Wirtschaft
Mit dem größten Börsengang aller Zeiten setzt Alibaba zum Sprung in den Westen an.
Mit dem größten Börsengang aller Zeiten setzt Alibaba zum Sprung in den Westen an.(Foto: picture alliance / dpa)

Größtes IPO aller Zeiten: Chinas Shopping-Gigant Alibaba greift an

Von Hannes Vogel

Schon jetzt verkauft Alibaba mehr Waren als Amazon und Ebay zusammen. Mit dem größten Börsengang aller Zeiten könnte Chinas Online-Riese einer der wertvollsten Konzerne der Welt werden. Und seine Fühler in den Westen ausstrecken.

Für die meisten Chinesen ist Alibaba kein Märchen aus 1001 Nacht mehr. Sondern längst ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist. Eigentlich hatte der chinesische Shopping-Gigant seinen Börsengang in Hongkong geplant. Doch nun strebt Alibaba an die New Yorker Wall Street - ein Weckruf für die US-Platzhirsche Ebay und Amazon.

Kaum jemand hat bisher Notiz von dem Online-Riesen aus dem Reich der Mitte genommen. Das dürfte sich nun ändern: 2013 verkaufte Alibaba Waren im Wert von rund 250 Milliarden Dollar - mehr als Ebay und Amazon zusammen. Alibaba bietet Händlern einen Online-Marktplatz, auf dem sie Werbung schalten und ihre Produkte verkaufen können. Analysten schätzen, dass der Konzern mehr als 200 Milliarden Dollar wert ist. Wenn sich die euphorischen Erwartungen bewahrheiten, würde Alibaba aus dem Stand zu einer der wertvollsten Firmen der Welt aufsteigen, gleich hinter Apple und Google.

Chinas Mittelklasse will shoppen

Dabei ist Alibaba erst 15 Jahre alt. 1999 gründeten Jack Ma, ein Lehrer aus Hangzhou in der Nähe von Schanghai, und 17 andere die Firma in seinem Apartment. Heute hat Alibaba 25.000 Mitarbeiter und allein in den ersten neun Monaten des letzten Geschäftsjahres 2,8 Milliarden Dollar Gewinn gemacht, bei nur 6,5 Milliarden Dollar Umsatz. Ebay fuhr unter dem Strich ebenfalls 2,8 Milliarden Dollar Gewinn ein, aber bei 16 Milliarden Dollar Umsatz. Und Amazon verdiente gerade 274 Millionen, bei einem Umsatz von 74 Milliarden Dollar.

Alibaba ist nicht nur profitabler, sondern wächst auch viel schneller als seine US-Konkurrenten. Ma’s Imperium ist de facto synonym mit Online-Shopping in China: Schon jetzt wickelt seine wichtigste Plattform Taobao - der Name bedeutet "Schatzsuche" - rund 90 Prozent aller Privatverkäufe ab. Über 300 Millionen Online-Shopper gibt es in dem Riesenland, 231 Millionen aktive Nutzer hat Alibaba laut eigenen Angaben schon. Trotzdem hat China noch immer riesigen Aufholbedarf beim Konsum. Die wachsende Mittelschicht ist ein schier unerschöpfliches Reservoir neuer Kunden für Ma’s Konzern. Bis 2016, schätzt Alibaba, wird der chinesische Online-Handel um mehr als ein Viertel zulegen - jedes Jahr.

Der Steve Jobs im Reich der Mitte

Alibaba-Gründer Jack Ma.
Alibaba-Gründer Jack Ma.(Foto: picture alliance / dpa)

Seinen Erfolg hat Alibaba aber auch seinem Gründer zu verdanken. Ma ist einer der schillerndsten Unternehmer Chinas, eine Art chinesischer Steve Jobs, der im Reich der Mitte Kultstatus hat. Der Apple-Gründer belegte am Reed College in Oregon Kalligraphie-Kurse, nachdem er sein Studium abgebrochen hatte, und schlief bei Freunden auf dem Boden. Ma unterrichtete Englisch, führte Touristen durch Hangzhou und arbeitete abends als Straßenhändler, um über die Runden zu kommen. Er war nie ein Technik-Freak. Trotzdem hat er Chinas erfolgreichsten Internetkonzern gegründet.

Seine Idee hat Ma zum achtreichsten Mann in China gemacht. Laut Forbes sitzt er auf einem Vermögen von 8,4 Milliarden Dollar. Doch nicht nur sein Geld, sondern vor allem seine Redegewandtheit machen Ma einflussreich und bekannt. 2013 trat er als Vorstandschef zurück und engagiert sich seitdem sozial mit einem milliardenschweren Wohlfahrtsfonds. Er traut sich, Missstände anzuprangern und scheint etwas mehr davon zu haben, was vielen chinesischen Firmenlenkern fehlt: Unabhängigkeit.

In einer Wirtschaft, die von riesigen Staatskonzernen dominiert wird, deren Erfolg von guten Verbindungen zur korrupten Polit-Elite des Landes abhängt, ist Ma’s Privatkonzern eine Ausnahme. Und dass der Selfmade-Milliardär furchtbar schlecht in Mathematik ist und seine Uni-Aufnahmeprüfung zweimal versemmelt hat, macht ihn in China fast zum Exoten.

Schwimmt das Krokodil in den Ozean?

Bis jetzt hat sich Alibaba auf den chinesischen Markt konzentriert: "Ebay ist ein Hai im Ozean. Wir sind ein Krokodil im Jangtse. Wenn wir im Ozean kämpfen, werden wir verlieren. Aber wenn wir im Fluss kämpfen, werden wir gewinnen", sagte Ma, als Alibaba 2003 gegen Ebay’s chinesische Webseite antrat. Drei Jahre später hatte das Krokodil den Hai gefressen: Der US-Gigant schloss seinen chinesischen Ableger nach dem Riesenerfolg von Alibaba’s Plattform Taobao.

Seitdem hat Alibaba seinen Erfolg ausgebaut - und setzt nun mit dem riesigen Heimatmarkt im Rücken zum Sprung in den Rest der Welt an. Noch macht Alibaba nur rund neun Prozent seiner Umsätze mit internationalem Handel. Ma’s Firma hat nur einen kleinen Auftritt in den USA. Doch man sollte nicht vergessen, was seine ursprüngliche Idee war: Chinas schier endlose Zahl von Exporteuren auf seiner Plattform mit Käufern auf der ganzen Welt zu vernetzen.

Mit dem Börsengang wolle man das Unternehmen für die weitere Entwicklung volltanken, schrieb Ma in einem Brief an die Alibaba-Mitarbeiter, kurz bevor die Pläne offiziell wurden. Den Namen Alibaba hat Ma übrigens ausgesucht, weil er auf der ganzen Welt bekannt ist und sich in jeder Sprache aussprechen lässt: E-Commerce ist global. Und weil das Zauberwort aus der berühmten Geschichte ihm die Richtung vorgibt: Sesam öffne Dich.

Quelle: n-tv.de

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