Wirtschaft
Die Farben Chinas an der Wall Street: Das Hauptportal der New York Stock Exchange ist anlässlich des Alibaba-Einstands festlich geschmückt.
Die Farben Chinas an der Wall Street: Das Hauptportal der New York Stock Exchange ist anlässlich des Alibaba-Einstands festlich geschmückt.(Foto: dpa)

Größtes Börsendebüt aller Zeiten: Alibaba springt an die Börse

Stolz weht die chinesische Flagge an der Wall Street: Mit furiosen Kursgewinnen feiert Alibaba einen beeindruckende ersten Handelstag in New York. Der Kurs der Alibaba-Aktie klettert weit über den Ausgabepreis. Selbst die Bundeskanzlerin zeigt sich beeindruckt.

Der Mega-Börsengang in New York ist geglückt: Die Aktien des chinesischen Online-Händlers Alibaba haben bei ihrer Erstnotiz an der New York Stock Exchange (Nyse) angesichts einer riesigen Nachfrage im mittleren zweistelligen Prozentbereich zugelegt. Die unter dem Kürzel "BABA" notierten Papiere setzten beim weltgrößten Börsengang aller Zeiten zu einem ersten Kurs von 92,70 Dollar in den freien Handel ein.

Kurz darauf näherte sich das begehrte Papier mit 99,70 Dollar zeitweise an die 100-Dollar-Grenze an, bevor der Kurs wieder etwas nachgab. Der Ausgabepreis der Alibaba-Aktien lag bei 68 Dollar und damit am oberen Ende der Platzierungsspanne. Experten hatten im Vorfeld lediglich mit einem Kurssprung von 10 bis 15 Prozent gerechnet. Insgesamt gab das Unternehmen 368 Millionen Anteilsscheine aus. Das Volumen des Börsengangs belief sich auf 25 Milliarden Dollar.

Wertgewinn: 62 Milliarden Dollar

Zum Handelsschluss standen 93,89 Dollar auf dem Kurszettel. Das entspricht einem satten Aufschlag von 38 Prozent. Mit dem Schlusskurs von knapp 94 Dollar kommt Alibaba nun auf einen rechnerischen Börsenwert von rund 231 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 180 Milliarden Euro). Das ist mehr als alteingesessene US-Konzerne wie Walt Disney und Coca-Cola und noch einmal 62 Milliarden Dollar mehr als zum Ausgabepreis.

Die Investoren rissen dem Unternehmen, das vor 15 Jahren von dem Englischlehrer Jack Ma gegründet worden war, die Aktien aus den Händen. Die Erlöse aus dem Börsengang gehen zu zwei Dritteln an die bisherigen Investoren wie den US-Internetkonzern Yahoo, der mit dem Verkauf von Alibaba-Aktien allein 8 Milliarden Dollar einnimmt. Größter Alibaba-Anteilseigner bleibt die japanische Softbank mit 32 Prozent, die sich im Zuge des Börsengangs wie bekannt nicht von ihren Anteilsscheine trennen wollten.

Verzögerte Erstnotiz

Angesichts einer Flut von Kaufaufträgen dauerte es fast zweieinhalb Stunden, ehe die New Yorker Börse überhaupt einen ersten Kurs nennen konnte. Viele Anleger, die bei der Zuteilung leer ausgegangen waren, wollten die Titel offenbar zu fast jedem Preis in ihren Depots haben.

Vor allem nicht-institutionelle Anleger seien aktiv in der Alibaba-Aktie gewesen, beobachtete Ian Winter von Wedbush. Es habe zahlreiche Transaktionen kleineren Umfangs gegeben. Auch Institutionelle hätten zugekauft, aber nicht sonderlich aggressiv, sagte er weiter. Die Papiere von Yahoo, einem der größten Anteilseigner von Alibaba, fielen 2,7 Prozent zurück. Sie hatten im Vorfeld des Börsengangs kräftig zugelegt.

"Das ist der größte Börsengang, den die Welt je gesehen hat, deshalb herrscht Feierstimmung auf dem Parkett - ob man will oder nicht", sagte Händler Benedict Willis von Sunrise Securities.

Mit dem erreichten Volumen von 25 Milliarden Dollar ist dem chinesische Handelsriese tatsächlich die größte Aktien-Neuemission aller Zeiten gelungen: Den bisherigen Rekord hatte seit 2010 die chinesische AgBank mit 22,1 Milliarden Dollar gehalten, in New York wurde der Kreditkartenanbieter Visa als Rekordhalter abgelöst.

Dreimal mehr als bei Twitter

Die Kaufaufträge für Alibaba-Aktien seien dreimal so hoch wie beim Börsendebüt von Twitter und bei 70 Prozent des Ordervolumens von Facebook, sagte ein Marktstratege des großen Aktienhändlers TD Ameritrade.

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Das Großereignis zog spekulativ orientierte Anleger aus allen Richtungen an: Ein Investor, der 200.000 Aktien geordert hatte, erklärte, er habe lediglich 1000 Stück zugeteilt bekommen. Er sei bereit, wenn möglich bei 75 bis 85 Dollar zuzukaufen, werde aber bei 90 Dollar wieder verkaufen.

