Wirtschaft
Bundesbankvorstand Andreas Dombret sieht den Boom am Immobilienmarkt kritisch.
Bundesbankvorstand Andreas Dombret sieht den Boom am Immobilienmarkt kritisch.(Foto: picture alliance / dpa)

"Erste Wolken am Horizont": Bundesbanker warnt vor Immobilienblase

In Zeiten niedriger Zinsen boomt das Geschäft mit dem Betongold - auch in Deutschland. Bundesbanker Andreas Dombret sieht darin große Risiken. Werden Banken bei der Kreditvergabe unvorsichtig, könne eine Konjunkturflaute dramatische Folgen haben.

Bundesbankvorstand Andreas Dombret hat vor einer Blase am deutschen Immobilienmarkt gewarnt. "Die Preise für Wohnimmobilien sind in den vergangenen Jahren in den Metropolen und Metropolregionen deutlich gestiegen", sagte der Zentralbanker "Spiegel Online". Zwar würden die Banken weiterhin Immobilienkredite nach konservativen Kriterien vergeben, das Kreditvolumen sei zuletzt allerdings so stark gestiegen wie seit 13 Jahren nicht mehr. "Deshalb habe ich heute mehr Bedenken als in den vergangenen Jahren", ergänzte Dombret. "Ich sehe erste Wolken am Horizont aufziehen."

Vor allem die niedrigen Zinsen kurbelten das Geschäft mit Immobilien zuletzt kräftig an. Allein im vergangenen Jahr haben nach Schätzungen der amtlichen Gutachterausschüsse Wohnungen, Häuser und Grundstücke für 200 bis 210 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt. Für 2016 rechnen Experten gar mit einer noch höheren Summe. Zudem stieg Dombret zufolge allein bei Wohnungsbaukrediten das Wachstumstempo um 3,5 Prozent. "Und auch das Gesamtvolumen hat Ende 2015 mit 1,230 Milliarden Euro einen Rekord erreicht", so der Banker. "Als Aufsicht werden wir sehr genau beobachten, ob sich dieser Anstieg fortsetzt."

Hintergrund von Dombrets Äußerungen ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Um die Inflation in der Eurozone zu erhöhen, hatte die EZB den Leitzins im März erstmals in ihrer Geschichte auf 0,0 Prozent gesenkt. Der sogenannte Einlagezins für Banken liegt sogar im negativen Bereich bei minus 0,4 Prozent. Damit steige laut Dombret auch der Anlagedruck für die Banken. Irgendwas müssten sie mit ihrem Geld machen. "Und deshalb vergeben sie so viele Immobilienkredite." Problematisch könne das vor allem dann werden, wenn sich die Konjunktur eintrübt und die Arbeitslosigkeit steigt. "Dann können die Kunden womöglich trotz niedriger Zinsen ihre Kredite nicht mehr bedienen", warnte Dombret.

Für Privatkunden könnten die Niedrigzinsen aber auch ganz kurzfristig Konsequenzen haben. Bislang geben die Banken und Sparkassen die historisch niedrigen Zinsen zwar nicht an ihre Privatkunden weiter, doch auch das könnte sich schnell ändern, befürchtet die Bundesbank. "Je länger das gegenwärtige Zinsumfeld Bestand hat, desto höher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass man die Negativzinsen vielleicht doch weitergeben muss", so der Bundesbankvorstand.

Quelle: n-tv.de

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