Wirtschaft
Geschäfte gewaltigen Ausmaßes: Tag für Tag bewegen die Händler am Devisenmarkt ein Volumen von rund 3600 Milliarden Euro.
Geschäfte gewaltigen Ausmaßes: Tag für Tag bewegen die Händler am Devisenmarkt ein Volumen von rund 3600 Milliarden Euro.(Foto: REUTERS)

Neuer Ärger im Devisenhandel: Deutsche Bank suspendiert Händlerin

Die Suche nach Hinweisen auf manipulierte Devisengeschäfte bei der Deutschen Bank kommt offenbar in Bewegung. In London stellt das Geldhaus eine hochrangige Handelsexpertin frei. In Hongkong starten Aufseher ein eigenes Ermittlungsverfahren.

Im Zuge von Ermittlungen rund um Manipulationsvorwürfe am Devisenmarkt hat die Deutsche Bank Berichten offenbar weitere personelle Konsequenzen gezogen. Eine Londoner Investmentbankerin sei vorsichtshalber beurlaubt worden, heißt es aus dem Umfeld der Großbank. Es könne sich aber noch herausstellen, dass sie unschuldig sei.

Die Deutsche Bank wollte die Berichte auf Anfrage nicht kommentieren. Das Institut versicherte aber, mit den Behörden bei der Aufklärung der mutmaßlichen Manipulationen zu kooperieren und gegebenenfalls personelle Konsequenzen zu ziehen. Bei der beurlaubten Händlerin soll es sich um Kai Lew handeln, die bisher für Verkäufe von Währungen an Zentralbanken zuständig war.

Die Händlerin habe bereits im März ihren Arbeitsplatz verlassen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Insider. Es gebe keine Hinweise auf ein Fehlverhalten. Eine Sprecherin der Deutschen Bank lehnte eine Stellungnahme ab, Lew war zunächst nicht zu erreichen. Sie ist die erste Frau, die im Zuge der Ermittlungen freigestellt wurde.

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Weltweit untersuchen Behörden seit rund einem Jahr, ob es am Devisenmarkt ähnlich wie beim Referenzzins Libor zu Manipulationen und verbotenen Absprachen von Händlern gekommen ist. Die Deutsche Bank gehört zu den dominierenden Akteuren im Devisengeschäft. Sollten sich die Verdachtsmomente erhärten, drohen den Banken hohe Strafen. Der Skandal könnte sogar noch kostspieliger für die Geldhäuser werden als die Manipulation der Referenzzinssätze.

Hongkong schaltet sich ein

Zuletzt nahm die Finanzaufsicht in Hongkong die Geschäfte einer ganzen Reihe von Geldhäusern genauer unter die Lupe. Die betroffenen Banken müssten nun ihre Geschäfte durchleuchten und der Aufsicht die Ergebnisse mitteilen, erklärte die Behörde. "Die Prüfungen laufen", sagte eine Sprecherin. Die Aufsicht arbeite mit den Behörden in anderen Ländern zusammen. Ähnliche Ermittlungsverfahren laufen in weiteren Ländern mit herausragenden Finanzstandorten.

Erst zu Wochenbeginn hatten die Aufsichtsbehörden in der Schweiz formelle Ermittlungen gegen mehreren Banken eingeleitet, auch in Großbritannien und den USA wird ermittelt. Die Behörden untersuchen, ob Händler von unterschiedlichen Banken illegal zusammengearbeitet haben, um Währungskurse zu beeinflussen, und ob sie ihre Kunden über ihr Vorgehen informiert haben. Weltweit wurden mindestens 30 Händler vom Dienst suspendiert oder gekündigt.

Der Handel mit Währungen gilt mit einem täglichen Volumen von zuletzt rund fünf Billionen Dollar (3,6 Billionen Euro) als größter Finanzmarkt der Welt. Ein großer Teil des Handels findet dabei zwischen Finanzunternehmen über ihre Händler statt. Viele Institute wie die Deutsche Bank haben inzwischen interne Untersuchungen eingeleitet, um nach möglichen Verstößen in den eigenen Reihen zu fahnden.

Fonds und Großanleger klagen

Unabhängig von den offiziellen Ermittlungsverfahren öffnet sich für die betroffenen Geldhäuser eine weitere Front mit erheblichen juristischen Risiken: Eine Gruppe von Investoren und Pensionsfonds hat zwölf große internationale Banken, darunter die Deutsche Bank, in den USA wegen Wechselkursmanipulationen an den Devisenmärkten verklagt.

Die Klage sei zu Wochenbeginn bei einem Bezirksgericht in Manhattan-Süd eingereicht worden, berichtete das "Wall Street Journal". Die Kläger stammen demnach aus den USA und von den Karibischen Inseln; sie werfen den Banken laut "WSJ" vor, sich mittels Kurznachrichtendiensten, SMS und E-Mail über Kurse abgesprochen zu haben.

Alle Kläger haben laut Bericht bereits einzeln Klage gegen die Banken eingereicht - die gemeinsame Klage soll ihren Vorwürfen mehr Gewicht verleihen. Neben der Deutschen Bank sind in der Klage die US-Banken Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley und Bank of America aufgeführt, aus Großbritannien Barclays, die HSBC und die Royal Bank of Scotland, aus Frankreich die BNP Paribas und aus der Schweiz die UBS und die Credit Suisse.

Seit Herbst gehen Aufsichtsbehörden weltweit dem Verdacht von Wechselkursmanipulationen an den internationalen Devisenmärkten nach. Mehrere Großbanken haben bestätigt, dass sie von den Ermittlungen betroffen sind, darunter Citigroup und JPMorgan Chase sowie Barclays und UBS. Auch die Deutsche Bank arbeitet nach eigenen Angaben in dem Fall mit den Behörden zusammen.

Quelle: n-tv.de

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