Wirtschaft
Die Skyline von Shanghai: ein Sinnbild für den chinesischen Wirtschaftsaufschwung
Die Skyline von Shanghai: ein Sinnbild für den chinesischen Wirtschaftsaufschwung(Foto: picture alliance / dpa)

Anzeichen einer Immobilienblase?: Chinas Häuserpreise steigen rasant

Chinas Immobilienmarkt spiegelt ein Großteil des Wirtschaftswachstums wider. Allerdings gilt er auch - wie das Schattenbankensystem - als Achillesferse der Konjunktur. Der nun deutliche Preisanstieg birgt zudem eine noch weit größere Gefahr.

Frische Daten zum chinesischen Immobilienmarkt untermauern die Anzeichen einer Überhitzung. Nach Zahlen des chinesischen Statistikamts NBS lagen die Hauspreise im September in 69 von 70 betrachteten Städten höher als ein Jahr zuvor. In 13 Städten war der Preisanstieg sogar zweistellig. Im Schnitt zogen die Preise für Wohnimmobilien um 9,1 Prozent an -  und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr.

Besonders kräftig erhöhten sich die Immobilienwerte in den Industriezentren Guangzhou und Shenzhen, wo die Jahresrate bei je zwanzig Prozent lag. In der Hauptstadt Peking betrug der Zuwachs 16 Prozent, in der Finanzmetropole Shanghai 17 Prozent. Zu Jahresbeginn hatten die Preissteigerungen noch im niedrigen einstelligen Bereich gelegen.

Gefahr im Verzug?

"Es gibt Signale für eine Überhitzung in den wichtigsten Städten", sagte Wang Juelin, früher stellvertretender Forschungschef im Wohnungsbau-Ministerium. "Die Regierung sollte Maßnahmen einleiten oder zumindest bestehende umsetzen." Sie hatte beispielsweise Städte wie Peking und Shanghai angewiesen, mehr Wohnbaugebiete auszuweisen. "In den kommenden Monaten dürften einige gezielte Maßnahmen folgen", erwartet UBS-Ökonom Harrison Hu. Er rechnet etwa mit strengeren Regeln für den Verkauf von Luxuswohnungen.

Der Häusermarkt ist für die chinesische Wirtschaft von hoher Bedeutung. Allerdings gilt er zusammen mit dem großen und weitgehend unregulierten Schattenbankensektor sowie der hohen Verschuldung der Provinzen als Achillesferse der chinesischen Konjunktur. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird in diesem Jahr um bis zu 8 Prozent zulegen.

Die Gefahren, die von Preisblasen an Vermögensmärkten ausgehen können, sind erheblich. Sowohl in der weltweiten Finanzkrise als auch in der europäischen Schuldenkrise haben Übertreibungen im Immobilienbereich eine Schlüsselrolle gespielt.

Regierung in der Zwickmühle

Die Kommunistische Partei dürfte das Problem bei seinem nächsten Plenum angehen, sagte der Wissenschaftler Wang Jun von der staatlichen Denkfabrik China Centre for International Economic Exchanges. So könnte der Bau preiswerter Wohnungen beschleunigt und die Immobiliensteuern ausgedehnt werden. Immobilienentwickler könnten zudem neue Finanzierungsmöglichkeiten erhalten.

Immobilien gelten für viele Chinesen als sichere Investition. Entsprechend stark ist das Interesse an Wohneigentum. Die Regierung befürchtet deshalb nicht nur eine Preisblase, sondern auch soziale Unruhen, weil sich wegen der starken Verteuerung weniger Chinesen die eigenen vier Wände leisten können. Gleichzeitig darf sie den boomenden Immobilienmarkt nicht zu stark abwürgen, da er einer der größten Wachstumstreiber Chinas ist.

Quelle: n-tv.de

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