Wirtschaft

Wer zahlt die Kosten?: Diskussion um Fracht-Sicherheit

Vereitelte Bombenanschläge haben ein Sicherheitsleck offenbart: Die Luftfracht. Die nun geforderte höhere Sicherheit in diesem Bereich hat jedoch ihren Preis – und längst nicht alle sind bereit, ihn zu zahlen. Verkehrs- und Sicherheitsexperten wappnen sich für heftige Diskussionen.

Nach zufällig vereitelten Bombenanschlägen wurde an Drehkreuzen wie in Leipzig die Fracht verstärkt kontrolliert. Aber wie soll das in Zukunft funktionieren?
Nach zufällig vereitelten Bombenanschlägen wurde an Drehkreuzen wie in Leipzig die Fracht verstärkt kontrolliert. Aber wie soll das in Zukunft funktionieren?(Foto: dpa)

Die nach dem Fund der Paketbomben geforderte höhere Sicherheit von Luftfracht könnte zu steigenden Kosten im Welthandel führen. Verkehrs- und Sicherheitsexperten erwarten heftige Diskussionen darüber, welche Sicherheitstechnik notwendig ist und wer dafür bezahlen sollte. So dürfte der Ruf nach hochentwickelten Techniken zum Aufspüren von Sprengstoff lauter werden. Diese sind noch kein Standard, und Frachtfirmen lehnen es ab, die vollen Kosten dafür zu tragen.

"Die Technik, die für das Durchleuchten von Fracht benutzt wird - in der Regel Röntgen-Strahlen - kann keinen Sprengstoff aufspüren, aber die meisten Dinge finden", sagt der frühere Sicherheitschef beim britischen Flughafenbetreiber BAA, Norman Shanks. Um verborgenen Sprengstoff zu entdecken, müsste Computertomographie zur Anwendung kommen, sagte Shanks, der inzwischen als Luftfahrt-Sicherheitsberater arbeitet.

Mit Tomographie, wie sie etwa in der medizinischen Diagnostik angewandt wird, kann durch Schichtaufnahmeverfahren die innere räumliche Struktur von Dingen sichtbar gemacht werden. Welches Potenzial ihr Sicherheitsfirmen zuschreiben, zeigte sich vor einem Jahr, als der französische Safran-Konzern 580 Mio. Dollar für 81 Prozent an GE Homeland Protection zahlte, die die Technik anbieten.

Spediteure gegen 100 Prozent Scanning

Sowohl die britische als auch die Bundesregierung kündigten nach Entdeckung der Bombe, die via Köln/Bonn nach Großbritannien gelangt war, schärfere Kontrollen der Luftfracht an. Konkretes blieben sie bislang schuldig. Der europäische Speditionsverband Clecat warnte vor einer reflexhaften Reaktion: "Obwohl dies ein klares Beispiel dafür ist, dass sich zielgerichtete Ermittlungen auszahlen, werden manche sagen, dass wir 100 Prozent Scanning brauchen." Dies sei zwar nicht einen Deut besser für die Risikoanalyse, betonte Clecat-Generaldirektor Marco Sorgetti. "Aber vom Gefühl her werden die Leute sagen: Wir müssen das tun."

Frachtfirmen stritten im vorigen Jahr mit Behörden aus den USA und Europa darüber, ob alle Schiffscontainer durchleuchtet werden müssen. Pläne, das komplette Scanning ab 2012 einzuführen, wurden verschoben. Die Branche hält die Arbeit von Nachrichtendiensten für effektiver als das blanke Vertrauen in Technik. Die entscheidenden Hinweise zur Entdeckung der Paketbomben kamen von Geheimdiensten.

Sicherheitsexperte Shanks hält weltweit vollständiges Durchleuchten für unbezahlbar. "Man wird es sicher aber wohl leisten müssen bei Frachtpaketen, die aus Ländern kommen, die in der Vergangenheit für Probleme gesorgt haben." Für diese Kosten müssten dann die einzelnen Staaten aufkommen oder es müsste auf die Lieferung draufgeschlagen werden. Fachleuten zufolge macht die Logistik bis zu 15 Prozent des Warenwertes aus. Der europäische Verband ELA betonte, die Logistik-Kosten hätten sich in den vergangenen fünf oder sechs Jahren wegen Produktionsverlagerungen erhöht. Ein stärkerer Fokus auf Sicherheit könnte zu einem weiteren Anstieg führen, hieß es.

Der niederländische Logistikkonzern TNT hält es für zu früh, um die Extrakosten für zusätzliche Sicherheits-Checks in der Luftfracht zu beziffern. Unmittelbar rechne er aber nicht mit großen Belastungen für sein Unternehmen, sagte TNT-Finanzchef Bernard Bot in einem Interview mit Reuters Insider TV. "In nächster Zukunft erwarte ich nicht viel, aber wir müssen abwarten, welche Sicherheitsmaßnahmen langfristig ergriffen werden." Ebenso könne er noch nicht sagen, ob es teurer für TNT werde, seine Frachtflugzeuge zu versichern.

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Quelle: n-tv.de

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