Wirtschaft
Allein in Chinas Stahlindustrie stehen 400.000 Jobs auf der Kippe.
Allein in Chinas Stahlindustrie stehen 400.000 Jobs auf der Kippe.(Foto: Liu debin - Imaginechina)

Industrie auf Schrumpfkurs: China startet schlecht ins neue Jahr

Die Stimmung in der chinesischen Wirtschaft ist düster. Die Industrie schrumpft im Januar überraschend stark. Die Regierung dürfte ihr Wachstumsziel weiter herabsetzen. Ökonomen fordern "aggressive" Gegenmaßnahmen.

Die chinesische Industrie hat auch zu Jahresbeginn die Wachstumszone verfehlt. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Sektor sank im Januar überraschend stark und zeigte sich so schwach wie seit etwa dreieinhalb Jahren nicht mehr. Auch der Index der Mediengruppe Caixin, der die Privatwirtschaft stärker berücksichtigt, zeigte ein Schrumpfen der Branche an.

Der offizielle Einkaufsmanagerindex sank auf 49,4 und damit auf den niedrigsten Stand seit August 2012. Der PMI von "Caixin" lag mit 48,4 Punkten den elften Monat in Folge unterhalb der kritischen Marke von 50. Der wichtige Frühindikator hat sich damit gegenüber dem Wert von 48,2 Punkten im Dezember nur leicht verbessert, wie das Blatt  berichtete. Unterhalb von 50 Punkten gehen Analysten von einer Verringerung der industriellen Aktivitäten aus.

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"Jüngste makroökonomische Indikatoren zeigen, dass die Wirtschaft noch weiter durch die Talsohle wandert und die Bemühungen, Überkapazitäten abzubauen, gerade erst anfangen, Ergebnisse zu zeigen", sagte "Caixin"-Chefökonom He Fan. Vor allem der langsamere Rückgang neuer Aufträge habe den Index moderater ausfallen lassen. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass die geplante Verkleinerung der Stahlindustrie bis zu 400.000 Arbeitsplätze kosten könnte. Auch die neu veröffentlichten Indizes zeigten an, dass Unternehmen Stellen streichen und die Nachfrage aus dem In- und Ausland schwach bleibt.

Nur noch 6,5 Prozent Wachstum geplant

Die chinesische Wirtschaft stehe angesichts anhaltender globaler Turbulenzen weiter enorm unter Druck, sagte Ökonom He. Im dritten Quartal hat sich das Wachstum in China auf 6,9 Prozent abgeschwächt, das ist nur die Hälfte der Wachstumsrate, die im Jahr 2010 erreicht wurde.

Für das laufende Jahr peilt Chinas Regierung laut Insidern ein Wachstum von 6,5 bis 7,0 Prozent an. Erstmals werde damit eine Spanne als Wachstumsziel genannt, sagten mit den Ergebnissen eines Spitzentreffens vertraute Beobachter. Bei der Konferenz, die bereits Mitte Dezember hinter verschlossenen Türen stattfand, hätten die Entscheidungsträger einen Zuwachs von 6,5 Prozent als Untergrenze angesetzt. Sie seien sich unsicher, was die wirtschaftlichen Aussichten Chinas angehe.

Nach jahrzehntelangem Boom mit teils zweistelligen Wachstumsraten will Peking das exportlastige Wirtschaftsmodell stärker auf die Binnenkonjunktur ausrichten und den privaten Konsum ankurbeln. Dafür nimmt die Regierung weniger Wachstum in Kauf. Doch beim Umbau hakt es. Dies schürte zuletzt Sorgen, dass China als Schrittmacher für die Weltkonjunktur aus dem Tritt geraten könnte.

Commerzbank-Ökonom Zhou Hao forderte von Chian eine "aggressive Fiskal- und Geldpolitik, um gegen die Schwäche anzugehen." Auch müssten die laufenden Reformvorhaben vorangetrieben werden, um das Vertrauen am Markt zu stärken und die Intentionen der Wirtschaftslenker zu verdeutlichen.

Quelle: n-tv.de

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