Wirtschaft
Ceta hat vor allem bei Umwelt- und Verbraucherschützern große Ängste ausgelöst.
Ceta hat vor allem bei Umwelt- und Verbraucherschützern große Ängste ausgelöst.(Foto: dpa)
Donnerstag, 21. September 2017

Unternehmer setzt auf Freihandel: "Ceta macht die Dinge einfacher"

Das Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada hat einen riesigen Proteststurm ausgelöst. Nun tritt es vorläufig in Kraft. Horst Wiedenmann ist geschäftsführender Gesellschafter der Wiedenmann GmbH aus Rammingen bei Ulm und Mitglied im Außenwirtschaftsausschuss des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Im Interview mit n-tv.de erklärt er, warum er große Hoffnungen in Ceta setzt.

Horst Wiedenmann ist geschäftsführender Gesellschafter der Wiedenmann GmbH. Das Familienunternehmen aus Rammingen bei Ulm stellt professionelle Maschinen zur Rasen- und Golfplatzpflege her und exportiert sie in die ganze Welt.
Horst Wiedenmann ist geschäftsführender Gesellschafter der Wiedenmann GmbH. Das Familienunternehmen aus Rammingen bei Ulm stellt professionelle Maschinen zur Rasen- und Golfplatzpflege her und exportiert sie in die ganze Welt.

n-tv.de: Heute tritt das lange umstrittene Handelsabkommen Ceta mit Kanada vorläufig in Kraft. Wie hilft das Ihnen und Ihrem Unternehmen konkret?

Horst Wiedenmann: Ceta hilft uns, bestimmte Dinge einfacher zu machen. Unser Unternehmen stellt Maschinen für professionelle Rasenpflege her und verkauft die in die ganze Welt und auch nach Kanada. Unsere Kunden sind dabei meist Kommunen oder Betreiber von Golfplätzen. Durch Ceta sollen nun mehr als 90 Prozent der Zölle wegfallen. Das hilft uns vor allem durch die Reduzierung der Formalitäten. Bei uns arbeiten zwei Mitarbeiter derzeit, die nur mit Zollformalitäten beschäftigt sind. Das ist für einen Mittelständler wie uns ein Riesenaufwand. Wir hoffen, dass er sich im Fall von Kanada durch Ceta auf ein Minimum reduziert.

Zudem erkennen Kanada und die EU gegenseitig ihre Normen und Zulassungen an. Das heißt, dass wir unsere Maschinen, die die europäische CE-Zertifizierung haben, in Kanada künftig nicht noch einmal prüfen lassen müssen. Das ist für mich der größte Vorteil.

Auch Europa öffnet seinen Markt für kanadische Produkte. Müssen Mittelständler wie Sie neue Konkurrenz fürchten?

Viele deutsche Unternehmen, die bereits international aufgestellt sind, kennen die Konkurrenz ja bereits und sind ihr daher gewachsen. Andere, die bisher nicht oder wenig im Ausland tätig sind, werden eventuell schon einen neuen rauen Wind der internationalen Konkurrenz zu spüren bekommen. Für unserer Unternehmen ist die Marktöffnung für Importe allerdings auch ein Vorteil, da wir zum Beispiel einen Zulieferer in Kanada haben, der künftig auch mit weniger bürokratischem Aufwand nach Europa liefern kann.

Noch ist das Abkommen von den meisten EU-Staaten nicht ratifiziert worden. Es tritt daher nur vorläufig in Kraft und auch nur teilweise. Alles was nicht in die alleinige EU-Verantwortung fällt, wie etwa die umstrittenen Schiedsgerichte für Investoren, gilt noch nicht. Ist das ein Nachteil?

Die für uns wichtigsten Teile des Abkommen zu Zollsenkungen, Standards und Normen sowie zum Zugang zu öffentlichen Aufträgen treten in Kraft. Trotzdem wäre es aus meiner Sicht gut, wenn auch die Regelung für die Schiedsgerichte, wie sie in Ceta getroffen wurde, kommt. Anders als bei dem mit den USA geplanten Abkommen TTIP sind in Ceta jetzt öffentliche Gerichtshöfe vorgesehen, die transparente Entscheidungen treffen, sodass nicht einfach Lobbyisten großer Konzerne ihre Interessen durchsetzen können. Das hätte auch für uns kleine und mittlere Unternehmen, die nicht über dieselben Mittel verfügen wie die Großen, zum Problem werden können.

Die Kritik an Ceta ist groß, in der Öffentlichkeit gibt es Ängste um Verbraucher- und Umweltschutz und sogar um die Souveränität des Staates gegenüber großen Unternehmen. Können Sie das nachvollziehen?

Die Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen sind ja geradezu Amok gelaufen mit ihren Warnungen davor, dass alle unsere Standards aufgehoben würden. Diese Wahrnehmung trifft aus meiner Sicht zwar teilweise auf TTIP, aber nicht auf Ceta zu. Bei Ceta ist nicht nur das Problem mit den Schiedsgerichten vernünftig geregelt. Das Abkommen garantiert auch ausdrücklich ein "Right to regulate". Das heißt, dass die Staaten auch künftig Umwelt- und Verbraucherstandards setzten können, ohne Angst haben zu müssen, von einem Investor dafür verklagt zu werden.

Das Interview führte Max Borowski.

Quelle: n-tv.de

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