Wirtschaft

Kleine Airlines hoffen: Crowdfunding für Regionaljets

Beim Crowdfunding stellen Personen per Internet Geld zum Beispiel für Start-Ups zur Verfügung. Ein Brite will mittels dieses Konzepts nun sogar Flugzeuge finanzieren. Vor allem regionale Airlines könnten davon profitieren.

ATR 42-500
ATR 42-500

Bisher ist Crowdfunding in erster Linie ein regionales Phänomen. Menschen stellen dabei über Internetseiten Geld für Start-Ups, Bands oder soziale Projekte in ihrer Region zur Verfügung. Doch nun will der britische Unternehmer David Bradley-Ward das Crowdfunding-Konzept in einem völlig anderen, globalen Geschäftsfeld nutzen: bei der Finanzierung von Flugzeugen.

Zusammen mit Partnern hat Bradley-Ward vor kurzem die Internetplattform Ablrate.com eröffnet. Auf ihr können vermögende Privatpersonen und institutionelle Kunden Geld für die Finanzierung von Propellermaschinen und anderen Regional-Jets zur Verfügung stellen. Das erste Projekt, das mit Hilfe der Internetseite finanziert werden soll, ist ein 100.000 Pfund (rund 125.000 Euro) schwerer Kredit für eine Propellermaschine des Typs ATR 42-500 mit knapp 50 Sitzplätzen. Um Geldgeber wirbt die Seite mit einem Zinssatz von zehn Prozent.

Für regionale Fluggesellschaften ist der Vorstoß von Bradley-Ward ein Hoffnungsschimmer. Kredite für große Flugzeugbestellungen bekommen Airlines und Leasinggesellschaften derzeit zwar so günstige wie lange nicht - unter anderem, weil neben Banken auch Finanzinvestoren in die Branche drängen. Für die Anschaffung kleinerer Maschinen fänden sich dagegen nicht immer genügend Geldgeber, klagt Simon McNamara, der Chef des europäischen Verbandes für regionale Fluggesellschaften (ERA).

Propellermaschinen für Kolumbien

Bradley-Ward hat einst als Ingenieur für die britische Luftwaffe gearbeitet und ist heute für eine Firma tätig, die Regionalflugzeuge erwirbt und sie an Airlines verleiht. Als er im vergangenen Jahr nicht genug Geld für den Kauf eines Flugzeugs auftreiben konnte, kam er auf die Idee mit der Crowfunding-Plattform. "Es wird viel finanziert, aber auf einem anderen Level", sagt Bradley-Ward. Geld für regionale Fluggesellschaften aufzutreiben sei deshalb ein idealer Markt für Crowdfunding. Seine Internetseite, die für die Vermittlung von Krediten Gebühren kassiert, will sich zunächst auf die bekannten Maschinen des Regionalflugzeugherstellers ATR konzentrieren, einem Gemeinschaftsunternehmen der Branchengrößen Airbus und Finmeccanica.

Beim ersten Projekt, für das Ablrate noch bis Mittwoch um das Geld der Investoren wirbt, geht Bradley-Ward auf Nummer sicher. Die Finanzierung der Propellermaschine ist von der Leasingfirma Phoenix Aircraft abgesichert. Die 27 Investoren, die über die Internetseite bisher zusammen 34.000 Pfund (rund 42.500 Euro) zugesagt haben, steuern somit nur einen sehr kleinen Teil zur Finanzierung des Flugzeuges bei. Die Maschine, die Schätzungen zufolge bis zu 15 Millionen Euro kosten könnte, soll anschließend an die staatlichen kolumbianische Regionalfluggesellschaft Satena verliehen werden. Sollte der Testballon erfolgreich sein, habe Ablrate zahlreiche Finanzierungen mit einem Volumen von insgesamt 50 Millionen Pfund (63 Millionen Euro) in der Pipeline, sagt Bradley-Ward.

"Eine spannende Idee"

Für deutsche Flugzeugfinanzierer hat das Geschäft mit Regionaljets bisher keine allzu große Bedeutung. Bei der DZ -Bank-Tochter DVB Bank machen Propellermaschinen und Regionaljets beispielsweise nur sechs Prozent des gesamten Luftfahrt-Portfolios aus.

"Wir haben eine paar ATR-Finanzierungen gemacht, aber die waren relativ klein", betont auch Michael Nosbüsch, ein Flugzeugexperte der staatlichen Förderbank KfW. Im Vergleich zum gesamten Flugzeugfinanzierungsmarkt, der sich weltweit zuletzt auf rund 100 Milliarden Dollar belief, sei das Geschäft mit Regionaljets winzig. Nichtsdestotrotz sei die Zahl der Banken, die in dem regionalen Geschäft aktiv seien, zuletzt gestiegen, sagt Nosbüsch.

Welche Bedeutung Crowdfunding in der Branche künftig spielen wird, ist umstritten. Es werde eine Nischenerscheinung bleiben, glauben mehrere Flugzeugfinanzierer, mit denen Reuters gesprochen hat. Die regionalen Fluggesellschaften knüpfen dagegen durchaus Hoffnungen an die neue Online-Plattform. "Es ist eine spannende Idee, um Geld auf eine neue Art einzuwerben", sagt ERA-Chef McNamara. Ob sie funktioniere, müsse sich allerdings erst in der Praxis zeigen.

Quelle: n-tv.de

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