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Bald schon Post aus dem Ausland: Der Europäische Gerichtshof könnte den Steuerberatungsmarkt in Deutschland öffnen.
Bald schon Post aus dem Ausland: Der Europäische Gerichtshof könnte den Steuerberatungsmarkt in Deutschland öffnen.(Foto: picture alliance / dpa)

Bald Konkurrenz aus dem Ausland?: EU verunsichert deutsche Steuerberater

Dürfen Steuerexperten aus dem europäischen Ausland Kunden in Deutschland in Steuerfragen beraten? Am Europäischen Gerichtshof spricht sich ein Generalanwalt für eine Öffnung aus - gegen den Willen der deutschen Behörden.

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Deutsche Steuerberatergesellschaften bekommen womöglich bald zusätzliche Konkurrenz von Kollegen aus dem EU-Ausland. Dass eine in einem anderen EU-Mitgliedstaat niedergelassene Steuerberatungsgesellschaft nicht für Mandanten in Deutschland arbeiten dürfe, verstoße gegen den freien Dienstleistungsverkehr, heißt es in den Schlussanträgen des zuständigen Generalanwaltes am Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg.

In dem Rechtsstreit vor dem Bundesfinanzhof geht es um die Weigerung der deutschen Steuerbehörden, eine Steuerberatungsgesellschaft in den Niederlanden für einen Mandanten in Deutschland arbeiten lassen zu dürfen. Weil solch eine Beratung in den Niederlanden nicht reglementiert ist, forderten die Finanzbehörden, dass die Chefs der niederländischen Firma zuvor eine Prüfung als Steuerberater nach deutschem Recht bestehen müssten.

Unterliegt der deutsche Fiskus?

Das Argument der Bundesregierung, nur ausgebildete Steuerberater mit abgelegter Prüfung könnten Steuerschuldner vor falscher Beratung schützen, ließ Generalanwalt Cruz Villalón nicht gelten. Er verwies darauf, dass nach dem deutschen Steuerberatungsgesetz eine Vielzahl von Berufsgruppen auch ohne Genehmigung oder Anforderungen an ihre Qualifikation zur Hilfe in Steuersachen befugt seien.

Villalón nannte dazu unter anderem: Notare, Patentanwälte, Vermögensverwalter, Berufsvereinigungen, Lohnsteuerhilfevereine, Arbeitgeber, inländische Kapitalanlagegesellschaften oder ausländische Kreditinstitute. Das Urteil wird in einigen Monaten erwartet. Zumeist folgt der Gerichtshof den Schlussanträgen seiner Generalanwälte.

Sollte das Privileg der deutschen Steuerberater fallen, wäre womöglich nicht nur das aufwändige Ausbildungs- und Prüfverfahren hinfällig. Bislang müssen sich Kandidaten mit viel Aufwand, Zeit und Energie auf die Prüfung zum Steuerberater vorbereiten. Sollten die Richter dem Antrag des Generalanwalts folgen, wäre zudem die Tür offen für europaweit auftretende Dienstleister, die ihren Steuerberatungsservice für Unternehmen und Privatkunden dann auch im lukrativen deutschen Markt anbieten könnten.

Quelle: n-tv.de

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