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Die Deutsche Bank leitete nach Bekanntwerden des Skandals eigene Untersuchungen ein.
Die Deutsche Bank leitete nach Bekanntwerden des Skandals eigene Untersuchungen ein.(Foto: REUTERS)

Verdächtige E-Mails: Deutsche Bank suspendiert Devisenhändler

Der Skandal um manipulierte Wechselkurse erreicht nun auch die Deutsche Bank. Das Geldhaus suspendiert offenbar mehrere Devisenhändler. In dem Fall werden zudem Ermittler bei der Citigroup vorstellig.

Die Deutsche Bank hat im Skandal um mögliche Wechselkursmanipulationen offenbar mehrere Händler suspendiert. Die betroffenen Mitarbeiter hätten alle in Amerika gearbeitet, und mindestens einer davon habe mit argentinischen Pesos gehandelt, sagten Insider.

Seit Herbst gehen Aufsichtsbehörden weltweit dem Verdacht nach, dass Banker bei den viel beachteten Referenzkursen für Währungen getrickst haben könnten. Mehr als ein Dutzend große Banken wurden deshalb um Auskünfte gebeten. Mehrere Häuser haben bereits Mitarbeiter suspendiert oder entlassen. Bei der Deutschen Bank waren in der Affäre vorher noch keine Freistellungen bekannt geworden. Die Deutsche Bank gehört zu den größten Devisenhändlern der Welt. Der Markt ist riesig. Pro Tag werden weltweit Währungen im Wert von mehr als fünf Billionen Dollar umgesetzt.

Ermittler auch bei Citigroup

Der am meisten genutzte Kurs ist das "WM/Reuters"-Fixing, das täglich um 16.00 Uhr Londoner Zeit errechnet wird. Dazu nutzt der Informationskonzern Thomson Reuters die Daten zu Handelsgeschäften und Aufträgen aus dem Reuters-System und von Konkurrenten wie EBS. Dabei werden alle Kurse innerhalb einer "Fixing"-Minute erhoben. Die State-Street-Tochter WM errechnet daraus den Mittelwert als Referenzkurs. Je seltener eine Währung gehandelt wird, desto leichter lässt sich der Preis innerhalb der kurzen Zeitspanne von einzelnen Marktteilnehmern bewegen. Investoren und Unternehmen verwenden die Referenzkurse zur Bewertung ihrer Devisenbestände und Portfolien, sie sind aber auch die Grundlage zur Berechnung vieler Aktien- und Bond-Indizes.

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Auch im Londoner Büro der US-Großbank Citigroup sind Vertreter der Regulierungsbehörden zwecks "Faktenfindung" im Skandal um möglicherweise manipulierte Wechselkurse vorstellig geworden. Vertreter der New York Federal Reserve und des Office of the Comptroller of the Currency hätten sich "ein paar Tage" im Büro der Citigroup aufgehalten, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die Bank kooperiere mit den Ermittlern. Unklar sei, wie lange sich die Ermittler noch bei der Bank aufhalten wollten, und ob sie auch bei anderen Banken vorstellig würden.

Argentinischer Peso als ein Manipulationsziel

Mit den jetzigen Suspendierungen bei der Deutschen Bank wird deutlich, dass sich die Untersuchungen auch auf die Handelsaktivitäten bei Währungen von Schwellenländern erstrecken. Der argentinische Peso ist leichter als andere Währungen zu manipulieren, weil das Handelsvolumen vergleichsweise gering ist und bereits kleine Trades den Kurs verändern können.

Die Deutschen Bank teilte auf Anfrage mit, die Aufsichtsbehörden hätten Informationen angefragt, die im Zusammenhang mit Untersuchungen von Handelsaktivitäten am Devisenmarkt stehen. Man unterstütze die Untersuchungen der Aufsichtsbehörden und werde in begründeten Fällen disziplinarische Maßnahmen gegen Mitarbeiter ergreifen. Zu konkreten Fällen wollte sich die Bank nicht äußern.

Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin gab sich zugeknöpft: Man habe das Thema seit dem Sommer im Blick und untersuche den Sachverhalt zusammen mit ausländischen Aufsichtsbehörden. "Zum Stand der Untersuchungen oder möglichen Maßnahmen gegenüber einzelnen Instituten kann sich die Bafin nicht äußern", sagte ein Sprecher.

Absprachen in Chatrooms

Die Ermittlungen wegen potenzieller Währungsmanipulationen hatten im April in Großbritannien ihren Lauf genommen. Damals hatte die britische Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority damit begonnen, den Markt eingehend zu prüfen. Seither haben Branchenwächter unter anderem in den USA, der Schweiz und Hongkong eigene zivil- oder strafrechtliche Untersuchungen eingeleitet.

Die Banken seien gebeten worden Tausende elektronische Chatnachrichten von Händlern zu prüfen. Im Zuge ihrer internen Prüfungen hätten die Banken umfangreiche Abschriften von Gesprächen in Foren durchforstet, die von Devisenhändlern frequentiert würden, berichten Insider schon früher. Dabei hätten sie sich vor allem auf ein Forum konzentriert, das von Händlern neben anderen Bezeichnungen entweder "Das Kartell" oder "Der Räuberclub" genannt wurde.

Mehrere Banken hätten den Branchenaufsehern von Gesprächen berichtet, die nach Einschätzung der Kreditinstitute beunruhigend seien, sagen mit den Chat-Abschriften Vertraute. In einigen elektronischen Nachrichten schienen Händler auf unangemessene Weise marktsensible Informationen mit Konkurrenten auszutauschen. Händler der Deutschen Bank seien aber nicht in diesen Chatrooms aktiv gewesen.

Quelle: n-tv.de

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