Wirtschaft
Der Bank droht eine Strafe in dreistelliger Millionenhöhe.
Der Bank droht eine Strafe in dreistelliger Millionenhöhe.(Foto: REUTERS)

Rekordbußen wegen Manipulationen: EU bestraft Deutsche Bank

Der Skandal um die Manipulation von Referenzzinssätzen kommt die Deutsche Bank wohl teuer zu stehen. EU-Kommissar Almunia will dem Institut eine hohe Strafe aufbrummen. Das ist allerdings nicht das einzige größere Problem der Bank.

Im Zusammenhang mit der Manipulation von Referenzzinssätzen will die Europäische Union gegen die Deutsche Bank und weitere Institute eine Rekordstrafe verhängen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Bei dem größten deutschen Geldinstitut gehe es um den Euribor, den Libor und den japanischen Tibor, hieß es.

Demnach sollen neben der Deutschen Bank auch Geldhäuser wie Barclays, die Royal Bank of Scotland, Citigroup und JP Morgan Chase Geldbußen zahlen. Insgesamt seien wohl mehr als 1,5 Milliarden Euro fällig. Die Schweizer UBS werde nicht bestraft, weil sie die Kartellwächter auf Manipulationen beim Yen-Zinssatz aufmerksam gemacht habe. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia werde die Strafen voraussichtlich am Vormittag bekanntgeben, sagte ein zweiter Insider.

Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab. Ihr droht den Angaben zufolge eine Strafe in dreistelliger Millionenhöhe. In der Regel verhängt die Kommission bei Wettbewerbsverstößen ein Bußgeld, das ein Zehntel der Einnahmen eines Jahres erreichen kann. Im Euribor-Fall liegt es aber deutlich darunter, wie aus den Kreisen im November verlautete. Die Deutsche Bank kam 2012 auf Einnahmen von 33,7 Milliarden Euro.

Zahlreiche Banken unter Verdacht

In den Skandal sollen mehr als ein Dutzend Banken verwickelt sein. Für die Ermittlung der sogenannten Benchmarks melden Banken, zu welchen Zinsen sie sich Geld leihen können. Aus diesen Daten werden Referenzsätze gebildet. Der bekannteste und wichtigste Zinssatz ist der Libor (London Interbank Offered Rate). Seit der Gründung der Euro-Zone gibt es zudem den Euribor (Euro Interbank Offered Rate) für die Banken in der Währungsunion.

Händler sollen die Zinssätze zu ihren Gunsten manipuliert haben - nicht nur um Handelsgewinne einzustreichen, sondern auch, um ihr Institut besser aussehen zu lassen. Referenzsätze wie Libor und Euribor werden täglich ermittelt und sind die Grundlage für Finanzgeschäfte im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Sie sind auch für private Kreditnehmer wichtig: In Europa haben nach Angaben der EU-Kommission 40 Prozent der Verbraucherkredite einen variablen Zinssatz.

Das System soll nach dem Willen vieler Aufseher wegen der Manipulationen geändert werden. Weltweit wurden gegen die UBS, die Royal Bank of Scotland, Barclays, die niederländische Rabobank und den Broker Icap bereits Strafen mit der Gesamtsumme von 3,7 Milliarden Dollar wegen der Manipulationen verhängt. Gegen sieben Händler laufen Strafverfahren.

Hohe Rückstellungen gebildet

Die Deutsche Bank, die eigentlich einen "Kulturwandel" ausgerufen hatte, hat zurzeit großen juristischen Ärger. So steht Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen im Verdacht, im langjährigen Rechtsstreit des Instituts mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vor Gericht gelogen zu haben. Für Sünden der Vergangenheit hat die Bank schon mehr als vier Milliarden Euro zur Seite gelegt.

Und in Japan wird die Bank ihre Geschäftsregeln verschärfen müssen. Die Wertpapier- und Börsenaufsichtskommission werde eine entsprechende Empfehlung abgeben, berichtete Reuters. Ein Sprecher der Investmentsparte des Instituts in Tokio wollte sich dazu nicht äußern. Die Deutsche Bank war wegen Spesenabrechnungen ins Visier der japanischen Aufsichtsbehörden geraten. Dabei soll es um Manager von Pensionsfonds gehen, für die in Japan besonders strenge Anti-Korruptionsregeln gelten.

Zudem stehen mehrere internationale Großbanken der "Süddeutschen Zeitung" zufolge im Verdacht, massiv Währungskurse manipuliert zu haben. Finanzbehörden in Europa, den USA und Asien gingen dem nach, hieß es. Die Banken hätten möglicherweise Geschäfte mit fremden Währungen in der Absicht getätigt, den Kurs zu einer bestimmten Uhrzeit zu beeinflussen und so mittels Kurswetten Gewinne einzunehmen. Erhärte sich der Verdacht, könne der Skandal größere Ausmaße annehmen als der Libor-Skandal, so die Zeitung. Nach Angaben der deutschen Bankenaufsicht gibt es derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass eine deutsche Bank in diese Manipulationen involviert war.

Quelle: n-tv.de

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