Wirtschaft
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Mehr Kreditvergabe erwünscht : Chinas Zentralbank plant Liquiditätsflut

Während in China die Aktienkurse fallen, halten sich Banken bei der Kreditvergabe zurück. Die Notenbank will das offenbar ändern, indem sie viel Geld in die Märkte pumpt.

Die chinesische Zentralbank bereitet derzeit offenbar zusätzliche Maßnahmen vor, um die Kreditvergabe anzukurbeln und die Aktienmarktkrise zu bekämpfen. Geplant sei, die Märkte mit Liquidität zu fluten, wie Vertreter und Berater der Zentralbank inoffiziell sagten. Dies könne noch Ende dieses oder Anfang kommenden Monats erfolgen. Die Peoples Bank of China (PBoC) hat sich am Sonntag auf Nachfrage nicht zu dem Thema geäußert.

Kommt es tatsächlich dazu, wäre dies allerdings ein Rückschlag für die neue Wechselkursstrategie und eine Rückkehr zu jenen Schritten, die bereits in der Vergangenheit nicht die erhofften Erfolge zur Belebung der Konjunktur gebracht haben. Die PBoC hatte die Landeswährung ab 11. August um insgesamt 4,7 Prozent abgewertet.

Einer der jetzt geplanten Schritte soll die Freisetzung von Geldern durch die Senkung der Mindestreservequote für Banken sein. Die Rede ist von einem halben Prozentpunkt, womit den Finanzinstituten theoretisch zusätzliche 678 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 93 Milliarden Euro) für Ausleihungen an Kunden zur Verfügung stünden. Es wäre die dritte umfassende Lockerung der Mindestreservepflicht in diesem Jahr.

Eine andere Option sei, damit nur auf Banken mit hohen Ausleihungen an kleine und private Unternehmen abzuzielen, so die Informanten. Diese Gruppe an Kreditnehmern wird als entscheidend für das künftige Wachstum in China gesehen. Allerdings waren in der Vergangenheit mit vergleichbaren Strategien nur wenige Kredite dorthin kanalisiert worden.
Die Zentralbank hatte die Yuan-Abwertung auch damit begründet, den Wechselkurs stärker an der Marktentwicklung orientieren zu wollen.

Diese Entscheidung kam allerdings zu einem Zeitpunkt, als der Einbruch am Aktienmarkt bei Investoren Zweifel an der Fähigkeit der Regierung geweckt hatte, die Wirtschaft wie gewünscht zu steuern. Zugleich sahen Beobachter darin das Eingeständnis einer sich deutlich abkühlenden Konjunktur und das Ziel, über einen schwächeren Yuan der chinesischen Exportwirtschaft zu helfen. Das setzte den Yuan weiter unter Druck, was die Zentralbank zu einem Mittel greifen ließ, das sie nach eigener Aussage nur noch selten nutzen wollte: direkte Intervention zur Stützung des Yuan.

Über den Verkauf von Dollar gegen Yuan hat die PBoC nach Schätzungen des Schanghaier Brokerhauses Orient Securities Co mehr als 40 Milliarden Dollar ihrer rund 3,6 Billionen Dollar starken Währungsreserven eingesetzt. Da dadurch massiv Yuan aus dem Markt genommen wurden, pumpte sie vergangene Woche zur Schließung dieser Lücke kurz- und mittelfristige Gelder über 260 Milliarden Yuan in das Finanzsystem.

Allerdings könnte dies nicht ausreichend gewesen sein, da die flauere Wirtschaftsentwicklung und eine schwächere Währung offenbar größere Mittelabflüsse nach sich gezogen haben und weiter ziehen.

Offenbar gibt es auch innerhalb der Zentralbank Zweifel, ob eine Liquiditätsbereitstellung tatsächlich die gewünschten Resultate bringt, sagen die Informanten. Neue PBoC-Daten zeigen, dass die Bemühungen seit Anfang Juli im Kampf gegen den Kursrutsch am Aktienmarkt zwar die Ausleihungen an Finanzinstitute erhöht haben, gleichzeitig aber die Kreditvergaben an die Realwirtschaft gesunken sind.

Quelle: n-tv.de

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