Wirtschaft
Konzernchef Roland Koch kann die Jahresziele nicht mehr erreichen.
Konzernchef Roland Koch kann die Jahresziele nicht mehr erreichen.(Foto: picture alliance / dpa)

Energiewende schuld: Bilfinger schockt den Markt

Kurz vor Anpfiff der deutschen Achtelfinalbegegnung bei der Fußball-WM überrascht der Baukonzern Bilfinger mit einer Gewinnwarnung. Allerdings hadern Marktteilnehmer mit der Begründung. Für das Papier geht es nach Xetra-Eröffnung drastisch hinab.

Der Baukonzern Bilfinger hat wenige Minuten vor Beginn des Achtelfinalspiels der deutschen Nationalelf gegen Algerien bei der Fußball-WM in Brasilien eine Gewinnwarnung herausgegeben. Die bisherige Prognose einer deutlichen Ergebnissteigerung werden in diesem Jahr nicht erreicht, teilte das Unternehmen mit. Um dieser negativen Entwicklung zu begegnen, seien Kapazitätsanpassungen in den Bereichen Power und Industrial geplant. Auch sollen "unverzüglich" weitere kurzfristige Sparprogramm initiiert werden. Für das Papier zeichnen sich herbe Verluste ab.

Schon im ersten Halbjahr werde das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) deutlich unter dem Vorjahreswert liegen, hieß es weiter. Auch für das Gesamtjahr werde einem Ergebnisrückgang gerechnet. Die Leistung werde voraussichtlich rund 7,9 Milliarden Euro betragen. Der vergleichbare Wert für 2013 (ohne die zum Verkauf gestellten Geschäftsbereiche) betrug 7,7 Milliarden Euro.

Versorger halten angeblich Investitionen zurück

Das bereinigte Ebita sieht Bilfinger nun bei 380 Millionen bis 400 Millionen Euro nach einem vergleichbaren Wert von 419 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Das bereinigte Konzernergebnis werde auf vergleichbarer Basis voraussichtlich zwischen 230 Millionen und 245 Millionen Euro liegen. Im vergangenen Jahr waren es 255 Millionen Euro.

Im Geschäftsfeld Industrial sieht Bilfinger die Leistung auf vergleichbarer Basis bei 3,7 Milliarden Euro stagnieren. Die EBITA-Marge soll hier indessen auf 6,0 von 5,7 Prozent steigen.

Dagegen werde die Ebita-Marge der Sparte Power voraussichtlich auf sechs Prozent zurückgehen. Ursächlich seien die geringe Auslastung in der Sparte Piping Systems und einige schwächere Projektergebnisse. Die Leistung dürfte auf 1,5 Milliarden von vergleichbaren 1,7 Milliarden Euro zurückgehen. Der Geschäftsbereich leide unter der Energiewende in Deutschland und der daraus resultierenden Investitionszurückhaltung der Versorger. Nach der Restrukturierungsphase solle die Marge des Segments Power ab 2016 wieder oberhalb von acht Prozent liegen.

Optimistischer ist Bilfinger mit Blick auf das Geschäftsfeld Building and Facility. Hier werde die Ebita-Marge voraussichtlich mit rund fünf Prozent am oberen Ende der angestrebten Spanne liegen. Im vergangenen Jahr betrug sie 4,9 Prozent. Die Leistung dürfte auf 2,7 Milliarden von 2,5 Milliarden Euro steigen.

Analysten reagierten überrascht. "Die Gewinnwarnung ist schon drastisch genug, dazu ist auch noch die Mittelfrist-Prognose in Gefahr", sagt ein Marktteilnehmer. "Zudem irritiert die Begründung allein mit der Energiewende". Schließlich habe die Politik hier keine neuen Regeln in den vergangenen Monaten aufgestellt, die zu einer überraschenden Gefährdung der Prognose hätten führen können. Die Unsicherheit, dass es noch andere Problemquellen geben könnte, drückt die Aktie am Tag nach der Gewinnwarnung mehr als 15 Prozent ins Minus.

Quelle: n-tv.de

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