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Ernst von Freyberg: Der neue Vatikanbank-Chef sei kein persönlicher Freund des Papstes, betont ein Vatikansprecher.
Ernst von Freyberg: Der neue Vatikanbank-Chef sei kein persönlicher Freund des Papstes, betont ein Vatikansprecher.(Foto: picture alliance / dpa)

Katholischer Investmentbanker: Deutscher führt Vatikanbank

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Die Vatikanbank wird künftig von dem deutschen Investmentbanker Ernst von Freyberg geleitet. Papst Benedikt XVI. genehmigte die Berufung auf Vorschlag einer Kommission von Kardinälen - einer der letzten wichtigen Entscheidungen des Deutschen, der am 28. Februar sein Amt abgibt. Der Posten des Vatikanbank-Chefs war seit Mai vakant. Damals hatte Ettore Gotti Tedeschi wegen verdächtiger Millionen-Transfers den Hut nehmen müssen. Wegen Geldwäscheverdachts froren italienische Ermittler zwischenzeitlich Gelder des Instituts ein, die sich auf Konten italienischer Banken befanden.

Der gelernte Jurist von Freyberg war Ende 2012 als Geschäftsführer der Investment-Boutique DC Advisory zurückgetreten. Damals hieß es, der 54-Jährige wolle sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen. DC Advisory berät vor allem Mittelständler und Finanzinvestoren bei Übernahmen und Fusionen. Ernst von Freyberg hatte das Unternehmen als Freyberg Hambros mitgegründet und später an die britische Close Brothers verkauft, ehe es an die japanische Brokerfirma Daiwa Securities ging.

Kein persönlicher Freund des Papstes

Der Vatikan teilte mit, von Freyberg werde drei Tage in der Woche für das Istituto per le Opere di Religione (IOR) - auf Deutsch "Institut für die religiösen Werke" - arbeiten, wie die Vatikanbank offiziell heißt. Derzeit ist er Aufsichtsratschef beim Hamburger Schiffsbauer Blohm + Voss und sitzt in den Aufsichtsgremien des Vermögensverwalters Flossbach von Storch und der Zeitarbeitsfirma Manpower. Von Freyberg ist Ritter des katholischen wohltätigen Malteserordens. In einem Porträt schrieb das "Handelsblatt" 2010 über ihn: "Der gläubige Christ mag den fröhlichen Katholizismus." Der neue Vatikanbank-Chef sei kein persönlicher Freund des Papstes, betonte ein Vatikansprecher.

Der mildtätigen Bezeichnung für die Vatikanbank zum Trotz kämpft das Institut nach mehreren Skandalen gegen einen Ruf des Kirchenstaates als dubioses Finanzzentrum an. So wurde eine interne Aufsicht eingeführt, die überprüfen soll, inwieweit die Vatikanbank internationalen Finanzvorgaben genügt. Allerdings kamen Fachleute des Europarats 2012 zu dem Ergebnis, dass der Heilige Stuhl den Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Steuerflucht noch längst nicht gerecht wird. Weitere Schritte seien erforderlich.

Vor dreißig Jahren war die Vatikanbank in den Skandal um den Zusammenbruch des Geldhauses Banco Ambrosiano verwickelt, an dem sie einen geringen Anteil hielt. Die Bank wies Beschuldigungen zurück, für die Pleite verantwortlich zu sein. Spektakulär wurde der Fall durch den Tod von Ambrosiano-Leiter Roberto Calvi, der erhängt unter einer Brücke in London aufgefunden wurde. Mehrere Untersuchungen konnten nicht eindeutig feststellen, ob der Manager sich selbst das Leben nahm oder ermordet wurde.

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Quelle: n-tv.de

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