Wirtschaft
Wann werden die Zinsen in den USA angehoben? Auf eine Aussage Yellens zu diesem Thema warten weltweit die Marktteilnehmer. Ob sie es selbst schon weiß?
Wann werden die Zinsen in den USA angehoben? Auf eine Aussage Yellens zu diesem Thema warten weltweit die Marktteilnehmer. Ob sie es selbst schon weiß?(Foto: REUTERS)

Das Ende ist nah: Die Fed-Banker und die falschen Signale

China schwächelt, Europa kränkelt und auch die US-Ökonomie bereitet Sorgen. Dennoch scheint die Zeit des ultrabilligen Geldes zu Ende zu gehen. Nur eine Frage ist offen - aber die ist entscheidend.

Selten war die Spannung vor einer Sitzung der US-Notenbank so groß wie derzeit. Immer brennender wird die Frage, wann die Fed Ernst macht und die goldenen Zeiten der faktischen Null-Zinsen beendet. Am Dienstag setzen sich die Zentralbanker wieder in der Constitution Avenue unweit des Weißen Hauses zusammen. Wann werden die Zinsen erhöht werden? Nächstes Jahr, Mitte nächsten Jahres, oder möglicherweise doch erst 2016? Die Analysten sind ratlos - der Zustand der Weltwirtschaft ist alles andere als günstig. Fed-Chefin Janet Yellen weiß das. 

Die Märkte sind nervös, erst neulich kam es aus eher nichtigem Anlass zu erheblichen Turbulenzen. Zudem: Die Eurozone droht wieder zum kranken Mann zu werden, China muss sich von seinen Traum-Wachstumsraten verabschieden - und zu allem Übel steigt auch noch der Dollar im Wert deutlich, was die Aussichten der US-Exporteure empfindlich eintrübt. 

Das Ende ist nah

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Dennoch: Die Experten an der Wall Street sind sich ziemlich einig, dass der Offenmarktausschuss nach seiner Sitzung am Mittwoch das Ende der Anleihekäufe zur Stützung der Konjunktur bekanntgeben wird. Schon seit Monaten wird das Programm, das über Jahre Riesensummen in die Wirtschaft pumpte, Stück für Stück abgebaut, im September wurde es auf magere 15 Milliarden Dollar reduziert. "Wie im September angedeutet, wird die Fed ihr Programm der Anleihekäufe zum Monatsende beschließen", meint Marktanalyst Joseph Lavorgna. Fast alle Kollegen stimmen ihm zu.

Die Kreuzfrage, die sich Investoren und Trader von Frankfurt bis New York stellen, ist eine andere: Wird die Fed in ihrer Erklärung einen Hinweis geben, wie lange die ultra-niedrigen Zinsen andauern? Auf jedes Wort und jedes Komma werden die Analysten achten. 

Noch bei der letzten Sitzung im September hatten die Banker an ihrer Formulierung festgehalten, dass die Zinsen noch "beträchtliche Zeit" zwischen 0 und 0,25 Prozent bleiben werden. Lavorgna und eine ganze Reihe seiner Kollegen setzen darauf, dass die Fed an diesen Worten festhält - und die meisten gehen stillschweigend davon aus, dass "beträchtliche Zeit" in etwa bis zum nächsten Sommer heißt.

Nur ein taktischer Rückzug?

Doch die Experten des "Wall Street Journal" warteten nun mit einer Überraschung auf. Zwar erwarten auch sie das Ende der Anlagekäufe, doch zugleich meinte das Blatt vielsagend, dabei handele es sich möglicherweise lediglich um einen "taktischen Rückzug der Zentralbank, und der Anstieg in Zinsraten nächstes Jahr wird sich nicht einstellen".

Tatsächlich gibt es triftige Gründe, mit dem Anziehen der Zinsschraube sehr, sehr behutsam umzugehen. Am meisten Sorgen macht derzeit die Eurozone, der Internationale Währungsfonds (IWF) fürchtet ein erneutes Abrutschen in eine Rezession, gar Deflation - ein Alptraum. 

Und auch die US-internen Daten sind nicht gerade so, als müsse man das Geld verteuern. Erst kürzlich hat die Fed die Wachstumsprognosen für nächstes Jahr deutlich unter drei Prozent gesenkt. Trotz Besserung leide der Jobmarkt nach wie vor an «bedeutender Unterauslastung» - und mit 1,7 Prozent Inflation könne man auch kaum von Überhitzung reden.

Was werden Yellen und ihre Kollegen also tun? Vermutlich das, was sie seit Monaten tun. Alles offen halten, nur keine falschen Signale geben, Abwarten ist das Gebot der Stunde. Meint Analyst Lavorgna: "Das Kommuniqué nach der Sitzung wird wohl wenig substanzielle Änderungen der Entscheidungsträger über die Einschätzung der Wirtschaftslage zeigen."

Quelle: n-tv.de

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