Mittwoch, 30. September 2009
Banken tanken 75 Mrd. Euro: EZB pumpt wieder Geld
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Banken des Euroraums zum zweiten Mal in diesem Jahr mit gigantischen Summen unter die Arme gegriffen. Mehr als 75 Mrd. Euro frisches Geld wurden zu dem historisch niedrigen Zinssatz von einem Prozent zugeteilt.
Die Notenbank will einer Kreditklemme vorbeugen.
(Foto: AP)
Das Geschäft hat eine Laufzeit von einem Jahr. Das Interesse der Banken war jedoch deutlich niedriger als bei der ersten Aktion im Juni.
Die Notenbank will den Banken mit dieser Maßnahme ausreichend Kapital bereitstellen, um die Kreditversorgung zu sichern und eine Kreditklemme in den 16 Euro-Ländern vermeiden. Wegen der Finanzkrise klagen viele Unternehmen darüber, dass die Banken ihnen nicht ausreichend Darlehen geben. Seit Beginn der Krise setzt die EZB auf niedrige Zinsen und eine üppige Geldversorgung, um die Wirtschaft anzukurbeln. Allerdings droht bei einer Überversorgung eine steigende Inflation, was die Konjunktur wieder scharf bremsen könnte.
Geringe Nachfrage nach Jahrestender
Am Mittwoch fragten knapp 600 Geschäftsbanken neues Geld nach, das waren nur noch knapp halb so viele Institute wie im Juni. Zudem fiel die Summe deutlich niedriger aus: Im Juni hatten die Banken den Rekordwert von 442 Mrd. Euro abgerufen. Der Euro stieg nach der Aktion auf ein neues Tageshoch von 1,4673 US-Dollar.
"Die EZB hat die Planungssicherheit der Geschäftsbanken erhöht", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert die Maßnahme. Auf der anderen Seite zeige das deutlich geringere Volumen dieser zweiten Aktion, dass die EZB künftig Liquidität abziehen werde. Seit langem fragen sich Experten, wie die Notenbank dabei vorgehen wird. Vermutlich werde die EZB außerplanmäßige Refinanzierungsgeschäfte einfach nicht verlängern und von Mitte 2010 an die Leitzinsen erhöhen.
Geld ohne Grenzen
Normalerweise haben die EZB-Geschäfte deutlich kürzere Laufzeiten von wenigen Wochen oder Monaten. Im Frühjahr hatte die Notenbank wegen der Krise an den Finanzmärkten aber angekündigt, auch außerordentlich lange Laufzeiten anzubieten. Im Gegensatz zu den üblichen Zentralbank-Aktionen vor der Krise war das Geldangebot auch nicht in der Menge begrenzt.
Die Banken können sich bei der EZB frisches Geld besorgen, müssen dafür aber Zinsen zahlen und Sicherheiten hinterlegen. Seit Sommer vergangenen Jahres hatten die Notenbanken weltweit immer wieder die Märkte mit Geld geflutet, weil sich die Banken gegenseitig misstrauten und der Geldhandel zwischen den Instituten zeitweise zum Erliegen kam. Seit Oktober vergangenen Jahres senkte die EZB zudem den Leitzins schrittweise auf nur noch 1,0 Prozent.
ddi/dpa
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