Merkel verweist auf Alibaba

Der Börsengang eines chinesischen Großkonzerns in New York sorgte rund um die Welt für Aufsehen. In Deutschland gab Bundeskanzlerin Angela Merkel zu erkennen, dass sich die Entwicklungen an der Wall Street als Zeichen für einen Epochenwandel auffassen lassen: "Wenn heute der Börsengang von Alibaba stattfindet, dann zeigt dies doch, dass die Welt nicht schläft, dass chinesische große Unternehmen längst Global Player sind", sagte sie beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Die Rivalen Amazon und eBay haben die Chinesen an Börsenwert bereits überholt.

E-Commerce-Experten sehen Alibaba auf einer Stufe mit Facebook und Google. Ma hatte die Anleger bei seiner Werbetour überzeugt: "Das war einer der beeindruckenderen Präsentationen", sagte Jerry Jordan, der den 48 Milliarden Dollar schweren Jordan Opportunity Fund  verwaltet. "Mir war gar nicht klar, wie erfolgreich sie sind."

Gewaltiger Marktanteil in China

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15 Jahre nach der Gründung in Mas Ein-Zimmer-Wohnung wickelt Alibaba mehr Geschäfte ab als Amazon und Ebay zusammen. Rund 80 Prozent der Online-Umsätze in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, gehen auf das Konto von Alibaba. Von April bis Juni schossen die Umsätze um 46 Prozent nach oben, und anders als viele Internetfirmen schreibt das Unternehmen Gewinn: 1,99 Milliarden Dollar waren es in den drei Monaten des Frühsommerquartals.

Eine ganze Reihe von Managern und Software-Fachleuten bei Alibaba werden mit dem Schritt an die Börse zu Millionären. Allein Milliardär Ma kassiert verschiedenen Schätzungen zufolge zwischen 900 Millionen und 13 Milliarden Dollar. "Ich will die Aktionäre nicht enttäuschen", sagte der Firmengründer bei CNBC. "Ich will sicherstellen, dass sie Geld verdienen." Größter Alibaba-Anteilseigner ist die japanische Softbank mit 32 Prozent, die sich aber von keiner Aktie getrennt hat.

Belastungsprobe für die Nyse

Beim Handelsstart am Morgen (Ortszeit New York) ließ Unternehmensgründer Ma demonstrativ seiner Kundschaft den Vortritt: Statt selbst die Eröffnungsglocke der Nyse zu betätigen, ließ Ma acht Alibaba-Kunden den Handel an der Wall Street einläuten.

Der chinesische Internet-Milliardär wartete in schwarzem Jackett und blauem Hemd auf dem Börsenparkett auf die Erstnotiz der Alibaba-Aktie. Experten hatten im Vorfeld nur mit einem Kurssprung von 10 bis 15 Prozent gerechnet.

Die New Yorker Börse Nyse hatte sich für den Ansturm gewappnet: Sie ließ ihre Systeme gleich in zwei Probeläufen auf Herz und Nieren testen, um keine Pleite zu erleben wie die US-Technologiebörse Nasdaq vor zwei Jahren bei der Erstnotiz von Facebook. Damals war der Handel unter der Flut von Aufträgen schier zusammengebrochen. Die Kurse waren um Stunden verspätet, viele Anleger verloren Geld. Daher hatte sich Alibaba für die Nyse als Börsenplatz entschieden.

Kombination aus Amazon und Ebay

In den USA erhofft sich das Unternehmen Zugang zu einer deutlich größeren Zahl von Investoren. Viele Investoren waren bei der Zuteilung von Alibaba-Aktien leer ausgegangen oder enttäuscht worden. Ein Anleger berichtete, er habe 200.000 Papiere für 13,6 Millionen Dollar bestellt, aber nur 1000 erhalten. 35 bis 40 Investoren, unter ihnen der Fondsriese Blackrock, hatten jeweils für mehr als eine Milliarde Dollar Alibaba-Papiere geordert, wie es in Finanzkreisen hieß.

Der Onlinehändler wird oft als die chinesische Version von Amazon und Ebay beschrieben, weil es Funktionen beider Anbieter vereint. Er betreibt unter anderem die beliebteste chinesische Plattform für Onlinehandel, Taobao. Die Plattform hat 500 Millionen Nutzer und Schätzungen zufolge einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent bei Verkäufen unter Privatpersonen.

Ma sagte in einem Interview mit dem Finanznachrichtensender CNBC, er fühle sich "sehr geehrt" und sei "sehr aufgeregt". Der Börsengang werde Alibaba einen weiteren Wachstumsschub verleihen. "Wir haben einen Traum", sagte er. "Wir hoffen, dass Leute in 15 Jahren sagen, das sei ein Unternehmen wie Microsoft, wie IBM." Außerdem gab er das ehrgeizige Ziel aus, "größer als Walmart" zu werden. Der US-Konzern Walmart ist - gemessen am Umsatz - der größte Einzelhändler der Welt.

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Quelle: n-tv.de

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