Wirtschaft
Commerzbank-Chef Martin Blessing zieht einen Schlussstrich.
Commerzbank-Chef Martin Blessing zieht einen Schlussstrich.(Foto: picture alliance / dpa)

Gewerbeimmobilien und Schiffe raus: Commerzbank beerdigt Sparte

Rolle rückwärts bei der Commerzbank: Statt wie geplant ein neues Segment für die Immobilien- und Schiffsfinanzierung zu schaffen, wickelt das staatlich gestützte Finanzhaus die Bereiche kurzerhand ab. Damit vollzieht die Bank binnen weniger Monate einen Strategieschwenk, der große Spieler vom Markt verschwinden lässt.

Die Commerzbank steigt komplett aus der gewerblichen Immobilien- und Schiffsfinanzierung aus. Der Vorstand der Bank entschied, die beiden Geschäftsfelder vollständig abzubauen. Damit revidiert die Commerzbank einen Entschluss aus dem März dieses Jahres, wonach die beiden Sparten in einem neuen Kernbanksegment "Real Estate and Ship Finance" (RES) gebündelt werden sollten.

In beiden Bereichen ist die Commerzbank bislang ein großer Akteur am Markt, beide leiden jedoch akut unter der Marktschwäche und schrieben jüngst tiefrote Zahlen. In der gewerblichen Immobilienfinanzierung war die Commerzbank mit der Eurohypo einer der größten Anbieter der Republik. Im Gegenzug für Hilfen in der Finanzkrise musste sich die Commerzbank jedoch nach dem Willen der EU-Kommission auf die weitgehende Abwicklung des Hauses verpflichten. Der verbliebene Rest wäre ein Standbein des neuen RES-Segments gewesen.

In der Schiffsfinanzierung ist die Bank bisher mit der Deutschen Schiffsbank der zweitgrößte Anbieter in Deutschland hinter dem Marktführer HSH Nordbank. Auch dieses Segment ist jedoch defizitär.

Zu hohe Kapitalanforderungen

Die Bank begründete den Schritt neben der konjunkturellen Unsicherheit auch mit Regulierungsauflagen: "Vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanz- und Staatsschuldenkrise, deren Ende nicht absehbar ist, und des unsicheren regulatorischen Umfelds unterziehen wir im Rahmen unseres strategischen Planungsprozesses alle Geschäftsbereiche einer gründlichen Überprüfung", sagte Bankvorstand Martin Blessing. Neben der hohen Kapitalbindung in diesen angeschlagenen Segmenten stiegen gerade für Langfristfinanzierungen künftig die Liquiditätsanforderungen durch die Eigenkapitalregeln Basel III. Zudem passten die zyklischen Schwankungen im Ergebnis nicht mehr zum Geschäftsmodell. Der Abbau des Geschäfts solle möglichst wertschonend über die Zeit geschehen.

Aus der Immobiliengeschäft steigt die Bank jedoch nicht vollständig aus. Im Privat- und Firmenkundengeschäft will Deutschlands zweitgrößte Bank weiterhin Immobilienfinanzierungen anbieten. Die Tochter CommerzReal, die geschlossene Immobilienfonds anbietet, soll in das Kernbanksegment Privatkunden integriert werden.

Die Commerzbank erklärte, derzeit alle Geschäftsbereiche zu überprüfen. Die Ergebnisse dieses Prozesses sollten im Herbst vorgestellt werden. An den bisher genannten Zielen für das laufende Geschäftsjahr gibt es nach Angaben der Bank keine Änderungen – eine Aktualisierung werde es mit den Halbjahreszahlen am 9. August geben.

Quelle: n-tv.de

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