Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Lukrative Stützungskäufe: EZB macht Milliardengewinn

In der Krise kauften Europas Zentralbanken Staatsanleihen für mehr als 200 Milliarden Euro auf und stützten so die Kurse. So umstritten die Maßnahmen auch sind, für die EZB zahlen sie sich bislang aus. Die Zinsen bescheren Europas Währungshütern einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro.

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Der umstrittene Kauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenstaaten hat der Europäischen Zentralbank mehr als eine Mrd. Euro in die Kassen gespült. Die Zinseinnahmen aus dem so genannten Programm für die Wertpapiermärkte (Securities Markets Programme oder kurz SMP), in dessen Zuge die Zentralbank Anleihen von klammen Staaten aufkaufte, beliefen sich im vergangenen Jahr auf 1,1 Mrd. Euro. Allein griechische Anleihen brachten 555 Mio. Euro ein. Insgesamt steigerte die Notenbank ihren Gewinn im Vergleich zum Vorjahr von 1,89 Mrd. Euro auf 2,16 Mrd. Euro. Der Netto-Profit kletterte von 728 Mio. auf 998 Mio. Euro.

Zum Jahresende hielten die Notenbanken der Eurozone den Angaben zufolge noch Anleihen von Euro-Krisenländern im Wert von 208,7 Mrd. Euro (Nominalwert: 218 Mrd. Euro). Davon entfallen 99 Mrd. Euro auf italienische Papiere und 43,7 Mrd. Euro auf spanische. Griechische Anleihen machen 30,8 Mrd. Euro aus und portugiesische 21,6 Mrd. Euro. Zudem zählt Irland mit 13,6 Mrd. Euro noch zu den Schuldnern des Eurosystems. Die Bonds haben eine durchschnittliche Restlaufzeit von 4,3 Jahren.

Aufkäufe ohne Grenzen

Die EZB hatte sich im Mai 2010 gegen deutschen Widerstand zu einem Programm zum Kauf von Staatsanleihen entschlossen. Der Erwerb der Papiere auf dem Sekundärmarkt - also etwa von Banken - sollte kriselnden Staaten, die sich am Markt nur noch sehr teuer frisches Geld besorgen konnten, helfen.

Seit März 2012 ruhte das SMP-Kaufprogramm, im Sommer 2012 ersetzte es die EZB durch ein neues Programm mit dem Namen "Outright Monetary Transactions", kurz OMT. Die Währungshüter um den Italiener Mario Draghi kündigten dabei an, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten aufzukaufen - unter der Bedingung, dass die betreffenden Staaten zuvor einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds stellen und sich somit politischen Reformvorgaben unterwerfen.

Aktiv wurde die EZB in diesem Rahmen bislang nicht. Draghi zeigte sich jedoch überzeugt, dass allein die Ankündigung die Märkte beruhigt habe. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wird wie sein Vorgänger Axel Weber nicht müde, auf die Risiken von Staatsanleihenkäufen durch die Zentralbank hinzuweisen: Die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik werde verwischt, die Notenbank werde durch die Hintertür zum Staatsfinanzierer. Weber war im Streit um den Kurs der Geldpolitik Ende April 2011 zurückgetreten.

Bislang hatte die EZB nur das Gesamtvolumen der Anleihenkäufe genannt, aber keine Angaben zu einzelnen Staaten gemacht. Die neue Offenheit begründeten die Währungshüter damit, dass sie für das neue OMT-Programm Transparenz versprochen haben - das soll nun durch die Veröffentlichung von Details zum alten Programm untermauert werden.

Quelle: n-tv.de

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