Wirtschaft
Digitaltechnik kann Landwirten bei einer effizienten Düngung helfen.
Digitaltechnik kann Landwirten bei einer effizienten Düngung helfen.(Foto: picture alliance / Philipp Schul)
Montag, 17. Juli 2017

Bauern vor Hightech-Wende: Digitale Düngung hilft dem Grundwasser

An der mäßigen Wasserqualität deutscher Gewässer ist auch die Landwirtschaft schuld. Neue Vorschriften sollen das ändern - und dürften Bauer zu Hightech greifen lassen. Sensoren und Satelliten sollen in Zukunft beim Düngen behilflich sein.

Verschärfte Umweltvorschriften für die Düngung werden nach Einschätzung von Experten den Trend zur Hightech-Landwirtschaft auf Deutschlands Bauernhöfen beschleunigen - mit positiven Folgen für das Grundwasser.

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Sowohl der Bauernverband als auch Europas größter Agrarhandelskonzern Baywa gehen davon aus, dass die Landwirte wegen höherer Anforderungen an den Gewässerschutz verstärkt in Digitaltechnik zur effizienten Düngung investieren werden, insbesondere in Sensoren, die den Stickstoffgehalt der Pflanzen und damit deren Düngebedarf berechnen können.

Seit dem 1. Juni gilt die neue Düngeverordnung des Bundes - Düngemittel müssen nun gezielt nach dem Nährstoffbedarf der Pflanzen angewendet werden. "Von rund 275.000 Landwirten in Deutschland sind nach unserer Einschätzung mindestens 200.000 von der Düngeverordnung betroffen", sagte Klaus Josef Lutz, Baywa-Vorstandschef in München. Das Unternehmen erwartet deshalb eine "deutliche Belebung" der Nachfrage nach Digital-Farming-Lösungen für die Düngung.

Ähnlich fällt die Einschätzung beim Bayerischen Bauernverband aus: "Wir gehen davon aus, dass die neue Düngeverordnung dazu beitragen wird, dass sich diese Technologie weiter verbreitet", sagte Experte Markus Peters.

Technik zu teuer für kleinere Betriebe

N-Sensoren sind optische Sensoren, die am Traktor befestigt werden und genau messen können, ob Pflanzen überhaupt noch zusätzlichen Dünger benötigen, um zu gedeihen. Auf vielen Feldern und Wiesen ist der Nährstoffbedarf nicht überall gleich hoch. Der in der Branche bekannte westfälische Sensorenhersteller Yara beziffert die Einsparmöglichkeit an Stickstoff auf bis zu 14 Prozent.

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Ein Hindernis ist allerdings gerade für die kleineren süddeutschen Bauernhöfe der Preis. Ein Yara-Sensor schlägt mit gut 26.000 Euro zu Buche, für Betriebe mit weniger als 100 Hektar lohnt sich das nach verbreiteter Einschätzung in der Agrarbranche kaum.

Die Bauern verstreuen heute bereits deutlich weniger Stickstoff als noch zur Zeit der Wiedervereinigung - nach Daten des Industrieverbands Agrar sank der Verbrauch an Stickstoffdünger von der Saison 1989/90 bis 2014/15 bereits um knapp 300.000 Tonnen. Dennoch verfehlt Deutschland die europäischen Ziele für die Wasserqualität - und zwar sehr deutlich.

Denn eigentlich hätten die EU-Mitgliedstaaten laut EU-Wasserrahmenrichtlinie schon 2015 einen ökologisch "guten Zustand" ihrer natürlichen Gewässer erreichen sollen. In Deutschland waren laut Umweltbundesamt aber nur sieben Prozent der Gewässer als gut oder sehr gut eingestuft. Eine Ursache dafür: die Landwirtschaft.

Äcker aus dem Weltraum beobachten

Die neue Düngeverordnung soll helfen, die EU-Anforderungen zu erfüllen. "Mit den neuen Regelungen zur Düngung wird sichergestellt, dass der Dünger bei den Pflanzen ankommt, aber nicht im Grundwasser", sagte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin. "Damit wird ein wesentlicher Beitrag geleistet, die Belastungen zu senken."

Die technische Entwicklung macht allerdings bei den Stickstoffsensoren längst nicht halt. Die Bauern können - sofern sie dies wollen und über das nötige Kleingeld verfügen - ihre Äcker auch aus dem Weltraum beobachten lassen. "Unsere digitalen Lösungen reichen von der einfachen Düngebedarfsberechnung bis zur satellitengestützten Analyse von Ackerflächen", sagte Baywa-Vorstandschef Lutz. Und so hat das Unternehmen im Mai 2017 eine Kooperation mit der europäischen Weltraumorganisation Esa vereinbart.

Quelle: n-tv.de

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