Wirtschaft
Mit "Mummy-Track" bezeichnen Kritiker die Karrierenachteile, die viele Frauen erleiden, wenn sie aus familiären Gründen nur noch Teilzeit arbeiten.
Mit "Mummy-Track" bezeichnen Kritiker die Karrierenachteile, die viele Frauen erleiden, wenn sie aus familiären Gründen nur noch Teilzeit arbeiten.(Foto: picture alliance / dpa)

Teilzeit führt aufs tote Gleis: In vielen Firmen lauert ein "Mummy-Track"

Um Bekenntnisse zu familienfreundlichen Regelungen kommt kaum ein Unternehmen herum. Doch einer Studie zufolge sind es leere Versprechungen. Frauen in Teilzeit landen auf dem toten Karrieregleis, Männer geben sich vor Vorgesetzten keine Blöße.

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Familienfreundlichkeit ist bei deutschen Unternehmen einer aktuellen Studie zufolge nur Fassade. Fast drei Viertel aller deutschen Arbeitnehmer hätten nicht das Gefühl, dass ihr Unternehmen viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tut, heißt es in der "Bild am Sonntag", die aus der Studie zitiert. Lediglich 13 Prozent der Befragten vertraten demnach die Auffassung, dass ihre Firma dafür alle wesentlichen Leistungen anbietet. Jeder dritte Befragte befürchtete Karrierenachteile, wenn er familienfreundliche Leistungen in seinem Unternehmen in Anspruch nimmt.

"Teilzeit ist ein absoluter Karrierekiller", sagt der Zentraleuropa-Chef der Unternehmensberatung A. T. Kearney, Martin Sonnenschein. Das Beratungsunternehmen hat die Studie gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung sowie dem Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) durchgeführt. Im September und Oktober 2013 wurden hierfür 1771 Arbeitnehmer repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildung befragt.

Zwar gehen der Studie zufolge 62 Prozent der Mütter und sieben Prozent der Väter in Teilzeitarbeit. Doch 80 Prozent der Befragten sagten, ihr Arbeitgeber lege sehr großen Wert auf die ständige Präsenz der Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Die Forschungsdirektorin für Geschlechterstudien beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Elke Holst, sagt dazu: "Vor allem an Frauen gerichtete Angebote wie beispielsweise Teilzeitmodelle oder die Unterstützung von Erwerbsunterbrechungen werden oft zum sogenannten 'Mummy-Track'- einem toten Karrieregleis für Mütter."

Männer vermeiden Teilzeit - aus mangelndem Vertrauen

"Ein familienfreundliches Image scheint Unternehmen häufig wichtiger als gelebte Realität", kritisiert Martin Sonnenschein von A. T. Kearney. Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger, verweist auf die gute Ausbildung der meisten Frauen. "Können sie ihre Qualifikation ins Unternehmen einbringen, führt das zu Produktivitätsgewinnen." Unternehmen sollten die Arbeit flexibler organisieren, Führung auch in etwas niedrigerer Vollzeit ermöglichen und sich insgesamt sehr viel stärker an die Tagesabläufe von Familien anpassen, empfahl Allmendinger.

70 Prozent der Arbeitnehmer betrachten ihre Führungskräfte in puncto Vereinbarkeit nicht als Vorbild. 92 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Familienfreundlichkeit im Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten nicht verbessert habe. 33 Prozent der männlichen Befragten fehlt das Vertrauen zu ihrem direkten Vorgesetzten, wenn es um das Thema Vereinbarkeit von Kindern und Karriere geht.

Quelle: n-tv.de

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