Wirtschaft
Für Kenner und Liebhaber der D-Mark: Zum Auftakt der "Light & Building"-Messe in Frankfurt erstrahlt dort die Fassade einer Deutsche-Bank-Filliale in der Lichtprojektion eines 1000-D-Mark-Geldscheins.
Für Kenner und Liebhaber der D-Mark: Zum Auftakt der "Light & Building"-Messe in Frankfurt erstrahlt dort die Fassade einer Deutsche-Bank-Filliale in der Lichtprojektion eines 1000-D-Mark-Geldscheins.(Foto: REUTERS)

Schwaches Auftaktquartal: Deutsche Bank denkt schon an Jahresverlust

Deutschlands größtes Bankhaus versprüht keinen Optimismus - und verbreitet keine Fantasie. Die ersten Monate waren mau. Und dies könnte sich so fortsetzen. Im Sommer geht es nun an die Schließung von Filialen.

Im laufenden Geschäftsjahr ist das erste Quartal noch nicht absolviert - und die Deutsche Bank senkt bereits den Daumen über dem Gesamtjahr. Die Aussicht bleibt verhalten, ein ein "kleiner" Verlust ist möglich. "Das erste Quartal war nicht sehr stark", sagte Co-Vorstandschef John Cryan bei einer Investorenkonferenz. Zwar werde das Geschäft vor Ostern wohl nochmal an Fahrt aufnehmen, doch das könne den bisherigen Verlauf nicht ausgleichen. Die Deutsche Bank hatte schon in ihrem Geschäftsbericht gewarnt, dass das gewöhnlich starke erste Jahresviertel für die gesamte Branche "schlecht" auszufallen drohe. Das größte deutsche Finanzhaus ist davon nach eigenen Worten nicht ausgenommen.

Auch mit Blick auf das Gesamtjahr wiederholte Cryan die vorsichtige Einschätzung der Bank. "Möglicherweise machen wir einen kleinen Gewinn, möglicherweise machen wir einen kleinen Verlust - wir wissen es nicht." Diese anhaltende Vorsicht setzte die Aktie offenbar unter Druck. Sie fiel am Nachmittag um 5,9 Prozent auf 17,00 Euro.

Erste Filialschließungen im Sommer

Zugleich teilte das Geldhaus mit, dass im Sommer die ersten von mehr als 200 zur Disposition stehenden Filialen in Deutschland geschlossen werden sollen. "Ich hoffe, dass wir uns bis Mai mit den Arbeitnehmervertretern einigen", sagte der für das Privat- und Firmenkunden-Geschäft zuständige Vorstand Christian Sewing der "Zeit" laut Vorabmeldung. "Gelingt uns das, wollen wir im dritten Quartal 2016 damit beginnen, Filialen zu schließen."

Ende 2017 sollten von derzeit 723 Filialen noch rund 500 übrig sein, sagte Sewing. Die Deutsche Bank will im Inland rund 4000 Arbeitsplätze abbauen, den größten Teil davon in Sewings Bereich. Die Schließungen sollen durch neue Konzepte abgefedert werden. Mit den Arbeitnehmervertretern spreche man darüber, in sieben Städten Beratungscenter einzurichten, wo Privatkunden telefonisch, per Online- oder Video-Chat Rat bekämen, auch wenn die Filialen schon geschlossen haben. Konkurrent Commerzbank verfügt noch über mehr als 1000 Filialen, die HypoVereinsbank hatte ihr Netz kürzlich um fast die Hälfte auf knapp 350 Zweigstellen ausgedünnt. 

Wichtige Rechtsstreitigkeiten sollen abgeschlossen werden

Mit ein Grund für den möglichen Verlust sind die hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten. Hier will die Bank in diesem Jahr deutlich vorankommen. Wichtige Verfahren werde die Bank voraussichtlich 2016 abschließen, heißt es in dem Geschäftsbericht der Bank. Und warnte zugleich: Es sei allerdings unklar, ob die bislang gemachten Rückstellungen für Rechtskosten in Höhe von 5,5 Milliarden Euro (Stand: Ende 2015) ausreichen werden.

Die Deutsche Bank ist insgesamt in mehrere Tausend Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Kopfschmerzen bereiten ihr allerdings in erster Linie die ganz großen Fälle. Dazu zählen die Hypothekenstreitigkeiten in den USA, Rechtsstreitigkeiten rund um die Esch-Fonds, die laufenden Untersuchungen und Verfahren im Devisenhandel, beim Hochfrequenz- und im sogenannten Dark-Pool-Handel und bei der Festlegung der Interbanken-Zinssätze.

Negativzinsen vergrößern Probleme

Die Deutsche Bank erklärte die verhaltene Geschäftsentwicklung in ihrem Bericht auch mit den weltweiten Schwankungen an den Finanzmärkten zu Jahresbeginn. Das Handelsgeschäft bleibe danach auch im Gesamtjahr schwierig. Außerdem stehe das Einlagengeschäft aufgrund des Niedrigzinsumfelds weiterhin unter Druck.

Die Negativzinsen erschweren laut Cryan die Ertragssituation. "Das ist ein großes Problem", sagte er. "Wir hatten so viel Geld in bar, dass wir nicht wussten, was wir damit machen sollen." Was sich nach einem Luxusproblem anhört, ist für die Banken und Versicherer in Wirklichkeit eine Wertvernichtung, da das Geld keine Zinsen abwirft. Ende vergangenen Jahres verfügte die Deutsche Bank über Liquidität im Volumen von 215 Milliarden Euro.

Ähnlich hatte sich am Morgen der Rückversicherer Munich Re bei der Bilanzpressekonferenz geäußert. Munich Re sitze auf Bewertungsreserven von 26 Milliarden Euro, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. Das klinge zwar nach einem "happy Problem", wie er es ausdrückte, aber die Munich Re wünsche sich weniger Reserven und einen höheren Zins.

Quelle: n-tv.de

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