Wirtschaft
Der Vorwurf: Google manipuliert Suchergebnisse zu seinen Gunsten.
Der Vorwurf: Google manipuliert Suchergebnisse zu seinen Gunsten.(Foto: imago/IP3press)

So nutzt der Konzern seine Macht: EU droht Google offiziell mit Milliardenstrafen

Von Roland Peters

Die Suchmaschine Google ist praktisch, schnell - und beherrscht die Online-Welt so sehr, dass eine Beeinflussung Milliarden Euro bedeuten kann. Die EU-Kommission hat genug von der digitalen Dominanz des US-Konzerns und eröffnet zwei Verfahren.

Die Europäische Union macht keine halben Sachen mehr in Sachen Google. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Verstager hebt den Konflikt auf die politische und juristische Ebene. Sie wirft dem US-Konzern nun offiziell unfairen Wettbewerb in zwei Bereichen vor: bei der Suchmaschine und beim Betriebssystem Android. Bei beidem geht es für Google um viel, denn sämtliche Nutzer der Suchmaschine und eines Android-Geräts würden die Auswirkungen spüren - und damit auch der Konzern in seiner Bilanz.

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Das Verfahren läuft bereits seit fünf Jahren, eine friedliche Einigung ist gescheitert. Nun stellt die EU-Kommission dem Unternehmen eine Art Anklageschrift zu. Google hat zehn Wochen Zeit, Stellung zu beziehen.

Die Vorwürfe

Die Dienste sind für Nutzer gratis. Sein Geld verdient Google vor allem mit seinen Anzeigen. Wenn jemand einen Begriff sucht, wird ihm entsprechende Werbung präsentiert. Klickt er darauf, kassiert Google Provisionen. Deshalb, so der erste Vorwurf, platziere der Konzern die eigenen Angebote in Suchergebnissen systematisch prominenter als die der Konkurrenz.

Beispiele sind etwa Anzeigen bei Produktsuche und Online-Handel (Google Shopping), Restaurants oder Reisen (Google Flights). Da das Unternehmen in europäischen Ländern einen Marktanteil von bis zu 90 Prozent hat, wäre so etwas der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung.

In Bezug auf Android bezieht sich die Beschwerde auf die Darstellung und Verknüpfung von Apps innerhalb des Mobil-Betriebssystems. Auch in diesem Bereich besitzt Google den mit Abstand größten Marktanteil und schreibt Herstellern von Android-Geräten angeblich vor, Programme wie Gmail oder Google Maps vorzuinstallieren; womöglich exklusiv.

Seit einiger Zeit versucht Google zudem, auf Smartphones den Nutzern gleich konkrete Antworten statt Linklisten zu liefern. Auch diese könnten manipuliert sein. Der Vorwurf: Nicht das beste, sondern das für Google lukrativste Ergebnis wird angezeigt.

Die Gegner

20 Firmen haben sich beschwert, darunter Microsoft, Tripadvisor, Yelp, der Reiseanbieter Expedia und die Preisvergleichsseite Ciao. Dreimal bot Google an, seine Suchanzeige zu verändern, doch der EU-Kommission ging das nicht weit genug. Die Konkurrenten und Unternehmen aus der Medienbranche begrüßen das: Sie wollen unter anderem einen prominenteren Platz bei der Anzeige von Ergebnissen.

Die Beispiele

Erst vor wenigen Wochen berichtete das "Wall Street Journal" über ein vertrauliches Papier der US-Handelsbehörde FTC, in dem unlautere Praktiken des Konzerns im Jahr 2012 beschrieben werden. Demnach verwendete Google unerlaubt Inhalte von Unternehmen. Der Konzern benutzte etwa bei Amazon die Kundenbewertungen und stellte sie bei den Suchergebnissen als eigene dar. Als die Firmen sich beschwerten, drohte der Konzern damit, sie in der Suchmaschine gar nicht mehr anzuzeigen. Zumindest bei Yelp und Tripadvisor war Google damit erfolgreich.

Google soll außerdem Links zu bestimmten Firmen abgewertet oder gar nicht angezeigt haben. Websites, die Google-Suchergebnisse anzeigten, durften mit keinen anderen Suchmaschinen zusammenarbeiten. Die FTC soll das Verfahren eingestellt haben. Vor zwei Jahren allerdings hatte die EU-Wettbewerbsaufsicht dem US-Konzern ebenfalls diese Kritikpunkte vorgelegt. Der Schritt der EU-Kommission legt nahe, dass sich daran kaum etwas geändert hat.

Die Auswirkungen

Die EU-Kommission kann umfassende Änderungen an der Geschäftspraktik als Auflage aussprechen und die Zahlung von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes als Strafzahlung anordnen. Das wären mehr als 6 Milliarden Euro. Google besitzt Geldreserven von über 60 Milliarden US-Dollar. Veränderungen könnten den Konzern aber empfindlich treffen, wenn er die Anzeigen im Umfeld der Internetsuche verändern muss.

Sollte ein Bußgeld verhängt werden, kann der Konzern vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg klagen. Ein Prozess könnte Jahre dauern. So war es auch bei Microsoft, das zu zwei Milliarden Euro Strafzahlung verurteilt wurde - und nun mit dem Finger auf den großen Konkurrenten zeigt.

Quelle: n-tv.de

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