Wirtschaft
Dicht an dicht in der City: Von der Londoner Börse bis zur Notenbank ist es nur ein kleiner Schritt.
Dicht an dicht in der City: Von der Londoner Börse bis zur Notenbank ist es nur ein kleiner Schritt.(Foto: REUTERS)

London bestellt Notenbankhilfe: Cameron ruft nach Geld

Die altehrwürdige Bank of England gerät ins Kreuzfeuer der Politik: Nach einer zurückhaltenden Entscheidung in London wagt sich der britische Regierungschef aus der Deckung. Offen pocht er auf weitere Maßnahmen zur Unterstützung der britischen Wirtschaft.

Plädiert für eine Ausweitung der konjunkturstimulierenden Maßnahmen: David Cameron.
Plädiert für eine Ausweitung der konjunkturstimulierenden Maßnahmen: David Cameron.(Foto: picture alliance / dpa)

Großbritanniens Premierminister David Cameron hat die Notenbank zur Schützenhilfe im Kampf gegen die Konjunkturflaute aufgefordert.

Die Währungshüter müssten die Erholung der Wirtschaft stärken, ohne die Finanzstabilität zu riskieren, sagte der britische Regierungschef. Kurz zuvor hatte die Notenbank entschieden, den für das britische Pfund maßgeblichen Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent zu belassen und dabei die Anleihen-Käufe vorerst nicht auszuweiten.

Mit einer weiteren Absenkung des Zinsniveaus oder einer Ausweitung der Anleihen-Käufe hätten die Währungshüter der Bank of England (BoE) einen zusätzlichen Konjunkturstimulus bereitstellen können.

Experten gehen aber davon aus, dass die Notenbank in den kommenden Monaten wieder einen lockeren Kurs einschlägt. Das britische Pfund legte nach der Entscheidung zu.

King stimmt für mehr Anleihen

Bereits im Februar hatten drei Spitzen-Notenbanker, darunter der im Sommer aus dem Amt scheidende Chef Mervyn King, für den Kauf zusätzlicher Anleihen im Volumen von 25 Mrd. Pfund votiert. Die Entscheidung, es vorerst bei der ohnehin schon ungemein umfangreichen Summe von 375 Mrd. Pfund zu belassen, dürfte daher wohl nicht einstimmig gefallen sein.

Zwei Fünftel der im Vorfeld befragten Analysten hatten damit gerechnet, dass die Käufe schon im März hochgefahren werden. "Auch wenn das geldpolitische Komitee die Geldpolitik nicht verändert hat, gehen wir davon aus, dass es nicht viel braucht, um eine Mehrheit für zusätzliche Käufe in der Zukunft zu finden", sagte Martin Beck vom Analysehaus Capital Economics.

Die britische Wirtschaft bewegt sich derzeit am Rande der dritten Rezession binnen drei Jahren. Die Regierung kämpft mit einem harten Sparprogramm gegen die drückende Staatsverschuldung an. Erst kürzlich entzog die Rating-Agentur Moody's Großbritannien sein Spitzen-Rating wegen der hohen Schulden - ein herber Rückschlag für die Regierung.

Inflation deutlich über der Schwelle

Die Geldpolitik gilt mittlerweile als ein naheliegendes Mittel, um der britischen Wirtschaft neue Impulse zu verleihen. Doch angesichts einer Inflation von 2,7 Prozent ist nach Einschätzung von Gegnern einer noch lockereren Geldpolitik der Spielraum der Notenbank begrenzt.

Alternativ hatte zuletzt ein hochrangiges Regierungsmitglied auch kreditfinanzierte Investitionen in die Infrastruktur ins Spiel gebracht - was allerdings mit neuen Staatsschulden verbunden wäre.

Die "Financial Times" hatte am Vorabend berichtet, die Regierung könnte das Ziel der Notenbank erweitern und der Konjunkturförderung damit eine größere Bedeutung zukommen lassen. Analysten verweisen aber darauf, dass die Währungshüter bereits jetzt ihr Ziel - eine Inflation von zwei Prozent auf Sicht von zwei Jahren - flexibel anwendet, so dass eine Veränderung des Wortlauts kaum etwas bringen dürfte.

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Quelle: n-tv.de

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