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Das Kapital der Kleinsparer als Lösung für die Kreditklemme? Die EU zieht das derzeit offenbar in Betracht.
Das Kapital der Kleinsparer als Lösung für die Kreditklemme? Die EU zieht das derzeit offenbar in Betracht.(Foto: picture alliance / dpa)

"Europäisches Sparkonto" gegen Kreditklemme?: EU sieht bei Kleinsparern Potenzial

Nach der Finanzkrise vergeben Banken in vielen Ländern nur noch zögerlich Kredite, Die EU-Kommission arbeitet deshalb an Plänen, dieses Problem nachhaltig anzugehen. Dabei wirft sie auch ein Auge auf die rund 500 Millionen Sparer in der EU.

Die Europäische Union sucht wegen der Kreditknappheit in vielen Ländern fieberhaft nach neuen Wegen zur Finanzierung von Unternehmen. Großes Potenzial sieht die EU-Kommission bei den 500 Millionen Sparern in der Union, wie aus einem Dokument der Brüsseler Behörde hervorgeht, das Reuters vorliegt. Die Ersparnisse liegen derzeit vor allem bei den Banken.

Die Kommission will bis Jahresende deshalb die Einführung eines "europäischen Sparkontos" prüfen. Das dort angelegte Geld könnte dann zur Finanzierung mittelständischer Firmen genutzt werden. Im Unterschied zu Unternehmensanleihen wären die Risiken voraussichtlich geringer, aber die genauen Details sind noch offen. Der deutsche Bankenverband kritisierte die Überlegungen: Eine solche Umschichtung von Sparguthaben würde die Fähigkeit der Geldhäuser, Kredite zu vergeben, weiter einschränken.

Abhängigkeit von Banken verringern

Das Problem ist seit längerem bekannt: Nach der Finanzkrise vergeben Banken in vielen Ländern nur noch zögerlich Kredite, vor allem für langfristige Projekte. "Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Fähigkeit des Finanzsektors beeinträchtigt, der Realwirtschaft und vor allem langfristigen Projekten Kapital zur Verfügung zu stellen" - so formuliert es die EU-Kommission in dem Papier. Sie sucht deshalb nach Alternativen, um die Abhängigkeit von den Banken zu verringern.

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, meldet bereits Bedenken gegen die Überlegungen der EU-Kommission an, auch wenn diese noch in einem sehr frühen Stadium sind. "Den Anlegern werden bei einer festen Zweckbindung Risiken aufgebürdet, die sonst von den Banken getragen würden. Letztendlich würden die entsprechenden Mittel von den Banken abgezogen, kritisierte er. "Solche Eingriffe - vor allem, wenn sie mit staatlichen Förderungen wie Garantien oder Steuervorteilen verbunden sind - verzerren stets die Marktentscheidungen von Anlegern und Investoren."

Überlegungen in viele Richtungen

Die Banken scheuen aber oft die Risiken langfristiger Projekte, bei denen es immer wieder zu Verzögerungen und Kostenexplosionen kommt. Als weiteren Grund für ihre Zurückhaltung führen die Institute die gestiegenen Kapitalanforderungen an. Die EU will nun in den kommenden zwei Jahren auch prüfen, ob die Kapitalvorschriften in Europa für die langfristige Finanzierung gelockert werden müssten. Dies dürfte etwa in den USA aufmerksam verfolgt werden. Dort will man ausschließen, dass Banken in der EU nicht einseitig Vorteile eingeräumt bekommen.

Die Überlegungen der EU-Kommission gehen auch noch in andere Richtungen: Inwieweit könnten sich die Versicherer mit ihren eingesammelten Milliardensummen stärker an der Finanzierung von Langfrist-Projekten beteiligen? Vorschläge soll hier die europäische Versicherungsaufsicht im zweiten Halbjahr machen.

Könnten neue Regeln für den Pfandbriefmarkt bei dem Problem helfen? Soll das sogenannte "Crowdfunding" - bei dem viele Kleinstbeteiligungen von Anlegern gebündelt werden - gefördert werden? Auch der nach der Krise teilweise in Verruf geratene Verbriefungsmarkt, auf dem Kredite gehandelt werden, könnte wiederbelebt werden, damit die Banken Risiken leichter von der Bilanz bekommen.

Quelle: n-tv.de

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