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Die Landeswährung Peso könnte durch eine Zahlungsunfähigkeit Argentiniens unter Druck geraten.
Die Landeswährung Peso könnte durch eine Zahlungsunfähigkeit Argentiniens unter Druck geraten.(Foto: picture alliance / dpa)

Trotz drohender Staatspleite: Deutschland fordert Geld von Argentinien

Nach den gescheiterten Verhandlungen mit zwei Hedgefonds steht Argentinien kurz vor der Pleite. Eine Ratingagentur warnt bereits vor einem "teilweisen Zahlungsausfall". Deutschland geht jedoch davon aus, dass seine Forderungen erfüllt werden.

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Die Verhandlungen zwischen Argentinien und einer Gruppe unnachgiebiger Anleihegläubiger sind gescheitert. Damit steht das Land unmittelbar vor der zweiten Staatspleite in 13 Jahren.

Deutschland erwartet trotz des drohenden Staatsbankrotts die vollständige Rückzahlung seiner schon älteren Forderungen durch das südamerikanische Land. "Wir gehen davon aus, dass Argentinien seine Zusagen gegenüber dem Pariser Club weiter einhält", erklärte das deutsche Wirtschaftsministerium auf Anfrage.

Argentinien hatte der Gruppe staatlicher Gläubiger im Mai zugesagt, Rückstände von mehr als sieben Milliarden Euro aus dem letzten Staatsbankrott des Jahres 2001 vollständig zurückzuzahlen. Deutschland hat einen Anteil von rund 2,6 Milliarden Euro daran und ist damit der größte Einzelgläubiger. Nach deutschen Angaben ist inzwischen eine Teilzahlung von umgerechnet 650 Millionen Dollar (485,8 Millionen Euro) an die Gläubigerstaaten überwiesen worden. Deutschland habe davon 175 Millionen Euro erhalten, hieß es beim Wirtschaftsministerium.

"Hedgefonds haben unser Angebot ausgeschlagen"

Argentinien hatte sich mit US-Hedgefonds nicht über die Zahlung von Schulden von 1,33 Milliarden Dollar einigen können, die die Fonds vor US-Gerichten eingeklagt und Recht bekommen hatten. Vertreter der argentinischen Regierung und der Gläubigerseite hatten stundenlang in New York versucht, einen Schuldendeal auszuhandeln. Als Verhandlungsführer Argentiniens trat Wirtschaftsminister Axel Kicilloff auf. Das Lager der Investoren steht unter der Leitung des US-Hedgefonds NML Capital, der zu Elliott Management Corp gehört.

"Leider wurde keine Einigung erzielt und die Republik Argentinien wird nun unmittelbar zahlungsunfähig sein", sagte der gerichtlich bestellte Mediator, Daniel Pollack. Die Hedgefonds seien nicht bereit gewesen, auf die Angebote der argentinischen Regierung einzugehen, die eine Regelung nach dem Muster der 2005 und 2010 getroffenen Schuldenschnitt-Vereinbarungen vorschlug, nannte Wirtschaftsminister Kicillof die Hintergründe der gescheiterten Verhandlung.

Erste Ratingagentur hat bereits reagiert

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Zuvor hatte bereits die US-Ratingagentur Standard & Poor's einen "teilweisen Zahlungsausfall" Argentiniens erklärt und die Kreditwürdigkeit des Landes entsprechend abgestuft. Allerdings war die Bonitätsnote mit "CCC-" bereits auf unterem Ramschniveau. Der "teilweise Zahlungsausfall" bedeutet, dass ein Schuldner eine Anleihe, Kreditrate oder andere Verbindlichkeiten nicht fristgerecht zurückzahlt, aber andere Verpflichtungen weiter erfüllt.

Es wurde erwartet, dass auch die Agenturen Fitch und Moody's dem Schritt folgen und das südamerikanische Land auf Default setzen. Allerdings handelt es sich dabei eher um eine technische Einstufung, die aber den Zugang Argentiniens zu den Kapitalmärkten erschweren dürfte. Die Auswirkungen auf das öffentliche Leben in dem Land werden als begrenzt eingeschätzt.

Wirtschaftsminister Kicillof betonte, im Falle Argentiniens könne nicht von Zahlungsausfall gesprochen werden, da das Land seinen Schuldenverpflichtungen nachkomme. "Das ist kein Default. Default ist, wenn einer nicht bezahlt. Und Argentinien hat gezahlt", betonte Kicillof.

"Pleite wird der argentinischen Wirtschaft schaden"

Ob die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas im Schuldenstreit ohne Blessuren davonkommen wird, bleibt offen. Das Land hat mit geschätzten 30 Prozent eine der höchsten Inflationsraten der Welt und könnte noch tiefer in die Rezession rutschen, womit auch der Lebensstandard der Argentinier weiter sinken dürfte. Durch den Makel der Zahlungsunfähigkeit dürften zudem Investoren abgeschreckt und die Landeswährung Peso ins Trudeln geraten.

Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank ist sich sicher: "Die Pleite wird der argentinischen Wirtschaft schaden." Er rechnet jedoch nicht damit, dass die Zahlungsunfähigkeit starke Auswirkungen an den internationalen Finanzmärkten haben wird. "Die Folgen dürften begrenzt sein."

Die Argentinier, die auf die Pleite Anfang des Jahrhunderts mit Unruhen und einem Ansturm auf die Banken reagiert hatten, hoffen dennoch auf ein glimpfliches Ende: "Wir waren schon einmal in der Klemme und werden es wieder durchstehen", sagte ein 27-jähriger Angestellter einer Automobilfirma trotzig. Auch der Staat ist nicht so klamm wie damals, da er Devisenreserven in Höhe von 29 Milliarden Dollar angehäuft hat. Die Regierung kann sich allein damit noch rund fünf Monate über Wasser halten.

Quelle: n-tv.de

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