Wirtschaft
Die Weihnachtszeit nutzt VW nach eigenen Angaben vor allem für Umbauarbeiten.
Die Weihnachtszeit nutzt VW nach eigenen Angaben vor allem für Umbauarbeiten.(Foto: picture alliance / dpa)

Licht und Schatten an den Absatzmärkten: Deutsche Autobauer produzieren am Limit

In Deutschland sinken die Neuzulassungen, in Europa stagnieren sie größtenteils, aber in Übersee brummen die Märkte. Die deutschen Autokonzerne reagieren mit verkürzten Weihnachtsferien, Sonderschichten und Neueinstellungen. Dennoch bleibt der Branchenverband VDA für 2014 skeptisch.

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Zum Jahresende stabilisiert sich der arg gebeutelte europäische Automarkt, auch weil in Deutschland die Zeichen auf Besserung stehen. So läuft einer Umfrage zufolge bei den deutschen Herstellern die Produktion bereits auf vollen Touren: Kurze Weihnachtsferien, Sonderschichten, mehr Personal heißt das.

Europas Branchenprimus Volkswagen hat wegen der hohen Nachfrage nach dem neuen Golf in diesem Jahr Sonderschichten an fast jedem Wochenende eingelegt, wie ein Sprecher sagte. Auch die Oberklasse-Hersteller BMW, Daimler und Audi sind bestens ausgelastet. Mercedes profitiert dabei auch von zahlreichen neuen Modellen.

Hartes Rennen um den Oberklasse-Thron

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So sorgen bei Mercedes etwa die neue A- und die S-Klasse für volle Auftragsbücher. Die eigentlich zweiwöchigen Weihnachtsferien werden in einigen Werken um fünf Tage verkürzt. So läuft die Motorenproduktion am Konzernsitz Stuttgart-Untertürkheim statt am 7. Januar schon am 2. Januar wieder an. Auch in Berlin und Hamburg laufen dann schon wieder Motoren, Getriebe und Achsen vom Band, damit die Fahrzeugmontage im neuen Jahr schneller wieder hochgefahren werden kann.

Da 2014 die neue C-Klasse auf den Markt kommt, sind auch die Ferien für die Produktion in Bremen verkürzt. "Wir haben über das gesamte Jahr Sonderschichten gefahren, um alle Kundenwünsche zu erfüllen", sagte ein Sprecher. Die Auftragslage sei sehr gut. Mercedes hat sich vorgenommen, bis 2020 wieder der größte Premiumhersteller Deutschlands zu werden. Derzeit ist das BMW.

Dort geht die Produktion nur im BMW-Werk Leipzig schon direkt nach Neujahr wieder los. Alle anderen Werke können sich eine lange Weihnachtspause leisten. Durch Sonderschichten und verkürzte Stillstandszeiten wurden die Produktionskapazitäten in diesem Jahr aber bereits stärker ausgeschöpft als üblich. "Die Auftragslage ist enorm gut, unsere Werke sind zu 120 Prozent ausgelastet - und zwar alle", sagte ein Sprecher. Das werde sich so schnell auch nicht ändern. "Der Bestelleingang ist auf sehr hohem Niveau."

Neueinstellungen

Volkswagen gönne den Mitarbeitern in den europäischen Fahrzeugwerken nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2013 zum Jahreswechsel zwei Wochen Pause, sagte ein VW-Sprecher. Einige Bereiche nähmen den Betrieb aber schon kurz nach Silvester wieder auf. Die Weihnachtszeit werde außerdem für Umbauarbeiten genutzt, für die im Sommer wegen der hohen Nachfrage keine Zeit war. Auch bei Audi heißt es, die Unterbrechung der Produktion von Weihnachten bis zum 10. Januar müsse genutzt werden, um die Fertigung auf neue Projekte einzustellen. Doch sind weitere Sonderschichten bis ins erste Quartal hinein geplant. 

Dank der vollen Auftragsbücher stellten die Autobauer auch mehr Personal ein. So nahm Mercedes im Werk Untertürkheim 200 neue Mitarbeiter auf die Lohnliste. In Sindelfingen sollen im kommenden Jahr hundert Leiharbeiter übernommen werden. Die Belegschaft von BMW wuchs in diesem Jahr um 4500 Beschäftigte weltweit, die Hälfte der neuen Mitarbeiter wurde in Deutschland angeheuert. Ende Oktober erreichte die BMW-Belegschaft mit 110.400 weltweit einen Höchststand.

"Deutschland stärker im Wettbewerb"

Dennoch: Die Produktion in Deutschland stagniert auf hohem Niveau. Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet in diesem Jahr damit, dass 5,5 Millionen Fahrzeuge bei Volkswagen, Daimler und BMW vom Band rollen. Wachstumsgarant bleibt das Ausland.

Vor allem in Asien und Südamerika ziehen die Autobauer derzeit neue Werke hoch. Der VDA kündigte für 2014 einen Zuwachs der Auslandsproduktion um sechs Prozent auf 9,2 Millionen Fahrzeuge an. "Das stellt Deutschland noch stärker in den Wettbewerb", sagte VDA-Chef Matthias Wissmann.

Noch deutlicher wurde Ernst & Young: "Der Druck auf die deutschen Standorte dürfte sich also weiter erhöhen - trotz der aktuell guten Auslastung vieler deutscher Werke", schrieb Peter Fuß, Automobilexperte und Partner der Unternehmensberatung. Neue Produktionsstätten und Entwicklungszentren entstünden in China, den USA und anderen dynamisch wachsenden Märkten - nicht aber in Westeuropa und in Deutschland.

Absatz schrumpft weiter

Deutschland ist schon länger kein Wachstumsmarkt mehr. 2013 dürften laut VDA hierzulande 2,93 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen kommen, fünf Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Damit rutscht der deutsche Automarkt auf einen der niedrigsten Stände seit der Wiedervereinigung vor mehr als 20 Jahren.  

Im November seien mit 254.700 zwei Prozent weniger Neuwagen auf die Straßen gekommen, so der VDA. Bereinigt um den einen Arbeitstag, den der November 2013 weniger hatte, ergebe sich binnen Jahresfrist ein Plus von drei Prozent.

Quelle: n-tv.de

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