Wirtschaft
Darrell Issa, Republikaner aus Kalifornien, ist Amerikas reichster Abgeordneter.
Darrell Issa, Republikaner aus Kalifornien, ist Amerikas reichster Abgeordneter.(Foto: picture alliance / dpa)

Jeder zweite US-Abgeordnete ist Millionär: Das Parlament der Reichen

Von Hannes Vogel

In Deutschland ist die "Millionärswahl" eine TV-Show, in den USA Realität. Zum ersten Mal sind mehr als die Hälfte aller US-Abgeordneten Millionäre. Amerikas Volksvertreter sind schon lange viel reicher als ihre Wähler: Ihnen gehört ein Milliardenvermögen.

Dass Geld in der US-Politik eine große Rolle spielt, ist eine Binsenweisheit. Dass Geld aber auch für US-Politiker immer wichtiger wird, dagegen eine statistische Gewissheit. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der USA ist mehr als jeder zweite US-Abgeordnete Millionär. Das geht aus den offiziellen Berichten hervor, die alle Senatoren und Abgeordneten im Repräsentantenhaus einmal jährlich über ihre persönlichen Finanzen veröffentlichen müssen. Die Daten ausgewertet hat das Center for Responsive Politics (CRP), eine überparteiliche, gemeinnützige Organisation, die den Einfluss von Geld auf die US-Politik untersucht. Nur in Chinas Volkskongress sitzen noch mehr Superreiche.

Laut der Analyse hatten 268 von derzeit 534 Mitgliedern des US-Kongresses ein geschätztes Vermögen von einer Million Dollar oder mehr. Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2012, über das die Volksvertreter bis 31. Mai 2013 Rechenschaft ablegen mussten. Ein Jahr zuvor waren 257 Abgeordnete Millionär, also rund 48 Prozent. Laut Gesetz müssen US-Politiker ihr Vermögen allerdings nicht als exakte Werte, sondern nur in mehreren Stufen angeben. Das CRP berechnet daher den Mittelwert aus dem minimalen und maximalen Vermögen, das die Abgeordneten laut ihren Finanzberichten besitzen können.

Abgeordnete sind viel reicher als Wähler

Auch das Median-Vermögen ist gewachsen: 2012 gehörten laut CRP mehr als der Hälfte der US-Parlamentarier mindestens 1.008.767 Dollar, die andere Hälte besaß weniger. Im Jahr zuvor hatte die Zahl noch bei 966.000 Dollar gelegen - ein Plus von 4,4 Prozent. Das Median-Vermögen aller US-Haushalte betrug laut dem statistischen Bundesamt der USA dagegen 2012 nur 51.371 Dollar, 2011 lag es bei 51.324 Dollar - ein Zuwachs von gerade 0,09 Prozent. Damit setzt sich der Trend fort: Der typische US-Abgeordnete ist schon seit Jahren viel reicher als der US-Durchschnittswähler. Und sein Vermögen wächst auch noch viel stärker als das des Normalbürgers.

Besonders reich sind die 100 Senatoren, die in der zweiten Kammer des US-Parlaments sitzen: Mehr als die Hälfte von ihnen besaß 2012 ein Vermögen von mindestens rund 2,8 Millionen Dollar - ein Zuwachs von 10,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders die Republikaner im Senat sind Großverdiener: Ihr Median-Vermögen lag 2012 bei 2,9 Millionen Dollar, die Demokraten kamen dagegen auf 1,7 Millionen Dollar. Im Repräsentantenhaus ist es dagegen umgekehrt: Dort sind die Demokraten (929.000 Dollar) reicher als die Republikaner (884.000 Dollar).

Parlamentarier setzen auf Aktien und Immobilien

Eine Ausnahme bildet allerdings Darrell Issa: Der Republikaner im Repräsentantenhaus besaß 2012 ein geschätztes Vermögen von 464 Millionen Dollar und war damit wie auch in den Jahren zuvor der reichste US-Volksvertreter. Einen Großteil seines Geldes hat Issa als Besitzer einer der größten Firmen für Auto-Alarmanlagen in den USA gemacht. Der ärmste Abgeordnete ist ebenfalls Republikaner: David Valadao, der wie Issa für Kalifornien im Repräsentantenhaus sitzt. Ihn drücken allerdings Schulden von geschätzt 12 Millionen Dollar, die vor allem auf Kredite für eine Farm zurückgehen.

Weil US-Abgeordnete auch angeben müssen, mit welchen Aktien, Anleihen und Wertpapieren sie handeln, lässt sich nachvollziehen, welche Investments bei den Parlamentariern besonders beliebt sind. Die Volksvertreter setzen voll auf Blue-Chip-Aktien: Beliebtester Einzeltitel war mit 74 Aktionären General Electric. Mit Microsoft, Procter & Gamble, JP Morgan, IBM, Cisco und AT&T stammen insgesamt sieben der zehn beliebtesten Aktien aus dem Dow-Jones-Index der Standardwerte.

Hinzu kommen noch Wells Fargo, Apple und die Bank of America - an Finanzwerten haben die Parlamentarier also besonderes Interesse. Äußerst beliebtes Anlageobjekt sind bei den Volksvertretern aber auch Immobilien: Die hatten 2012 einen geschätzten Wert zwischen 442 Millionen und 1,4 Milliarden Dollar. Insgesamt gehörte den US-Kongressmitgliedern 2012 ein geschätztes Nettovermögen von 3,9 Milliarden Dollar.

Quelle: n-tv.de

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