Wirtschaft
Draghi ist wild entschlossen: Wenn es sein muss, soll die EZB auch faule Kreditbriefe aufkaufen.
Draghi ist wild entschlossen: Wenn es sein muss, soll die EZB auch faule Kreditbriefe aufkaufen.(Foto: REUTERS)

Alles für Konjunktur und Inflation: EZB will Bilanzsumme steigern

Mario Draghi hat es eilig: Schnell will er Konjunktur und Inflation anfachen. Dafür muss Geld in die europäische Wirtschaft fließen, viel Geld. Daher schließt er nichts aus - auch nicht "unkonventionelle Instrumente".

Die Europäische Zentralbank (EZB) schließt im Kampf gegen die flaue Konjunktur und die niedrige Inflation in der Eurozone eine weitere Lockerung der Geldpolitik nicht aus. EZB-Präsident Mario Draghi sagte in Frankfurt, die Zentralbank werde mögliche "unkonventionelle Instrumente" prüfen. Diese würden allerdings nur dann eingesetzt, wenn die derzeitigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation in der Eurozone nicht ausreichten, erklärte Draghi.

Nach früheren Äußerungen des EZB-Präsidenten können solche Maßnahmen auch den massenhaften Ankauf von Staatsanleihen bedeuten. Der Ankauf ist höchst umstritten, weil sich solch ein Programm auf einem schmalen Grat zwischen zulässiger Geldpolitik und verbotener Staatsfinanzierung bewegt. Insbesondere die Deutsche Bundesbank und ihr Chef Jens Weidmann lehnen ihn ab. Im Vorfeld der EZB-Sitzung hatte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Zentralbank dagegen aufgefordert, zusätzlich zu kreditbesicherten Anleihen - sogenannten ABS-Papieren - auch Staatsanleihen zu kaufen.

Draghi teilte mit, dass die EZB ihre Bilanzsumme deutlich aufstocken wolle: "Unsere Bilanzsumme wird wachsen - und die anderer Zentralbanken wird sinken", sagte der EZB-Chef in Anspielung auf die US-Notenbank Fed. Sie hatte in der vergangenen Woche ein Ende ihrer Anleihenkäufe angekündigt.

Mehr Geld in die Bilanz

Draghi bekräftigte das Ziel, die Vermögenswerte der Zentralbank auf das Niveau von "Anfang 2012" auszuweiten. Derzeit verfügt die EZB über rund zwei Billionen Euro; vor zweieinhalb Jahren waren es gut drei Billionen Euro gewesen. Die derzeitigen Maßnahmen der EZB, etwa der Ankauf von ABS-Papieren, haben laut Draghi einen "erheblichen" Einfluss auf die Bilanzsumme.

Der oberste Währungshüter wies Kritik an seinem Führungsstil zurück. In den vergangenen Tagen hatte es Berichte gegeben, dass einige nationale Notenbank-Chefs Draghis Art der Führung und seine Weise zu kommunizieren kritisiert hätten. Im EZB-Gremium gebe es eine "normale Vielfalt" und keine Koalition gegen ihn, erst recht kein "Nord-Süd-Gefälle", sagte Draghi dazu.

Den zentralen Leitzins für die Eurozone beließ der EZB-Rat auf dem historischen Tief von 0,05 Prozent. Auch die zwei anderen Leitzinsen blieben auf dem Niveau des Vormonats. Kreditinstitute, die ihr Geld lieber kurzfristig bei der Notenbank parken anstatt es an Unternehmen zu verleihen, müssen weiterhin einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen.

Die Anleger reagierten positiv auf Draghis Worte. Während der Pressekonferenz in Frankfurt legte der Deutsche Aktienindex (Dax) zwischenzeitlich um 1,6 Prozent zu.nzsumme.

Quelle: n-tv.de

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