Wirtschaft
Draghi will "alle notwendigen Mittel ergreifen".
Draghi will "alle notwendigen Mittel ergreifen".(Foto: picture alliance / dpa)

"Weitere Anreize" werden geprüft: Draghi will Inflation um jeden Preis

Mit negativen Einlagezinsen und einem milliardenschweren Anleihekaufprogramm versucht die EZB bereits, die niedrige Inflation im Euroraum anzuschieben. Doch damit sei die Zentralbank noch nicht am Ende ihrer Mittel, sagt ihr Chef.

Im Kampf gegen die niedrige Inflation ist EZB-Chef Mario Draghi zu allen Mitteln bereit. "Wenn wir überzeugt sind, dass unser mittelfristiges Inflationsziel in Gefahr ist, werden wir alle notwendigen Maßnahmen ergreifen", sagte Draghi der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore". "Wir werden prüfen, ob weitere Anreize nötig sind", fügte er hinzu. Die Frage sei aber noch offen. Die Inflation in der Euro-Zone werde wahrscheinlich mindestes bis Anfang nächsten Jahres nahe Null, wenn nicht sogar negativ bleiben.

Trotz der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ziehen derzeit die Preise in der 19-Länder-Gemeinschaft nicht an. Im Oktober verharrten sie auf Vorjahresniveau - im September waren sie sogar um 0,1 Prozent gesunken. Die EZB strebt aber mittelfristig eine Inflation von knapp zwei Prozent an, die sie als optimalen Wert für die Wirtschaftsentwicklung erachtet.

Die Notenbank will auf jeden Fall verhindern, dass die Preise auf breiter Front fallen. In einer solchen deflationären Abwärtsspirale lauern Verbraucher auf immer niedrigere Preise, zögern Firmen Investitionen heraus und Löhne sinken.

Draghi hatte bereits signalisiert, das die EZB bei ihrer Ratssitzung im Dezember bereit ist, die Geldschleusen falls nötig weiter zu öffnen. Dann stehen den Währungshütern neue Prognosen zur Inflations- und Konjunkturentwicklung ihrer eigenen Stäbe zur Verfügung. Ab Mitte 2016 und dann im Jahr 2017 sei wieder mit einem allmählichen Anstieg der Inflation zu rechnen, sagte Draghi der Zeitung. Das sei auch einer verzögerten Wirkung des Eurokurs-Rückgangs zu verdanken. Der Notenbank stehe eine große Bandbreite an geldpolitischen Instrumenten zur Verfügung.

Auf die Frage, ob eine Senkung des Einlagezinses zusammen mit Veränderungen am großen Anleihen-Kaufprogramm eingeleitet werden könnte, sagte Draghi, für eine Einschätzung dazu, sei es zu früh. Der Strafzins für Banken, wenn sie über Nacht bei der EZB Geld parken, liegt derzeit bei minus 0,2 Prozent. Damit will die EZB die Banken zu einer stärkeren Kreditvergabe anregen. Zuletzt waren Volkswirte davon ausgegangen, dass der Einlagenzins auf minus 0,3 Prozent verschärft werden könnte.

Quelle: n-tv.de

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