Wirtschaft

Privatkundengeschäft schwächelt: Commerzbank auf Sparkurs

Vom Mühlstein der Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen befreit, hat die Commerzbank im zweiten Quartal zwar deutlich mehr Geld verdient. Für den weiteren Jahresverlauf machen sich die Frankfurter aber wenig Hoffnung. Der Vorstand setzt auf Sparmaßnahmen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach der schwachen Entwicklungin dem für die Commerzbank wichtigen Privatkundengeschäft will Deutschlands zweitgrößteBank offenbar mit neuen Sparmaßnahmen gegensteuern. Ein neues Strategiepapier fürden Aufsichtsrat sieht angeblich Stellenstreichungen und Filialschließungen vor.Zugleich will die Frankfurter Bank einen neuen Anlauf unternehmen, ihre verbleibendenFilialen länger zu öffnen.

Nach Informationen der "Weltam Sonntag" hat der Vorstand der Commerzbank ein 400 Seiten starkes Sparprogrammerstellt, das Mitte September dem Aufsichtsrat vorgelegt wird. Kern des Programms:eine ungenannte Zahl von Mitarbeitern soll entlassen werden, weitere Filialen schließenund die verbleibenden Commerzbank-Zweigstellen bleiben länger geöffnet. Eine Quellefür ihre Informationen nannte die Zeitung nicht.

"Wir sehen derzeitkeine Anzeichen dafür, dass sich der Druck auf das operative Ergebnis reduziert",hatte Finanzvorstand Stephan Engels im Anfang August gesagt. Damit schloss sichDeutschlands zweitgrößte Bank den pessimistischen Tönen der Deutschen Bank an. DieCommerzbank erwartet für das zweite Halbjahr ein Konzernergebnis unter dem der erstensechs Monate. Hier hat die Bank 644 Mio. Euro erzielt - knapp 400 Mio. Euro wenigerals im ersten Halbjahr 2011.

Sparkurs keine Überraschung

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Ein Sprecher der Commerzbankwollte den Zeitungsbericht nicht kommentieren. "Unser strategischer Planungsprozessläuft bis zum 8. November", sagte er und verwies damit auf die "strategischeWeiterentwicklung" für das Privatkundengeschäft, die Finanzvorstand StephanEngels für Anfang November in Aussicht gestellt hat.

Im zweiten Quartal war dasoperative Geschäft mit den Privatkunden denkbar schlecht verlaufen, nur mit Hilfeder Direktbanktochter comdirect konnte die Bank im Privatbanking einen Verlust vermeiden.Im zweiten Halbjahr rechnet die Bank mit noch niedrigeren Gewinnen. Vor diesem Hintergrundwären weitere Sparanstrengungen keine Überraschung.

Dabei sollte gerade im Privatkundengeschäftkünftig die Kernkompetenz der Commerzbank liegen. Ende Juni hatte Deutschlands zweitgrößteBank angekündigt, sich aus den Geschäftsbereichen Schiffsfinanzierung und gewerblicheImmobilienfinanzierung zurückzuziehen. In der Schiffsfinanzierung war die Commerzbankeinst der drittgrößte Player der Welt, bei den gewerblichen Immobilien avancierteman mit der Eurohypo-Tochter zum größten Institut Europas.

Auch im Privatkundengeschäfthatten sich die hochfliegenden Hoffnungen aus der Fusion mit der Dresdner Bank imJahr 2008 nicht erfüllt. Von der "einmaligen Chance" und dem "Quantensprung"im Geschäft mit Privatkunden war zuletzt nicht mehr viel übrig geblieben.

Tausende Stellen gestrichen

Seit der Übernahme der DresdnerBank vor vier Jahren mussten bereits rund 9000 Mitarbeiter den Konzern verlassen,die Zahl der Filialen will das Frankfurter Geldhaus bis zum Jahresende auf 1200von zuvor 1540 reduzieren.

Die verbliebenen Mitarbeitersollen dafür auch am Samstag für die Kunden da sein. Dem Zeitungsbericht zufolgewill die Commerzbank einen erneuten Anlauf unternehmen, ihre Filialen länger zuöffnen und einige Geschäftsstellen auch Samstags zu öffnen. Einen entsprechendenVersuch hatte die Commerzbank vor fünf Jahren, also noch vor der Fusion mit derDresdner Bank, schon einmal unternommen, war damals aber am Widerstand der Betriebsrätegescheitert.

Quelle: n-tv.de