Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Tarifkonflikt eskaliert: Die Bahn streikt von Montag bis Sonntag

Bahnreisende müssen in der kommenden Woche gute Nerven haben: Die Lokführer kündigen den bislang längsten Streik im Tarifkonflikt an. Sechs Tage lang soll das Streikbanner wehen. Die Deutsche Bahn ist schon im Vorfeld genervt.

Bahnreisende müssen sich auf harte Tage einrichten: Die Lokführer wollen fast eine ganze Woche lang streiken. Der Streik soll im Personenverkehr knapp sechs Tage dauern und am Dienstag um 2.00 Uhr morgens beginnen, teilte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit. Im Güterverkehr geht es bereits am Montag um 15.00 Uhr los. Beendet werden soll der Ausstand am Sonntag um 9.00 Uhr. Es wäre der bislang längste Streik in der seit Monaten laufenden Auseinandersetzung.

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Die Deutsche Bahn bezeichnete den geplanten Streik als "maßlos und unangemessen". Er werde zu schweren Beeinträchtigungen im Zugverkehr führen. "Damit schadet die GDL nicht nur massiv den Bahnkunden, der DB und ihren Mitarbeitern, sondern auch der deutschen Wirtschaft und der Sozialpartnerschaft", erklärte die DB.

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte den Streik. "Ich habe Verständnis dafür, dass viele Bürger über das Ausmaß des Streiks verärgert sind", sagte Dobrindt der "Bild"-Zeitung . "Die Grenze der Akzeptanz dieser Tarifauseinandersetzung in der Bevölkerung ist zunehmend erreicht. Das sollten auch die Verhandlungsführer erkennen." "Erneut zwingt die Deutsche Bahn die eigenen Lokomotivführer, Lokrangierführer und Zugbegleiter zum Arbeitskampf", erklärte die GDL.

GDL: Knackpunkt Rangierlokführer

Die Gewerkschaft hatte am Donnerstag das neue Tarifangebot des Unternehmens zurückgewiesen und einen weiteren, langen Arbeitskampf angekündigt. Die Bahn hatte angeboten, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu komme eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni. Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Den Knackpunkt in den Tarifverhandlungen sieht die GDL bei der Einstufung der Rangierlokführer im Tarifgefüge der Bahn. Die Bahn kritisierte, dass über ein vergangene Woche vorgelegtes Angebot noch gar nicht verhandelt worden sei und die GDL nicht auf die Forderung nach einer Schlichtung eingegangen sei.

Der Konflikt ist so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Konzern ringt. Beide wollen zum Teil für dieselben Berufsgruppen verhandeln. Die Bahn will in getrennten Verhandlungen vergleichbare Ergebnisse erzielen.

Bahn setzt weiter auf Schlichter

Die GDL warf der Bahn vor, "der Tarifabschluss solle bis zum Inkrafttreten des Tarifeinheitsgesetzes verschleppt werden". Die große Koalition will bis zum Frühsommer ein Gesetz verabschieden, das den größeren Gewerkschaften in einem Betrieb Vorrang gibt. Kleine, aber mächtige Arbeitnehmervertretungen wie die GDL oder die Pilotenvereinigung Cockpit würden an Einfluss verlieren.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte erneut eine Schlichtung ins Spiel gebracht. "Wir fordern die GDL zu einer Schlichtung auf, weil wir rasch Ergebnisse wollen", erklärte er in Berlin. Darüber hatte zuvor auch die "Bild am Sonntag" berichtet. "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir eine neutrale Instanz hinzuziehen müssen."

Die Gewerkschaft hat in dem Tarifkonflikt bereits sieben Mal den Güter- oder Personenverkehr bestreikt. Zuletzt hatten die Lokführer von 21. bis 23. April gestreikt. Eine Schlichtung hatte die Gewerkschaft bislang abgelehnt.

Quelle: n-tv.de

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