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Der Automobilzulieferer Continental legt unterm Strich auch sank sinkender Finanzierungskosten deutlich zu.
Der Automobilzulieferer Continental legt unterm Strich auch sank sinkender Finanzierungskosten deutlich zu.(Foto: picture alliance / dpa)

Spielraum für weitere Übernahmen: Conti will erneut zuschlagen

Der Autozulieferer Continental verdient mehr als vor einem Jahr. Rund läuft es vor allem im Reifengeschäft. Ein merklich geschrumpfter Schuldenberg eröffnet neue Möglichkeiten. Börsianern gefallen die Aussichten.

Der Autozulieferer Continental kommt beim Schuldenabbau schneller voran  als erwartet und traut sich bereits die nächste Großübernahme zu. "Wenn ich mir unser Finanzprofil anschaue, könnten wir innerhalb der nächsten 18 Monate noch einmal eine Akquisition in der Größenordnung von Veyance stemmen", sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer.

Auch nach dem Kauf des Kunststoff- und Kautschukspezialisten Veyance für 1,4 Milliarden Euro verfüge der Dax-Konzern über mehr als ausreichend Mittel für das laufende Geschäft. Kurzfristig stünden eher kleinere Zukäufe auf dem Plan. Konkrete Vorhaben nannte der Finanzchef allerdings nicht.

Conti hatte im Februar die Übernahme von Veyance angekündigt und wartet noch auf die Freigabe durch die Kartellbehörden. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet der Konzern im Herbst. Danach soll die US-Firma in die Tochter ContiTech, die unter anderem Transportbänder und Schlauchsysteme herstellt, eingegliedert werden.

Mit einem höheren Anteil am Nicht-Auto-Geschäft will sich Continental stärker vom Preisdruck der Autohersteller lösen. Konzernchef Elmar Degenhart hatte bereits angedeutet, dass im Reifengeschäft in den kommenden zwölf bis 18 Monaten Zukäufe gut vorstellbar seien. Den Spielraum dafür hat Conti durch kontinuierlichen Schuldenabbau seit der Übernahme des Autoelektronikspezialisten VDO für gut elf Milliarden Euro vor sechs Jahren. Bis Ende März 2014 sanken die Netto-Finanzschulden auf 4,2 Milliarden Euro, 1,4 Milliarden weniger als vor Jahresfrist.

Umschuldung im großen Stil

Die günstigen Konditionen an den Finanzmärkten nutzte Conti im April, um Kredite im Volumen von 4,5 Milliarden Euro durch einen neuen syndizierten Kredit in gleicher Höhe zu besseren Konditionen abzulösen. Die Zinssätze hätten sich dadurch fast halbiert.

Auch Conti-Haupteigner Schaeffler nutzt die Gunst der Stunde und kündigte Umschuldungen im großen Stil an. Der Wälzlagerspezialist, der mit 46 Prozent an Conti beteiligt ist, will mehrere Anleihen in Euro und Dollar im Gesamtvolumen von rund zwei Milliarden Euro ausgeben. Damit sollen bestehende Anleihen und Bankkredite abgelöst werden. Außerdem sollen Kredite von institutionellen Anlegern im Wert von etwa 1,6 Milliarden Euro durch neue Darlehen zu verbesserten Konditionen ersetzt werden. Insgesamt plant das fränkische Familienunternehmen damit Umfinanzierungen von 3,6 Milliarden Euro.

Spiel mit der Fantasie der Anleger

Beide Zulieferer profitieren von der Erholung der Autonachfrage in Europa. Die Reifensparte von Continental legte als Ertragsperle im ersten Quartal beim bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um gut ein Fünftel auf 442,5 Millionen Euro zu. Damit lieferte sie fast die Hälfte des Konzernwerts. Unter dem Strich stieg der Überschuss sogar um ein Drittel auf 588,3 Millionen Euro.

Unlängst hatte Conti bereits nach einem guten Jahresauftakt seine Rendite-Prognose leicht angehoben. Statt einer bereinigten Ebit-Marge von 10,0 Prozent peilt der Vorstand nun eine Rendite von 10,5 (Vorjahr 11,3) Prozent an. Der Umsatz soll um fünf Prozent auf rund 35 Milliarden Euro zulegen. Im ersten Quartal lag die operative Marge bei 11,4 (10,0) Prozent.

Für die nächsten Monate kündigte Conti-Chef Degenhart weitere Verbesserungen an. Der Konzern habe in den ersten Monaten einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er Wachstum sehr gut mit dem Erschaffen von Werten verbinden könne, sagte Degenhart. Diesen Weg wolle das Management in den kommenden Monaten fortsetzen. An der Börse sorgte der Optimismus für gute Stimmung. Die Aktie des Autozulieferers aus Hannover stieg um mehr als drei Prozent und war damit größter Gewinner im Leitindex Dax.

Quelle: n-tv.de

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