Dienstag, 15. Juni 2010
Verkauf bis 2014: EU-Klartext im Fall HSH
Die derzeitigen Eigentümer müssen sich spätestens in vier Jahren von der HSH Nordbank getrennt haben. Die EU hatte im Gegenzug für eine Genehmigung der Staatshilfen auf einen raschen Ausstieg der Eigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein gedrängt.Die EU-Kommission will den Eigentümern der HSH Nordbank Finanzkreisen zufolge bis 2014 Zeit für einen Verkauf des Instituts geben. "Eine grundsätzliche Einigung wurde erzielt", verlautete aus dem Umfeld der Bank. Derzeit würden noch Details verhandelt. Grundsätzliche Überlegungen dazu, wie der Verkauf vonstattengehen solle, könnten bereits nach der Sommerpause beginnen. Die HSH, ihre Eigentümer sowie die EU wollten das nicht kommentieren.
Die EU hatte im Gegenzug für eine Genehmigung der Staatshilfen auf einen raschen Ausstieg der Eigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein gedrängt. Diese wollen einen Verkauf möglichst lange hinausschieben - in der Hoffnung, dann mehr für ihren Anteil an der sanierten HSH zu bekommen. Eine endgültige Einigung der EU über den Sanierungsplan hatte die HSH zuletzt im Sommer erwartet. Den Kreisen zufolge soll sie möglichst noch vor der Sommerpause in Brüssel erfolgen. Die Verhandlungen mit der EU dürften auch Thema einer für Donnerstag geplanten Aufsichtsratsitzung bei der HSH sein.
Die EU hat bei der Umgestaltung des deutschen Landesbankensektors ein gewichtiges Wort mitzureden. Neben der HSH waren mehrere Institute - darunter die WestLB, die LBBW und die BayernLB - in Schieflage geraten und mussten von ihren Eigentümern gestützt werden. Hamburg und Schleswig-Holstein pumpten drei Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung in die HSH und stellten Garantien über zehn Milliarden Euro zur Verfügung.
Gesundschrumpfen ist angesagt
Die HSH muss im Zuge der von der EU verordneten Schrumpfkur ihre Bilanzsumme deutlich reduzieren und sich von ihrem Auslandsgeschäft trennen. Auf der Verkaufsliste befinden sich Kreisen zufolge etwa der Anteil am Fondsdienstleister Dekabank, der Immobilienarm HSH Real Estate und der Anteil an der Deutschen Anlagen-Leasing.
Insgesamt stünden mehrere Dutzend Beteiligungen zum Verkauf, sagte ein Insider. Offene Punkte gebe es hier vor allem was den Zeitpunkt der Verkäufe betrifft, aber nicht den Verkauf an sich. Zudem sei die Höhe der Garantievergütung noch nicht geklärt. Die HSH muss für die staatlichen Hilfen hohe Gebühren bezahlen. "Das ist ein weiteres Minenfeld. Aber der Weg ist zu 90 Prozent geschafft", sagte eine weitere mit der Situation vertraute Person.
wne/rts
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