Wirtschaft

US-Ankläger kämpferischDeutsche Bank im Visier

13.06.2011, 16:50 Uhr
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Aus Übersee droht Ärger (Foto: dpa)

Die US-Staatsanwälte scheinen sich auf der Suche nach den Schuldigen für die Finanzkrise auf die Deutsche Bank einzuschießen. Nach einem Zeitungsbericht haben die Ankläger jetzt eine neue Front aufgemacht.

Die Negativschlagzeilen über die Deutsche Bank in den USA

reißen nicht ab. Immer öfter fällt bei der Aufarbeitung der Finanzkrise und

ihrer Folgen der Name des Frankfurter Geldhauses. Es scheint, als hätten

US-amerikanische Staatsanwälte und Politiker bei der Suche nach den Schuldigen

für das Desaster einen neuen Lieblingsgegner ausgemacht. Die Bank selbst sieht

sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Die "New York Times" berichtete in ihrer Montagausgabe

von einer neuen Front, die sich für die Deutsche Bank auftut: Demnach verlangen

die Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten New York und Delaware von dem

Institut Informationen über bestimmte Hypothekengeschäfte. Die Ermittlungen

kreisen demnach darum, ob diese Geschäfte sauber dokumentiert wurden und damit

rechtskräftig sind.

Sollte dies nicht der Fall sein, drohten kostspielige

Rechtsstreitigkeiten, warnte die Zeitung. Geprellte Investoren könnten

Wiedergutmachung verlangen. Gerade in den USA und noch dazu in der

Finanzbranche erreichen Schadenersatz-Summen schnell einen dreistelligen

Millionenbetrag oder gehen sogar in die Milliarden. Ein Sprecher der Deutschen

Bank in Frankfurt wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.

Als Trustee versagt?

Konkret geht es um die Rolle der Deutschen Bank als

sogenannter Trustee. Dieser Treuhänder kommt in den USA immer dann ins Spiel,

wenn Banken etliche kleine Hauskredite zu großen Paketen bündeln und an

Investoren weiterverkaufen. Der Trustee hat dafür zu sorgen, dass alle

Unterlagen stimmen und dass die Investoren letztlich ihr Geld von den

Kreditnehmern erhalten.

Die Deutsche Bank ist neben der Bank of New York Mellon

einer der größten Spieler auf diesem Markt, der zwar keine riesigen Profite,

aber dafür stabile Einnahmen verspricht. Auch die Bank of New York Mellon ist

nach Angaben der "New York Times" von den Staatsanwälten kontaktiert

worden. Bislang stand das eher dröge Verwaltungsgeschäft der Trustees nicht im

Fokus der Ermittler.

Viele Fronten für die Deutsche Bank

Die Frankfurter kämpfen an immer mehr Fronten in den USA:

Staatsanwälte in New York City werfen der Deutschen Bank Betrügereien bei

Kreditbürgschaften vor, Ankläger in Los Angeles bezichtigen sie rüder Methoden

bei Zwangsräumungen. Ein Untersuchungsausschuss des Senats hatte dem Geldhaus

in einem viel beachteten Bericht vorgeworfen, mit seinem Verhalten die

Finanzkrise befeuert zu haben.

Die Deutsche Bank weist die bislang erhobenen Vorwürfe

zurück. "Wir halten die gegen uns in den USA erhobenen Klagen für

unbegründet, gleichwohl nehmen wir sie sehr ernst", hatte Vorstandschef

Josef Ackermann Anfang Mai gesagt. "Die Bank hat ihre Lehren aus der

Finanzkrise gezogen. Ich selbst betone seit Jahren, dass kein Geschäft es wert

ist, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen."

In den USA läuft die juristische Aufarbeitung der

Finanzkrise jetzt erst richtig an. Die Bündelung und der Weiterverkauf von

Eigenheim-Krediten in den Vereinigten Staaten hatten den Grundstein für die

Beinahe-Katastrophe gelegt. Weil viele US-Hausbesitzer ihre Raten ab dem Jahr

2007 nicht mehr zahlen konnten, ging zahlreichen Investoren rund um den Globus

am Ende das Geld aus. Das gesamte Finanzsystem drohte zu kollabieren, was nur

das massive Eingreifen von Staatsseite verhinderte. In jüngerer Zeit sorgten

zudem unrechtmäßige Hauspfändungen für Aufruhr.

Die Finanzmarktregulierer, Staatsanwälte und Politiker hatten sich

bislang vor allem die US-Investmentbank Goldman Sachs vorgeknöpft, um die

Verfehlungen der Finanzbranche aufzuzeigen. Nun scheint es, als sei die

Deutsche Bank an diese Stelle gerückt. Die Deutsche Bank sei zwar nicht das

einzige Kreditinstitut, das gegen das Gesetz verstoße, hatte die

Staatsanwaltschaft von Los Angeles erklärt. "Sie ist aber der schlimmste

und am wenigsten zugängliche Übeltäter."

Quelle: dpa