Wirtschaft
Bekommt Unterstützung von Top-Managern aus Deutschland: Wladimir Putin.
Bekommt Unterstützung von Top-Managern aus Deutschland: Wladimir Putin.(Foto: dpa)

"Russland in die Ecke gedrängt": Dax-Konzernchefs unterstützen Putin

Die Liste der Putin-Verteidiger wird länger. Nach Siemens-Chef Kaeser bitten auch die Vorstandsvorsitzenden von Adidas, Deutscher Post und ThyssenKrupp um mehr Verständnis und werfen dem Westen Fehler vor. Sanktionen halten sie für eine schlechte Idee.

Der Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Ukraine-Krise stößt bei führenden deutschen Konzernlenkern auf Verständnis. In einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" bemängelten die Chefs der Dax-Unternehmen Deutsche Post, ThyssenKrupp und Adidas Fehler im Umgang mit Russland. "Man sollte vielleicht früher bedenken, was das Ergebnis ist, wenn man im Vorhof einer anderen Großmacht von außen für politische Veränderungen sorgt", sagte Post-Chef Frank Appel. Adidas-Boss Herbert Hainer formulierte etwas zurückhaltender: "Man hätte früher in Kontakt mit Putin treten sollen, um den Umsturz in der Ukraine gemeinsam zu begleiten."

"Man muss sich fragen, ob man jemanden wie Putin nicht wesentlich früher hätte in den Prozess einbinden sollen - statt die Gespräche erst dann zu beginnen, wenn es zu spät ist", so Hainer weiter und fügte hinzu: "Dass Putin sich nicht einfach bieten lässt, was in der Ukraine passiert, war abzusehen." Appel nannte die Eskalation "nicht überraschend, wenn man sich die vergangenen zwei Jahre ansieht."

Zehntausende Soldaten zusammengezogen

Im Februar hatten Proteste in der Ukraine zum Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch geführt. Auslöser war, dass der Staatschef die Annäherung an die Europäische Union stoppte und sich Moskau zuwandte. Nach der Flucht des Präsidenten übernahmen russische Kräfte die Kontrolle der Krim. Während Moskau beharrlich von "Selbstverteidigungskräften" spricht, gehen unabhängige Beobachter davon aus, dass es sich um russische Soldaten handelt.

In der vorvergangenen Woche hatte Russland trotz internationaler Proteste die ukrainische Halbinsel Krim seinem Staatsgebiet einverleibt. Die Ukraine, die USA und die EU sehen das als einen Bruch des Völkerrechts. Zuvor hatte sich die dortige Bevölkerung in einem vom Kreml massiv beeinflusstem Referendum für die Abspaltung von der Ukraine ausgesprochen.

Nach Einschätzung von Beobachtern hat Russland derweil zwischen 40.000 und 50.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Zum Vergleich: In Afghanistan sind derzeit noch etwa 33.000 US-Soldaten im Einsatz. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte, Russland habe nicht die Absicht, die Grenze zur Ukraine zu überschreiten. Man sei aber bereit, die Rechte russisch sprechender Menschen in der Ukraine zu schützen. Mit dem Argument hatte Russland auch seine Intervention auf der Krim begründet.

Warnung vor Sanktionen

EU und USA haben russische Politiker wegen der Eingliederung der Krim mit Konten- und Einreisesperren versehen. Außerdem drohen bei einer weiteren Eskalation Wirtschaftssanktionen. Die drei Manager warnten vor einem solchen Schritt. So verwies Appel auf die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen: "Ob eine Abhängigkeit vom Nahen Osten oder Venezuela besser ist als die von Russland, erscheint mir zumindest fraglich." Sanktionen führten immer zu Gegensanktionen, "sodass am Ende beide Seiten leiden."

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger sagte, man habe in der Vergangenheit gesehen, dass gewaltige Veränderungen möglich seien, wenn man sie gemeinsam mit Russland angehe. Als Beispiel nannte er die deutsche Einheit. "In diesem Modus der Verständigung hätte man den Prozess gestalten sollen", sagte er: "Hier ist eine Situation entstanden, in der sich Russland in die Ecke gedrängt fühlte."

Vergangene Woche hatte ein Besuch von Siemens-Chef Joe Kaeser bei Putin für Kritik gesorgt. Nach dem Treffen hatte er vor Journalisten von einer "vertrauensvollen Beziehung" zu russischen Unternehmen gesprochen und darauf verwiesen, dass Siemens seit 160 Jahren in Russland tätig sei. "Wir setzen auf eine langfristige Wertepartnerschaft", sagte Kaeser. Worin diese Werte bestehen, sagte er nicht.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen