Wirtschaft

Industrie-Nachfrage sinkt : China macht Öl-Anlegern Sorge

Die Volksrepublik China baut ihre Wirtschaft um und nimmt damit auch schwächere Wachstumsraten in Kauf. Die Energie-Investoren schauen beunruhigt auf das Reich der Mitte, denn auch die Öl-Nachfrage Chinas wird dadurch geringer.

Der chinesische Wirtschaftsumbau hat Auswirkungen auf die Öl-Nachfrage.
Der chinesische Wirtschaftsumbau hat Auswirkungen auf die Öl-Nachfrage.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Chinas Volkswirtschaft orientiert sich gerade neu: Weg von Staatsinvestitionen als wesentlichem Treiber, hin zum Konsum. Das trifft auch den Ölmarkt: Kam die Nachfrage früher von der Industrie im Land, kommt sie heute vor allem von der wachsenden Gruppe der Autofahrer. Die sind allerdings deutlich weniger verlässlich. So sind in China Veränderungen im Gang, die auch Energie-Investoren weltweit angehen - schließlich kommen 40 Prozent des Wachstums der Ölnachfrage weltweit aus dem Land.

Die Aktivität der Industrie in der Volksrepublik geht längst zurück. Weil mehr als zwei Drittel der Öl-Nachfrage im Land durch Industrie-Antriebsstoffe wie Diesel, Benzinöl und Petrochemikalien kommen, war die Nachfrage von Januar bis Juli kaum höher als im Vorjahreszeitraum. Zwar könnte sie in der zweiten Jahreshälfte durch Pekings Wachstumsspritzen steigen, doch das ändert nichts am übergeordneten Trend.

So wurde Chinas beliebtester Treibstoff, Diesel, von Januar bis Juli 1,2 Prozent weniger gekauft als im Vorjahreszeitraum, wie Zahlen der Energieberatung Energy Aspects ergeben. Ein Grund dafür ist, dass die Lastwagen, die Diesel benutzen, weniger schwere Industriegüter wie etwa Kohle transportieren. Außerdem laufen die Lastwagen in China zunehmend mit Erdgas. Das dürfte in diesem Jahr 4 Prozent des verwendeten Öls ersetzen, und im Jahr 2020 schon 10 Prozent, wie Zahlen der Beratung Wood Mackenzie ergeben. Auch Chinas immer größeres Schienennetz drückt die Nachfrage.

Verlässlich ist dagegen die Nachfrage nach Benzin. Von Januar bis Juli stieg sie zum Vorjahreszeitraum um 10,3 Prozent, parallel zur Nachfrage nach Autos, die um 11 Prozent nach oben ging. Experten erwarten, dass die Verkaufszahlen für Autos weiter wachsen - aber das heißt nicht, dass die Benzin-Nachfrage im gleichen Tempo steigt. Anfang des Jahres haben die Aufsichtsbehörden strenge Treibstoff-Effizienzrichtlinien vorgeschlagen, die ab 2016 gelten sollen. Werden sie genehmigt, müssen die Autobauer den Verbrauch zwischen 2016 und 2020 im Schnitt um 6,2 Prozent pro Jahr senken.

Gedrückte Raffinerie-Margen

Ein noch allgemeineres Problem: Private Verbraucher kaufen längst nicht so viel Öl wie Industriekunden. Noch vor zehn Jahren, als China seinen Industrieapparat mit Kraft aufbaute, wurde ein einprozentiger Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt mit einem 1,5-prozentigen Wachstum des Ölnachfrage begleitet. Jetzt steigt der Ölkonsum bei einem einprozentigen BIP-Wachstum laut der Bank HSBC nur noch um 0,3 Prozent.

Damit trifft China eine Umstellung, die in anderen Ländern längst in Gange ist. Pekings Problem ist, dass es zu viele Raffinerien gebaut hat, um Rohöl etwa zu Diesel zu verarbeiten, wie Citigroup-Analyst Ed Morse sagt. Jetzt hat China angefangen, diese überschüssigen Kapazitäten zu exportieren, wie es die Welt auch mit billigem Stahl überflutet. In den vergangenen sieben Monaten hat China netto fünfmal so viel Diesel wie im ganzen letzten Jahr exportiert, wie Zahlen des Datendienstleisters CEIC ergeben.

Das hat die Margen von Raffinerien in ganz Asien gedrückt - und die Aktienkurse südkoreanische Raffinieriebetreiber wie SK Innovation und S-Oil gleich mit. Zwar haben Chinas große Ölkonzerne angekündigt, die Investitionen in Raffinerien zu kürzen. Doch es dürfte dauern, bis die Kapazitäten sich der neuen Realität anpassen.
Doch nicht nur die Raffinerien sind betroffen, sondern der Ölmarkt insgesamt. Das wirtschaftliche Erstarken Chinas hat die Ölpreise im letzten Jahrzehnt angeheizt. Jetzt sind die Verbraucher am Steuer - und Investoren müssen sich darauf einstellen, dass sie weniger Gas geben.

Quelle: n-tv.de

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