn von 48 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das MDax-Unternehmen mitteilte. Das bereinigte operative Ergebnis ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um die Hälfte zurück auf 50 Millionen Euro. Der Umsatz stieg leicht auf zwei Milliarden Euro.

Nach Einschätzung von Interimschef Herbert Bodner hat Bilfinger das Schlimmste hinter sich. Im kommenden Jahr sei aber nicht mit einer durchgreifenden Besserung rechnen, sagte er: "Ich gehe davon aus, dass 2014 der Tiefpunkt ist." Das operative Geschäft werde sich wieder schrittweise verbessern. Die beiden zurzeit schwächelnden Sparten - Energie- und Industriedienstleistungen - bleiben demnach aber angeschlagen. Es werde dauern, bis Bilfinger das wegen der Energiewende niederliegende Kraftwerksgeschäft neu aufgestellt habe. In der Industriesparte sei kein dynamisches Wachstum und kein Anstieg der Rendite zu erwarten.

Zu den Folgen der Krise, die Bilfinger in diesem Jahr einen Verlust einbrocken wird, ergänzte Bodner, es sei kein weiterer Personalabbau über den bekannten hinaus zu erwarten. Er persönlich würde trotz des Verlusts keine Dividendenstreichung vorschlagen.

Bilfinger hatte vergangene Woche zum vierten Mal in diesem Jahr die Ergebnisprognose senken müssen. Wegen Abschreibungen in der schwachen Energiesparte und auf eine Anlage zum Bau von Windparks in Höhe von 230 Millionen Euro wird auch im Gesamtjahr unter dem Strich ein Verlust anfallen. Das bereinigte operative Ergebnis aus fortzuführenden Aktivitäten werde aber mindestens 270 Millionen Euro betragen, bekräftigte der Vorstand.

Personelle Veränderungen

Der Mannheimer Konzern steht nach dem Rücktritt von Vorstandschef Roland Koch und Aufsichtsratschef Bernhard Walter vor einem personellen Neuanfang, der mit der Wahl des Ex-Metro-Chefs Eckhard Cordes zum Aufsichtsratsvorsitzenden eingeläutet wurde. Cordes wurde von Großaktionär Cevian in den Aufsichtsrat geschickt. Der Finanzinvestor aus Schweden, der 25,6 Prozent an Bilfinger hält, hat damit zwei Vertreter im Aufsichtsrat und weitgehend das Sagen.

Neben Koch wird auch Finanzchef Joachim Müller gehen, sobald ein Nachfolger gefunden ist. Auch Bodner, der zurzeit befristet das Unternehmen wieder leitet, wird nach diesem Einsatz nicht mehr in den Aufsichtsrat zurückkehren.

Quelle: n-tv.de

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