Wirtschaft
(Foto: obs/ThyssenKrupp Elevator AG/Philipp Brem)

Ein Gebäude nur für Aufzüge: Der Turmbau zu Rottweil

ThyssenKrupp plant im Südwesten Deutschlands eine turmhohe Testanlage für Hochgeschwindigkeitsaufzüge. Der 244 Meter hohe "Tower of Light" soll neben dem Städtchen Rottweil in den Himmel ragen. Nicht alle sind von den Plänen begeistert.

Stolz auf den Turm: Der Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp Elevator AG, Andreas Schierenbeck, Oberbürgermeister Ralf Broß sowie die Architekten Helmut Jahn und Werner Sobek (v.l.) präsentieren in Rottweil ein Modell der geplanten Test-Anlage.
Stolz auf den Turm: Der Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp Elevator AG, Andreas Schierenbeck, Oberbürgermeister Ralf Broß sowie die Architekten Helmut Jahn und Werner Sobek (v.l.) präsentieren in Rottweil ein Modell der geplanten Test-Anlage.(Foto: dpa)

Seit dem Mittelalter ist die ehemalige Reichsstadt am Oberen Neckar stolz auf seine Türme. Doch dass in Rottweil neben dem Kapellenturm, dem Hochturm und dem gotischen Glockenturm des Heilig-Kreuz-Münsters mal eines der höchsten Bauwerke Deutschlands stehen könnte, damit hätte in dem knapp 25.000 Einwohner zählenden Städtchen wohl kaum jemand gerechnet.

Doch bald schon könnte diese Vision tatsächlich Wirklichkeit werden: Der Aufzughersteller ThyssenKrupp Elevator (TKE) hegt konkrete Pläne, im Südwesten Deutschlands im Rottweiler Industriegebiet "Berner Feld" einen 244 Meter hohen Test-Turm für Hochgeschwindigkeitsaufzüge zu errichten. Die neue Anlage soll in Sichtweite des mittelalterlichen Stadtkerns entstehen. Der moderne Mega-Turm würde die Silhoutte der Stadt weithin überragen - und wäre aus weitem Umkreis nicht zu übersehen.

Rottweil bekäme dafür ein neues Wahrzeichen, noch dazu eines mit öffentlich zugänglicher Aussichtsplattform. Wie nicht anders zu erwarten, löste die Aufzugstochter des im Dax notierten Stahlkonzerns mit seinen Plänen vor Ort eine intensive Debatte aus.

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Ein "leichtes und filigranes Erscheinungsbild" hat ThyssenKrupp den Stadtvätern mit Blick auf den gewaltigen Turmbau versprochen. Doch die Turm-Gegner sind misstrauisch. Sie befürchten, dass das hohe Gebäude das Stadtbild verschandelt. Schließlich soll der Turm selbst das höchste Gebäude in Baden-Württemberg überragen - den Stuttgarter Fernsehturm, der mit Antenne lediglich auf eine Höhe von knapp 217 Meter kommt.

ThyssenKrupp will in der kostspieligen Testanlage Hochgeschwindigkeitsaufzüge für Wolkenkratzer in aller Welt testen. Rund 40 Millionen Euro wird das Unternehmen mit Sitz in Essen in den Bau investieren. Die elf Testschächte in dem geplanten Turm sind für Geschwindigkeiten der Aufzugkabinen von bis zu 18 Metern pro Sekunde ausgelegt. Zum Vergleich: Die beiden "Schnellaufzüge" im Berliner Fernsehturm bewegen sich mit vergleichsweise langsamen 6 Metern pro Sekunde.

Turmhoch über Rottweil

Viel aus "Stuttgart 21" gelernt: Mit einem Testballon, der die projektierte Höhe des Testturms anzeigt, bemühte sich das Unternehmen bereits im vergangenen Herbst um eine frühzeitige Einbindung der Anwohner.
Viel aus "Stuttgart 21" gelernt: Mit einem Testballon, der die projektierte Höhe des Testturms anzeigt, bemühte sich das Unternehmen bereits im vergangenen Herbst um eine frühzeitige Einbindung der Anwohner.(Foto: dpa)

"Der Turm soll ein Bauwerk für alle Bürger sein, nicht allein für ThyssenKrupp", erklärte Star-Architekt Helmut Jahn, dessen Entwurf ThyssenKrupp in Rottweil realisieren will. In Sachen Türmen kennt sich der deutsch-amerikanische Baumeister bestens aus. Von ihm stammen die Pläne für den Frankfurter Messeturm, den Post-Tower in Bonn und den WeserTower in Bremen.

Architekt Jahn ist überzeugt, das 244-Meter-Projekt in Rottweil werde "die Zukunft der Stadt der Türme bestimmen". Seiner Meinung nach gliedert sich das Gebäude optimal in die Landschaft ein. Sein Entwurf sieht vor, den Betonschaft des "Tower of Light" mit einer Stoffhülle aus Glasfasergewebe zu umwickeln, die zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten das Licht verschieden reflektiert.

Die "Funktionalität des Turms" erhalte so ein "charmantes Additiv", erklärt sein Projektpartner, der Bauingenieur und Architekt Werner Sobek, der unter anderem an der Uni Stuttgart das "Institut für Leichtbau Entwerfen und Kostruieren" (ILEK) leitet.

Ein schillernder Touristenmagnet?

"Das Wechselspiel zwischen der mittelalterlichen Innenstadt und dem neuen Test-Turm wird zum Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich unsere Stadtsilhouette von allen anderen vergleichbaren Städten abheben wird", ist Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß überzeugt. "Mit dem Test-Turm schlagen wir ein neues Kapitel in unserer Stadtgeschichte auf", sagt der parteilose Kommunalpolitiker.

Die Rathausspitze von Rottweil sieht in dem Bauvorhaben eine Chance für Wirtschaft und Tourismus: Der Turm könne zum Markenzeichen der Region werden kann. Zudem könnte die geplante Aussichtsplattform mit Blick über die Schwäbische Alp und bei guter Sicht auch bis zu den Alpen den Tourismus ankurbeln. Besucher können mit einem der Aufzüge bis kurz unter die Spitze fahren und dann die Umgebung aus einer Höhe von 232 Metern in Augenschein nehmen. Die Anlage in Rottweil soll damit die höchste Aussichtsplattform Deutschlands werden.

Fernsicht bis hin zu den Alpen

Die neue Rottweiler Fernsichtkanzel läge damit höher noch als die Aussichtsplattform im bislang noch höchsten Bauwerk Deutschlands, dem mit Antennenspitze 368 Meter hohen Berliner Fernsehturm. Dort, in der Haupstadt, können Besucher den Blick aus einer Höhe von lediglich 203 Metern ("Panoramaetage") beziehungsweise 207 Metern ("Telecafé") in die Ferne schweifen lassen.

Kritiker sehen die Pläne skeptisch. Mancher Anwohner befürchtet, dass der neue Riesenturm auch von der Stadt aus gesehen besonders hoch wirken wird. In jedem Fall wird er den Horizont der Rottweiler Bürger für immer verändern. Ursprünglich wollte ThyssenKrupp unterhalb der Stadt im Neckartal bauen. Wegen des instabilen Untergrundes musste jedoch ein neuer Grund gefunden werden.

Jetzt soll der Turm auf einem Gelände weit oberhalb des Flusses errichtet werden. Genehmigt der Gemeinderat das Projekt, könnte ThyssenKrupp bereits im Herbst mit dem Bau beginnen. Frühestens 2016 kann das Gebäude dann in Betrieb genommen werden - und Rottweil seine neue Touristenattraktion eröffnen.

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Quelle: n-tv.de

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