Wirtschaft
Wird der Bitcoin Mainstream?
Wird der Bitcoin Mainstream?(Foto: REUTERS)

Erster Geldautomat in Vancouver: Bitcoin schnell in Bargeld tauschen

Die virtuelle Währung Bitcoin fasst Fuß in der realen Welt: In Kanada können Fans ihre digitalen Geschäfte erstmals an einem Geldautomaten erledigen. Bitcoins aus dem virtuellen Portemonnaie werden in wenigen Minuten zu handfesten kanadischen Dollar.

Ein auf den ersten Blick handelsüblicher silber-blauer Geldautomat in einer Espresso-Bar in Vancouver - das könnte für die virtuelle Währung Bitcoin eine neue Zeitrechnung einläuten: Erstmals haben Fans der weltweit führenden Kunstwährung die Möglichkeit, diese komfortabel und schnell in Bargeld umzutauschen - oder auch mehr Bitcoins zu kaufen.

Am Automaten dauert der Umtausch von Bitcoins in Dollar zwei Minuten.
Am Automaten dauert der Umtausch von Bitcoins in Dollar zwei Minuten.(Foto: REUTERS)

Die Idee hierzu hatten drei junge Geschäftsleute, die auch schon eine Bitcoin-Wechselstube betreiben. Nach der Einweihung bildete sich sofort eine Schlange von Fans vor dem Automaten. "Es ist so einfach wie der Gang an den Geldautomaten an sich", sagte Jordan Kelley, Chef von Robocoin, dem Startup-Unternehmen, das den Geldautomaten gebaut hat. Mit dem Automaten dauere der Umtausch nicht länger als zwei Minuten. Jeder Online-Tausch brauche dagegen zwei Tage.

Hand scannen genügt

Die Geräte erlauben die Bargeld-Auszahlung von kanadischen Dollars von zuvor an RoboCoin überwiesenen Bitcoins. Auch das Einzahlen ist möglich. So akzeptiert die Maschine kanadische Dollar-Noten, deren Bitcoin-Gegenwert dann auf dem eigenen Online-Wallet gutgeschrieben wird. Benutzer des Geldautomaten müssen nichts weiter tun, als ihre Hand einscannen, um ihre Identität zu bestätigen, danach können sie ihre Geldmittel zwischen ihrem virtuellen Portemonnaie auf dem Smartphone und der Maschine hin- und herbewegen. Die digitalen Geldgeschäfte lassen sich über den Touchscreen erledigen. Transaktionen sind auf 1000 US-Dollar pro Tag begrenzt. Damit soll Geldwäsche und anderen Betrügereien vorgebeugt werden.

Bei einem Automaten soll es nicht bleiben. Der Betreiber des Geldautomaten, Bitcoiniacs, will bis Dezember vier weitere Automaten in Kanada aufstellen. Laut Robocoin ist Kanada ein idealer Ort für die Expansion. Die kanadische Finanzaufsicht ist deutlich weniger reglementiert als die US-amerikanische, die alle Bewegungen des Bitcoin sehr streng überwacht.  Erklärtes Ziel der Betreiber des Bitcoin-Automaten ist es dennoch, im kommenden Jahr auch die USA zu erobern.  

Von Kanada in die USA

Vancouver hat eine lebendige Internetszene - entsprechend beliebt ist dort die virtuelle Währung. Mittlerweile akzeptieren nicht nur einige Onlineshops und  Internetdienstleister den Bitcoin als Zahlungsmittel, auch in immer mehr Läden lässt sich mit der Währung bezahlen. In Vancouver allein nehmen etwa 15 Geschäfte Bitcoin in Zahlung - vom Coffeeshop bis zur Landschaftsgärtnerei. Ein wichtiger Hotspot für die Kunstwährung ist neben San Francisco auch Berlin.

Ein Bitcoin hat derzeit einen Wert von rund 210 US-Dollar. Der Vorteil der Kunstwährung liegt darin, dass sie nicht über Banken oder Clearingstellen läuft, womit die Gebühren für Geldtransfers wegfallen. Der Bitcoin ist jedoch keine anerkannte Währung. Er wurde 2008 als Antwort auf die internationale Finanzkrise erfunden. Geschaffen hat sie ein unbekannter Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Das virtuelle Geld wird in einem globalen Netzwerk von Computern gehandelt und durch komplexe Verfahren berechnet, die maximale Geldmenge ist begrenzt. Nutzer können die Währung als virtuelle Guthaben erwerben. Der Wechselkurs zu echtem Geld wird täglich errechnet - und kann teils extrem schwanken.

Die Bedenken bleiben

Das Ansehen der Währung hat in diesem Monat einen schweren Schlag erlitten, als US-Aufseher den Online-Marktplatz Silk Road schlossen, über den Drogen im Wert von 3,6 Millionen Bitcoins ge- bzw. verkauft wurden. Neben der US-Regierung warnen Wirtschaftsexperten aus verschiedensten Ländern vor Bitcoins, da Regierungen und Banken diese ungeregelte Konkurrenz nicht mehr lange dulden werden. Trotzdem gewinnt die Währung immer mehr an Halt unter Verbrauchern und Unternehmen. "Bitcoin wird definitiv Mainstream", so Bitcoiniacs-Mitbegründer Mitchell Demeter. So wie die Dinge und die Infrastruktur sich entwickelten, werde es für die Menschen leichter, Bitcoins zu kaufen und verkaufen; damit werde auch die Akzeptanz wachsen.

Quelle: n-tv.de

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