Wirtschaft
Manpower ist in China billig - noch.
Manpower ist in China billig - noch.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wie machen die das?: China sucht nach dem deutschen Clou

Von Marcel Grzanna, Shanghai

Chinas Präsident Xi will mit seinem Deutschlandbesuch auch die Wirtschaftsbeziehungen voranbringen. Denn deutsche Qualität ist in China sehr gefragt. Seit vielen Jahren sind die Chinesen auf der Suche nach dem Erfolgsrezept deutscher Produkte.

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"Kommt aus Deutschland": Viel besser kann man für ein Produkt, das man in China verkaufen will, nicht werben. Deutsch steht für Zuverlässigkeit, Präzision, Langlebigkeit. Das gefällt chinesischen Konsumenten, die zwar als Sparweltmeister bekannt sind, aber zunehmend bereit sind, mehr Geld für Qualität auszugeben. Schließlich steigen die verfügbaren Einkommen und damit die Ansprüche.

Die Qualität deutscher Exportprodukte schlägt sich nicht nur in der Handelsbilanz beider Länder nieder. Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner der Chinesen in Europa. Gegenseitig schiebt man sich gegenseitig Waren im Wert von rund 150 Milliarden Euro pro Jahr hin und her. In der Welt gibt es nur vier Länder, mit denen die Chinesen noch intensiver handeln: USA, Japan, Südkorea und Taiwan.

Doch das Interesse der zweitgrößten Volkswirtschaft an dem Markenzeichen Deutschland geht an die Wurzeln. Wie machen die das? Diese Frage stellen sich die Chinesen seit Jahrzehnten, praktisch seit dem Tag Mitte der 1980er Jahre, an dem Volkswagen als erster ausländischer Automobilhersteller eine Fertigung in China eröffnete.

Chinesen kopieren duales Ausbildungssystem

Seither sind die Chinesen auf der Suche nach dem Erfolgsrezept deutscher Wertarbeit. Und sie haben sich eine Menge einfallen lassen, um eine Antwort zu finden. In Gemeinschaftsunternehmen verschaffen sie sich Zugriff auf deutsche Technologie. In vielen Branchen ist die Gründung eines Joint Ventures sogar Pflicht, um als ausländisches Unternehmen eine Geschäftslizenz erwerben zu können. In strategischen Partnerschaften basteln Chinesen gemeinsam an der Seite von deutschen Ingenieuren an der Zukunft.

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Zudem haben die Chinesen damit begonnen, das Konzept der dualen Ausbildung, also die Verknüpfung von Theorie und Praxis, zu analysieren. Und - man ist geneigt zu sagen: natürlich auch - zu kopieren. Deutschland ist für China so etwas wie ein großer Bruder, wenn es darum geht, die eigene Industrie auf Vordermann zu bringen. Dem man sehr genau zuhört, wenn er etwas zu sagen hat und bei dem man sich Rat holen kann.

China ist auf den Input der Deutschen angewiesen. Denn deutsches Know-how ist elementarer Bestandteil im Masterplan der Chinesen für ihren Aufstieg in die Weltklasse von Forschung und Entwicklung. Seit Jahren heißt es, China sei ein Schwellenland, das sich auf dem Sprung in den Kreis der Industrienationen befindet. Man spricht nicht umsonst von einem Sprung statt von einem Hüpfer. Denn die Lücke, die überbrückt werden muss, ist groß.

Investitionen aus Deutschland gefragt

Der Clou ist, dass sich eine Volkswirtschaft verändern muss, wenn sie nicht in ihrer Entwicklung stehenbleiben will. Sie muss weniger Billigprodukte, dafür aber mehr Hochtechnologie entwickeln. Denn die Arbeitskräfte im Land werden immer teurer. Was man technologisch noch nicht beherrscht, kann jetzt noch durch Manpower kompensiert werden. Doch das Zeitfenster schließt sich für die Chinesen. Mehr und mehr ausländische, aber auch chinesische Unternehmen verlegen schon seit einer Weile ihre Produktionsstandorte aus der Volksrepublik in südostasiatische Staaten. Deren Vorteil im Vergleich zu China sind die Lohnkosten.

Mit Kusshand werden in China deshalb deutsche Investitionen in der Volksrepublik entgegengenommen. Nicht aus jeder Branche und überall im Land, weil die autokratisch regierende Kommunistische Partei ganz klar Prioritäten setzt. Dort, wo sie die nationale Sicherheit bedroht sieht, schiebt sie Investitionen einen Riegel vor. Und auch in Wirtschaftszweigen, auf denen sie sich auf einem guten Weg sieht, gibt es Absagen an interessierte Investoren.

Chinesen kaufen deutsches Know-how

Prinzipiell aber reißen sich die Verwaltungsebenen darum, bei deutschen Expansionsplänen den Grund und Boden oder die Partner und Kontakte zur Verfügung stellen zu dürfen. Sie erhoffen sich Arbeitsplätze, eine Aufwertung der Arbeitskräfte und einen wertvollen Beitrag im prestigeträchtigen Aufstieg der Nation.

Mehr als 5000 deutsche Firmen sind in China bereits ansässig. Tendenz steigend. Umgekehrt läuft der Austausch schleppender. Doch auch hier gibt es Tendenzen: Lieferanten von Spitzentechnologie wie die Betonpumpenhersteller Schwing und Putzmeister, aber auch deutsche Traditionsfirmen aus der Automobilzulieferer-Branche gehören inzwischen chinesischen Unternehmen. Deren Interesse konzentriert sich weniger auf den Zugang zum deutschen Markt, als vielmehr auf eine Antwort auf die Frage: Wie machen die das?

Quelle: n-tv.de

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