Wirtschaft
Chinas Industrie scheint wieder Fahrt aufzunehmen.
Chinas Industrie scheint wieder Fahrt aufzunehmen.(Foto: REUTERS)

Talsohle noch nicht erreicht: Chinas Industrie nähert sich dem Wachstum

Die Industrie in der zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt berappelt sich. Die Indikatoren legen zu - bleiben aber unterhalb der Wachstumsschwellle. Experten sehen daher auch keinen Grund zur Entwarnung. Vielmehr brauche es weiter staatliche Hilfen.

Die chinesische Industrie zeigt weitere Anzeichen einer Erholung. Obwohl sie im Mai erneut schrumpfte, erreichte sie das beste Ergebnis seit vier Monaten. Der endgültige Einkaufsmanagerindex von der Großbank HSBC und des Forschungsinstituts Markit stieg auf 49,4 Punkte nach 48,1 Punkten im April. Eine Wachstumsschwelle ist bei 50 Punkten erreicht.

Dass der Wert im Mai nur knapp darunter liegt, könnte als Signal für eine Erholung der Wirtschaftsentwicklung gesehen werden. "Das Ergebnis bestätigt, dass sich die Wirtschaft stabilisiert, aber es ist zu früh zu sagen, dass die Talsohle erreicht ist", sagte Qu Hongbin von HSBC.

Gefüllte Lager wegen schwächerer Nachfrage

Der endgültige Indexstand liegt etwas unter dem vorläufig ausgewiesenen Wert von 49,7 Punkten, der am 22. Mai veröffentlicht wurde. Die vorläufigen Rechnung umfasste etwa 85 bis 90 Prozent an Antworten der PMI-Umfrage. Die HSBC begründet die Abwärtsrevision mit etwas höheren Lagerbeständen an fertiggestellter Waren, was auf eine etwas schwächere Nachfrage hindeutet.

Offiziellen Angaben zufolge wuchs die Industrie des Landes im Mai so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr. Der am Sonntag veröffentlichte amtliche Einkaufsmanagerindex kletterte auf 50,8 Zähler im Mai von 50,5 Punkten im April. Während sich der HSBC-Index auf kleinere, private Firmen konzentriert, stützen sich die Regierungsdaten auf Großunternehmen.

Wachstum fehlt Beständigkeit

Der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex für das nicht produzierende Gewerbe legte hingegen im April von 54,8 im Vormonat auf 55,5 Punkte zu, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Der Index des Statistikamtes und Logistikverbandes verfolgt Bereiche wie Bau, Software, Luftverkehr, Bahn und Immobilien. Es war der zweite monatliche Anstieg in Folge.

Dem Wachstum fehle weiter beständiger Schwung, was stärkere politische Unterstützung erfordere, sagte HSBC-Ökonom Qu angesichts der unverändert schwachen Frühindikatoren für die zweitgrößte Volkswirtschaft. "Wir rechnen damit, dass die Geld- und Haushaltspolitik in den kommenden Monaten schrittweise gelockert wird."

China hatte das Jahr mit einem für das Land schwachen Wirtschaftswachstum begonnen. Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt nur um 7,4 Prozent, nachdem es im vierten Quartal 2013 noch um 7,7 Prozent zugelegt hatte. Schwäche zeigt aktuell insbesondere der Immobiliensektor. Im Mai fielen erstmals seit zwei Jahren die Häuserpreise. Dies hat die Besorgnis vergrößert, dass Chinas Regierung vielleicht nicht ihr Ziel erreicht, in diesem Jahr die Wirtschaft des Landes um 7,5 Prozent wachsen zu lassen.

Quelle: n-tv.de

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