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Brasiliens Wirtschaft kämpft derzeit mit vielen Problemen.
Brasiliens Wirtschaft kämpft derzeit mit vielen Problemen.(Foto: picture alliance / dpa)

Notenbank schraubt die Zinsen hoch: Brasilien kämpft gegen die Inflation

Was ist bloß mit dem einstigen Hoffnungsträger der Weltwirtschaft los? In Brasilien schwächelt die Wirtschaft, hohe Preise treiben das Volk auf die Straße. Die Notenbank zieht nun im Kampf gegen die Inflation alle Register. Einen Schuldigen für die Misere hat die Regierung schon ausgemacht.

Hohe Inflation, lahmes Wachstum - Brasilien bangt um den Boom.
Hohe Inflation, lahmes Wachstum - Brasilien bangt um den Boom.(Foto: picture alliance / dpa)

BRIC - diese vier Buchstaben standen einst für die aufstrebendsten Wirtschaftsländer der Welt: Brasilien, Russland, Indien und China. Doch von dem Glanz ist derzeit nicht mehr viel zu spüren. Chinas Wirtschaftswachstum flacht ab, Indien kämpft mit Strukturreformen, Russland mit seiner politischen Glaubwürdigkeit und Brasilien mit steigenden Inflationsraten.

Die Notenbank hat deshalb den Leitzins von 8,5 auf 9 Prozent erhöht, der dritte derartige Schritt in Folge. Die Währungshüter der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas signalisierten zudem, dass sie zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik bereit seien. Jose Francisco de Lima Goncalves, Chefvolkswirt bei Banco Fator, rechnet mindestens noch mit einer weiteren Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte Mitte Oktober. Später könnten die Zinsen sogar auf zehn Prozent steigen, ergänzte der Analyst. Das Land kämpft beständig mit einer Inflationsrate von über fünf, teils sechs Prozent. Die offizielle Zielmarke liegt bei 4,5 Prozent.

Eines der größten Probleme ist die starke Abwertung der Währung, die Importe verteuert und so für Preisdruck sorgt. Die brasilianische Notenbank hat deswegen beschlossen, mit bis zu 60 Milliarden Dollar gegen den Wertverfall zu kämpfen. Mit Bargeld und Derivate-Kontrakten bieten die Währungshüter den Investoren eine Versicherung gegen weitere Kursverluste und wollen dadurch verhindern, dass sie ihr Geld abziehen. Das Programm soll zunächst bis Dezember laufen, könnte bei Bedarf aber erweitert werden.

Die großen Hoffnungen, die Brasilien Anfang des Jahrzehnts mit einem Wachstum von über sieben Prozent nährte, hat das Land zuletzt nicht halten können. 2011 betrug das Wachstum nur noch drei Prozent, 2012 sogar nur noch ein Prozent. Auch für 2013 senkte die Regierung die Wachstumsprognose von 3 auf 2,5 Prozent.

Spielball der USA?

Für die brasilianische Regierung steht der Schuldige der Turbulenzen schon lange fest: die US-Geldpolitik. Noch vor wenigen Monaten hatte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega die ultra-lockere Geldpolitik vieler westlicher Notenbanken, vor allem aber der US-Notenbank Fed, regelmäßig kritisiert. Sie spüle spekulatives Anlagegeld nach Brasilien, treibe dort den Zins nach oben, drohe gefährliche Preisblasen zu schaffen und bringe letztlich die gesamte Volkswirtschaft in Unordnung. Noch im Februar erklomm Brasiliens Währung ein Neun-Monats-Hoch.

Inzwischen hat sich der Wind gedreht, und wieder findet Mantega, seien es insbesondere die US-Notenbanker, die die Wirtschaft seines Landes in Unruhe versetzten. "Verwirrende" Botschaften über das bevorstehende Abbremsen der hochexpansiven Fed-Politik lösten neue Unsicherheiten in seinem Land aus. In den USA ist seit Wochen eine hitzige Debatte im Gange, wann die Fed den Schalter umlegen und anfangen wird, die Gelddruckmaschinen erst langsamer rotieren zu lassen und dann gar nicht mehr. Der noch bis Ende Januar amtierende Notenbankchef Ben Bernanke hatte zuletzt angedeutet, dass er damit noch in diesem Jahr anfangen will und die Wertpapierkäufe, über die er derzeit monatlich 85 Milliarden Dollar in die Volkswirtschaft pumpt, Mitte 2014 dann beenden will.

Die Folgen des absehbaren geldpolitischen Schwenks sind in jedem Fall gefährlich für Brasilien und andere Schwellenländer, in die das viele billige Geld der US-Notenbank in den vergangenen Monaten und Jahren geflossen ist. Denn jetzt fließt das Geld ab. Seinen Widerhall findet das in Kursverlusten der brasilianischen Währung. Das Wirtschaftswachstum wird dadurch gebremst.

Quelle: n-tv.de

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