Wirtschaft
Griechenlands Premierminister Samaras will, dass die EZB Athen mehr Zeit gibt, Schulden zurückzuzahlen.
Griechenlands Premierminister Samaras will, dass die EZB Athen mehr Zeit gibt, Schulden zurückzuzahlen.(Foto: picture alliance / dpa)

Athen bettelt um neue Hilfe: EZB soll Zinsen senken

Griechenland versinkt immer tiefer im Schuldensumpf, nun meldet Athen neue Wünsche an: Die Europäische Zentralbank soll Griechenland mehr Zeit geben, seine Schulden zurückzuzahlen - oder am besten gleich die Zinsen senken. Auf den Steuerzahler käme so eine Art verdeckter Schuldenschnitt zu.

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Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras will von der Europäischen Zentralbank (EZB) Erleichterungen bei der Rückzahlung von Staatsanleihen. "Wenn die EZB die Laufzeit der Bonds verlängern könnte, wäre das sehr positiv. Es würde unsere Schulden senken", sagte Samaras bei einer Diskussionsrunde in Paris. Er werde Mario Draghi fragen, ob er es erlaubt, bei der Rückzahlung der Papiere oder den Zinszahlungen auch eine unterstützende Politik zu fahren. Die EZB hat eine erhebliche Zahl griechischer Staatsanleihen gekauft, um die Zinskosten des hoch verschuldeten Landes am Markt zu drücken. Wenn sie Griechenland nun einen Zahlungsaufschub gewährt, käme das einer Art verdecktem Schuldenschnitt gleich.

Samaras wünschte sich auch den direkten Zugang der griechischen Banken zu den Milliarden des Rettungsschirms ESM. Das würde die Gesamtverschuldung deutlich verringern, so Samaras, weil Griechenland kein geborgtes Geld für die Sanierung der Geldhäuser aufwenden müsste. Denn geplant ist, dass die Zahlungen an Banken explizit nicht den Schulden eines wackelnden Euro-Landes zugerechnet werden sollen.

Der Premier bekräftigte seinen Willen, Griechenland unbedingt im Euro zu halten. Ein Austritt wäre eine Katastrophe und würde 60 Prozent des Lebensstandards bedrohen.
Am frühen Nachmittag hatte EZB-Chef Draghi aber indirekt gesagt, dass Länder, deren Hilfsprogramm noch geprüft wird, keine Hilfe der Zentralbank erwarten können. Das ist der Fall in Griechenland, denn die Inspektoren der Troika befinden sich noch in Athen.

Internationaler Bankenverband unterstützt Athens Vorschlag

Unterstützung bekommt Athen für seine Anfrage vom internationalen Verband der Finanzwirtschaft (IIF). Der IIF empfiehlt der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds, die Zinsen auf griechische Staatsanleihen und Kredite zu senken. Nur so habe das überschuldete Land eine Chance, sich zu erholen.

IIF-Geschäftsführer Charles Dallara forderte die EZB außerdem dazu auf, das neue OMT-Programm zum Kauf von Staatspapieren auf Portugal und Irland auszuweiten. Er verlangte von den Staats- und Regierungschefs der Eurozone auch, den Blick auf die langfristige Erholung der Krisenländer zu richten und nicht auf kurzfristige Ziele. Dem Institute of International Finance (IIF) gehören 400 der größten Banken der Welt, Versicherer und Finanzunternehmen an. Geschäftsführer Dallara verhandelte im Frühjahr den Schuldenschnitt für Griechenland.

Quelle: n-tv.de

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