Wirtschaft
EZB-Chef Mario Draghi bezeichnete "Helikoptergeld" als "interessantes Konzept".
EZB-Chef Mario Draghi bezeichnete "Helikoptergeld" als "interessantes Konzept".(Foto: REUTERS)

Keine Geldgeschenke: EZB erteilt "Helikoptergeld" Absage

Von Jan Gänger

Die einen halten es für Irrsinn, die anderen für ein interessantes Konzept: Die Europäische Zentralbank verschenkt Geld, um die Wirtschaft anzukurbeln. EZB-Direktor Coeuré steht der Idee skeptisch gegenüber.

EZB-Direktor Benoît Coeuré hat dem sogenannten Helikoptergeld eine Absage erteilt – zumindest auf absehbare Zeit. Die Führung der Zentralbank diskutiere ein solches Konzept nicht, sagte der Franzose der Zeitung "Politico". "Als Ökonom finde ich die akademische Debatte spannend", so Coeuré. Als Mitglied des EZB-Rats habe er jedoch eine gehörige Portion Skepsis.

Ökonomen diskutieren über "Helikoptergeld" als weiteres mögliches Mittel einer ultralockeren Geldpolitik. Der Kerngedanke: Statt Geld über Banken in den Markt zu pumpen, wird Zentralbankgeld quasi verschenkt. Sinnbildlich würden dabei Geldscheine aus einem Hubschrauber abgeworfen. Empfänger könnten beispielsweise die Bürger sein oder aber der Staat. Die Befürworter sehen darin den Vorteil, dass das Geld über Konsumausgaben direkt in den Wirtschaftskreislauf gelangen würde.

EZB-Chef Mario Draghi hatte "Helikoptergeld" auf einer Pressekonferenz als "interessantes Konzept" bezeichnet, das von Ökonomen diskutiert werde. Als er die erstaunte Reaktion der Journalisten bemerkte, schob Draghi hinterher, dass der Rat der Notenbank solche Ideen allerdings "bisher" nicht genauer erörtert habe. Seitdem wird nicht nur in Fachkreisen über das Konzept gesprochen.

"Wenn wir in diese Diskussion einsteigen würden, müssen wir viele Fragen klären", sagte Coeuré. "Wie genau soll das in der Praxis funktionieren? Wie passt Helikoptergeld in unsere Geldpolitik? Am wichtigsten: Wie stellen wir sicher, dass wir die Linie zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik nicht überschreiten?"

Auf die rechtlichen Hürden hatte auch Bundesbank-Chef und EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann hingewiesen, der Helikoptergeld für eine schlechte Idee hält. "Ob und wie Geld an die Bürger verschenkt wird, ist eine hochpolitische Entscheidung, die Regierungen und Parlamente fällen müssen", hatte er vergangene Woche in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe gesagt. Hier habe die EZB einfach kein Mandat. Mit anderen Worten: Die EZB würde mit "Helikoptergeld" Finanzpolitik betreiben, was ihr verboten ist. Jonathan Loynes zufolge, Ökonom bei Capital Economics, bedeuten rechtliche Hürden allerdings wenig: Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass auch scheinbar undenkbare geldpolitische Maßnahmen Realität werden könnten.

EZB verhängt Strafzinsen

Seit rund zwei Jahren versucht die EZB die Preissteigerung in der Eurozone zu erhöhen - bislang allerdings mit wenig Erfolg. Zuletzt betrug die Inflation in der Eurozone minus 0,2 Prozent. Die Notenbank ist damit weit von ihrem Zielwert, einer Inflation von mittelfristig knapp unter zwei Prozent, entfernt. Nach ihrer jüngsten Ratssitzung verkündete die EZB, den Leitzins in der Eurozone auf null Prozent zu senken und das Anleihekaufprogramm auf 80 Milliarden Euro pro Monat auszuweiten.

Außerdem erhöhte die EZB den Strafzins, der fällig wird, wenn Finanzinstitute Geld bei der EZB parken. Er liegt jetzt bei 0,4 Prozent. Coeuré versicherte: "Wir werden die Zinsen nicht in den absurd negativen Bereich führen."

Auf das Image der Zentralbank in Deutschland angesprochen, sagte der EZB-Direktor: "Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass einige Ökonomen uns dafür kritisieren, dass wir uns auf das Inflationsziel konzentrieren." Denn dieses Mandat habe die EZB auf deutschen Druck hin erhalten.

Quelle: n-tv.de

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