Wirtschaft
Wenn Schwergewichte stürzen: Der Nikkei scheint aus dem Gleichgewicht.
Wenn Schwergewichte stürzen: Der Nikkei scheint aus dem Gleichgewicht.(Foto: AP)

Japan im Abwertungskampf: Darum fällt der Nikkei

Von Sabrina Pfeiffer

Seit knapp zwei Wochen gibt es an der japanischen Börse kein Halten mehr: In der Spitze erleidet der Nikkei mit 7,3 Prozent den größten Kurseinbruch seit Fukushima. Der Juni-Auftakt bringt keine Besserung. Entpuppt sich der anfängliche "Abenomics-Triumph" als heiße Luft?

Der japanische Leitindex ist auf Talfahrt: Nachdem der Nikkei 225 seit Anfang des Jahres um beinah 30 Prozent rasant nach oben geschossen ist, gerät er nun immer weiter in Schieflage. Vorbei sind die Zeiten in dem ein Mehrjahreshoch das andere jagt. Die Angst der Börsianer vor Negativrekorden nimmt dagegen zurzeit stark zu. Die kurze Verschnaufpause Ende Mai konnte daran nichts ändern, die erhoffte Erholung offenbarte sich lediglich als Strohfeuer. Der Juni-Auftakt bringt wieder keine Wende: In Tokio schloss der Nikkei-Index 3,7 Prozent schwächer bei 13.261 Punkten. Was ist da los?

"Grundsätzlich hat der Nikkei Korrekturpotenzial", erklärt der Commerzbank-Analyst Marco Wagner. "Der Nikkei boomt seit mehreren Wochen und ist innerhalb kurzer Zeit extrem stark gestiegen. An sich kein Wunder, dass irgendwann eine Korrektur einsetzt."

Zu den Leidtragenden zählen überwiegend die Banken und Brokerhäuser, ihr Branchenindex purzelt zuletzt 6,5 Prozent ins Minus. "Ausschlaggebend für den aktuellen Rückgang dürfte mitunter der gesunkene Einkaufsmanagerindex in China gewesen sein, denn die Daten aus Japan sind eigentlich allesamt positiv", beschreibt Wagner einen der möglichen Auslöser des Stimmungsumschwungs. Doch wie konnte es nach dem furiosen Anstieg seit Jahresbeginn zu dieser scharfen Kehrtwende kommen?

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Seit knapp zwei Jahrzehnten durchlebt Japan eine Art wirtschaftlichen Dornröschenschlaf: Der neue Mann an der Spitze der Bank of Japan, Harushiko Kurosa, zielt mit seiner Strategie der extrem expansiven Geldpolitik darauf ab, das Land der aufgehenden Sonne aus dieser Phase zu befreien.

Dank umfassender Konjunkturprogramme und Kurodas locker Geldpolitik, konnte die Bank of Japan zunächst im Kampf gegen die anhaltende japanische Deflation überzeugen. Ein regelrechter Nikkei-Boom folgte: Innerhalb eines Jahres wurde der Yen im Vergleich zum Euro um fast 25 Prozent abgewertet. In der Spitze stieg der Nikkei bis auf 15.942 Punkte. Anleger verzeichneten sagenhafte Kursgewinne.

Währungskrieg und Aktienblüte

Ein Grund für außergewöhnliche Stärke liegt in der Entwicklung an den Devisenmärkten: Durch den deutlich geschwächten Yen profitieren zwar japanische Exportfirmen, insbesondere Automobilhersteller wie Toyota und Honda. Allerdings steht dadurch auch die Nachhaltigkeit des Erfolgs in Bezug auf die Deflation weiterhin in Frage. Auch die allgemeine Kritik an dem sogenannten Währungskrieg der Japaner lässt nicht nach. Auf dem jüngsten G7-Gipfel wurde Japan dafür aufs Schärfste kritisiert - kein Land druckt derzeit so viel Geld wie Japan.

"Japans Geldpolitik dürfte kaum etwas Sinnvolles bewirken", meint Japan-Spezialist Wagner. "Offizielles Ziel ist es, durch die lockere Geldpolitik die Investitionen anzufachen und dadurch Wirtschaftswachstum und eine Reflationierung zu erzeugen. An beides glaube ich nicht. Die Finanzierungsbedingungen waren zuvor schon extrem günstig", erläutert der Coba-Volkswirt.

Sollte Japan an seiner Währungspolitik festhalten, besteht nach Ansicht von Beobachtern die Gefahr von Nachahmern. Andere Länder könnten in eine Art Abwertungswettlauf gezogen werden.

Nach Einschätzungen Wagners ist Japans ganz große Aktienblüte schon wieder vorbei: "Kurzfristig ist der Markt deutlich überkauft nach einer tollen Rally seit Ende November", warnt Wagner. "Vor diesem Hintergrund erscheint eine Fortsetzung der Konsolidierung in der kurzen Frist wahrscheinlich. Die ultraexpansive Geldpolitik sollte aber mittelfristig den Aktienmarkt weiter unterstützen."

Anlegern rät Japan-Experte Wagner, sich allenfalls währungsgesichert in Japan zu engagieren, da die Bank of Japan - anders als zum Beispiel die Europäische Zentralbank - mit einer Abwertung des Yen zu kämpfen hat.

Quelle: n-tv.de

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